Talentierter Linksausleger reifte zur Extraklasse

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"Drei Runden hatte man ,Milde' anno 1966 gegen den GRÖSSTEN zugetraut. Es wurden zwölf. Danach hieß Mildenberger nur noch KARL DER GROSSE", erinnert sich Hermann Woelm. amö-Fotos
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10. September 2013:
Ex-WBC-Kämpfer
Hermann Woelm
feierte 75. Geburtstag


Eigentlich wollte er mal ein richtig guter Fußballer werden. Doch nach seines Vaters Rat wurde er Boxer. Und nach einem Dreiviertel-Jahrhundert kann Ex-WBS-Halbschwer- und Schwergewichtler Hermann Woelm auf eine ziemlich erfolgreiche Box-Karriere zurückblicken.
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"Junge, geh doch zum Boxen, die Jungs in Witten machen da ein prima Training", riet Vater Josef Woelm, selbst einmal aktiver Faustkämpfer, seinem Sohnemann, der damals noch bei den Ballfreunden Ardey kickte. Und Hermann, 16 Jahre jung, aber schon 1,90 Meter groß, meldete sich beim Wittener Box-Sport an - und machte alles richtig. Unter Trainer Hans Bader reifte der talentierte Linksausleger zu einem Boxer der Extraklasse.

Natürlich hatte sich das Nachwuchstalent Woelm den damaligen Wittener Stern am Boxhimmel Erich Schöppner sowie die lebende Legende Max Schmeling als Vorbilder ausgeguckt. Und keine zwei Jahre später, anno 1956, war Jung-Hermann - gerade erst 18 Lenze - Junioren-Bezirksmeister sowie Westfalenmeister im Halbschwergewicht.

"Das war schon eine tolle Geschichte, solch einen erfolgreichen Auftakt zu haben", erinnert sich der Geburtstags-Jubilar, der damals neben so bekannten Amateur-Box-Größen wie Peter Hussing (Siegen) und Jochen Döll (Hamm) zu den besten deutschen Amateur-Faustkämpfern seiner Gewichtsklasse zählte.

Schon frühzeitig und noch während seiner aktiven Zeit machte der technisch versierte Modellathlet seinen Trainerschein. Und eigentlich hatte Hermann Woelm mit 29 Jahren schon seinen Abschied als aktiver Kämpfer vom Ringgeviert genommen.

Doch nachdem er in seiner Eigenschaft als Trainer eine regionale Meisterschaft besuchte, war er von den Leistungen einiger Faustkämpfer so maßlos enttäuscht, dass er spontan sagte: "Was die sich da zusammenboxen, dass kann ich auch noch mit meinen 33 Jahren." Sprach's, streifte sich erneut die Box-Handschuhe über und gewann nach vierjähriger Ringpause zur Verblüffung der anwesenden Fachwelt in der vollbesetzten Bochumer Ruhrlandhalle anno 1971 zum vierten und letzten Male die Bezirksmeisterschaft im Schwergewicht.

Logisch, dass Box-Fachmann Woelm das aktuelle nationale und internationale Geschehen im Ring noch immer interessiert verfolgt. Und bei den regelmäßigen Treffen mit den "alten Kameraden" geht es dann hoch her, wenn die unterschiedlichen Meinungen aufeinanderprallen. Doch aktuelles Geschehen hin und "alte Kameraden" her, über eins gibt es für den keine zwei Meinungen: Fitness im Alter.

Auch als Ruheständler hält sich der ehemalige Polizei-Oberkommissar und Vater eines Sohnes und einer Tochter täglich in seinem heimischen Box-Gym, das mit zahlreichen Fachbüchern und vielen boxtechnischen Raritäten dekoriert ist - so unter anderem Original-Plakate von Muhammad Ali, Vitali Klitschko, Axel Schulz, Bubi Scholz und Peter Müller -, mit selbsterstellten Übungseinheiten in Form.

Das bestätigt auch die unbestechliche Waage des Box-Seniors, und die zeigt für ihn ein "Kampfgewicht" von 85 kg bei derzeit nur noch 1,86 Metern Körpergröße an. "Ein bisschen Schwund ist halt immer", meint schmunzelnd Box-Veteran Woelm und wischt sich den Trainingsschweiß aus dem Gesicht.

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Hermann Woelm gehörte dem Wittener Box-Sport 1923 von 1954 bis 1967 an und absolvierte als Halbschwer- und Schwergewichtler für den WBC insgesamt 105 Kämpfe. 74-mal - darunter oft vorzeitig - verließ er den Ring als umjubelter Sieger, 14-mal kämpfte er unentschieden, 17-mal konnte er aber den "Biss in die Zitrone" nicht verhindern. Danach war der mehrfache Bezirks- und Westfalenmeister als Trainer beim PSV Hattingen und BC Lütgendortmund tätig.
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Dieter Schumann aus Dortmund-Süd | 18.09.2013 | 09:52  
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