Wegteam verköstigt die Ärmsten

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Hier werden keine kleinen Mengen zubereitet – die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Wegteams gehen beim Kochen oft mit schwerem Gerät vor.

Jeden Donnerstag kommen im Schnitt etwa 60 Menschen aus sozial schwachen Verhältnissen im Martin-Luther-Zentrum zusammen, um gemeinsam zu essen und sich untereinander auszutauschen. Die Geselligkeit ist umsonst, das Essen auch, dafür sorgt das Wegteam, auch wenn die Intention ursprünglich eine ganz andere war.


Alles begann im Jahr 1992, als einige Männer aus der Johannisgemeinde und der Martin-Luther-Gemeinde einen Männergesprächskreis gründeten, in dem über persönliche Probleme gesprochen werden konnte. Daraus entstand die Idee, auch andere Menschen daran teilhaben zu lassen.
Die ersten Versuche, in der Wittener Fußgängerzone andere Menschen zum Gespräch einzuladen, scheiterten, und so entschlossen sich die Mitglieder des Gesprächskreises, diejenigen Menschen einzuladen, die es am Nötigsten hatten. Sie gingen unter Wittens Brücken und luden die dort lebenden Obdachlosen ein.
Schon bald kamen die ersten Gäste. Es wurden schnell mehr, und weil man mit leerem Magen kein gutes Gespräch führen kann, wurde gemeinsam gekocht. 1993 zog der Gesprächskreis in den alten Wartesaal des Wittener Bahnhofs; 1997 wurde die Arbeit beim Blauen Kreuz an der Lessingstraße fortgesetzt, und seit 2002 ist das Wegteam in der Martin-Luther-Kirchengemeinde beheimatet.
Finanziert wird die Aktion ausschließlich durch Spenden und freiwillige Beiträge der 34 Mitglieder des Wegteams, die längst nicht mehr unter Brücken gehen müssen, um neue Gäste einzuladen, denn die Möglichkeit, in geselliger Umgebung umsonst speisen zu können, hat sich durch Mundpropaganda mehr und mehr herumgesprochen. Mittlerweile kommen die Gäste auch aus Dortmund, Bochum, Hagen, Wuppertal. „Darunter sind Obdachlose, Hartz-IV-Empfänger, Rentner mit zu kleiner Rente, Menschen mit Lebensabbrüchen und auch ehemalige Strafgefangene. Manche Menschen kommen bereits seit 20 Jahren regelmäßig, und seit 2015 haben wir auch einen festen Anteil von Flüchtlingen aus Südosteuropa und dem Iran. Wir kennen meist nur ihre Vornamen und fragen auch nicht weiter nach – jeder ist bei uns willkommen“, berichtet Georg Hoos, Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins.
Wichtig ist den Verantwortlichen des Wegteams auch die Vermittlung des christlichen Glaubens – allerdings nicht mit der Brechstange. Georg Hoos: „Jedesmal gibt es auch einen kleinen, etwa zehnminütigen christlichen Impuls, entweder durch unseren Gemeindepfarrer oder von Ehrenamtlichen. Diejenigen, denen das nicht passt, gehen dann nach draußen, um zu rauchen oder kommen später. Aber über 90 Prozent unserer Gäste nehmen daran teil, und wir haben mittlerweile rund 25 Iraner, die sonntags regelmäßig in den Gottesdienst kommen.“
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