Heiteres und Besinnliches über die Fastenzeit

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Photo: Xanten-Marienbaum, Hans-Martin Scheibner.
Aschermittwoch, den 18.02.2015

Von Christel und Hans-Martin Scheibner

Am Aschermittwoch ist alles vorbei ...

Karneval - carne vale, was soviel heißt wie "Fleisch lebe wohl", ist der Abschied vom Genuß; denn am Aschermittwoch ist alles vorbei - wenn auch nur bis Ostern.

Frühmorgens findet traditionell in katholischen Gemeinden der Aschermittwochsgottesdienst statt. Alle Teilnehmer bekommen statt der Vergabe einer Hostie ein Aschekreuz auf die Stirn gezeichnet. Die Asche, welche der Priester mit Weihwasser besprenkelt, gewinnt man im Vorjahr aus den Palmzweigen des Palmsonntags, welcher an den Triumphzug Jesu durch Jerusalem erinnern soll. In Deutschland handelt es sich um Zweige des Buchsbaums, im Volksmund auch als Palmbusch bezeichnet. Schon vor 1000 Jahren ist es üblich, ein Kreuz aus Asche auf Kopf oder Stirn zu geben. "Bedenke Mensch, daß Du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst!", lauten die Worte des Geistlichen auch noch heutzutage während dieser symbolischen Handlung. Dieses christliche Ritual soll die Menschen an ihre Vergänglichkeit erinnern, aber auch einen Neubeginn ermöglichen und ihre Bereitschaft zur Buße und Umkehr zeigen.

Der Brauch, sich zum Zeichen von Trauer oder Buße mit Asche zu bestreuen, wobei man im letzteren Fall ein meist grobgewebtes Büßergewand (Sackleinen) trägt, wird schon in der Antike zu biblischen Zeiten praktiziert. Noch heute gängige Redensarten wie "Asche über mein Haupt!", "Asche auf mein Haupt (streuen)! onder auch "in Sack und Asche gehen" zeugen davon.

Die Fastenzeit und ihre Regeln

Mit diesem Tag beginnt die 40 tägige vorösterliche Fastenzeit, für die Christen eine Zeit der Buße. 40 Tage hat auch Jesus fastend in der Wüste verbracht. Die Sonntage sind in der heutigen Zeit keine Fastentage mehr, werden beim Zählen ausgespart und gelten als Atempause in der Fastenzeit - denn ursprünglich sind es einmal 46 Tage gewesen. Ohne die Karwoche wären es allerdings auch nur 40 Tage. Den Verzehr von Fleisch vierbeiniger Warmblüter (Wild, Haustiere) und Milchprodukten sowie Eiern hat die Kirche untersagt- eigentlich auch Alkoholgenuß - und erlaubt nur eine Mahlzeit täglich. Das Fasten soll reinigend auf den Körper wirken und den Geist auf spirituelle Dinge richten, wozu auch das Beten gehört.

Die liturgische Farbe der Fastenzeit sowohl in der Katholischen als auch Evangelischen Kirche ist wie in der Adventszeit Violett und symbolisiert Buße, Umkehr und Besinnung. Gewänder der Geistlichen und Meßdiener und auch Altar- und Kirchenschmuck sind violett, ein Farbton, welcher dem Purpur biblischer Zeiten entspricht und welcher damals noch aus pflanzlichen Stoffen gewonnen wurde. Purpur ist eine königliche Farbe, erinnert aber auch an den Purpurmantel, den Jesus vor seiner Kreuzigung zum Spott umgehängt bekam.

Doch wie steht es mit der Einhaltung der Fastenregeln?

Jeder Verzicht fällt schwer. So ist von üppigen Gelagen weiblicher und männlicher Klosterinsassen vor Fastenbeginn die Rede. Um die Fastenzeit angenehmer zu machen, sind die Mönche sehr erfindungsreich gewesen. Zwar ist nur eine Mahlzeit am Tag erlaubt, jedoch eine Regel lautet: "Was flüssig isst, bricht kein Fasten". Damals wie heute ist es aus diesem Grunde üblich, ein besonders nahrhaftes Starkbier zu brauen. Es ist jedoch alkoholisch und bedarf einer Genehmigung des Papstes als fastengerecht. In alten Überlieferungen heißt es, das Bier sei auf dem Transport dorthin verdorben und habe dann so widerlich geschmeckt, daß der Kirchenoberst es eher als Strafe als denn als Genuß eingestuft und so die Verzehrserlaubnis erteilt hat. 5 x täglich dürfen die Mönche ab jetzt ihren Krug mit diesem Fastenbier füllen - eine Erklärung für noch heute recht großen Maßkrüge. Auch die Maultaschen sollen eine Erfindung speziell für die Fastenzeit sein. Man "versteckt" in diesem Fall ganz einfach eine Mischung aus dem verbotenen, aber gehackten Fleisch, Kräutern und Gemüse in Teigtaschen. Das Fleisch ist so als solches nicht mehr sichtbar und das Gericht nicht mehr als fleischhaltig erkennbar. Ähnlich verfährt man mit Strudeln und Pasteten.

Mehlspeisen unterliegen ausdrücklich nicht dem Fastengebot, auch Pflanzenöl, Nüsse und Mandeln, Trockenfrüchte und sogar Trinkschokolade, für welche der damalige Papst eine große Vorliebe hegte, sind zugelassen. Irgendwann ist dann auch die Verwendung von Butter erlaubt. In dieser Zeit werden Stollen und später Lebkuchen erfunden. Honig, aber auch Liköre und Weine aus und mit Früchten und Kräutern gelten seit eh und je als Heilmittel und sind deshalb in der Fastenzeit nicht verboten. Sehr beliebt ist aus Mandeln hergestellte Milch mit Honig. Erlaubt sind auch Geflügel, aber auch Wassertiere wie Fische und Krebse. Der Biber gilt noch vor einiger Zeit in Deutschland als fast ausgerottet, da er als Wassertier fester Bestandteil der Fastenzeit ist.

In heutiger Zeit sind die Fastenregeln nicht mehr so streng

Heutzutage beschränkt man sich meist mit dem Fasten auf den Aschermittwoch sowie den Karfreitag. Es gibt jedoch auch heute noch Menschen, welche während dieser Zeit z. B. auf Alkohol, Süßigkeiten, übermäßiges Essen etc. verzichten, aber auch auf andere Dinge wie z. B. zu häufiges Fernsehen. Auch nutzt man die Möglichkeit, am Aschermittwoch, wie auch am Neujahrstag üblich, gute Vorsätze zu fassen, um sie während dieser Zeit - und vielleicht auch darüber hinaus - in die Tat umzusetzen. Auch die Evangelische Kirche hat die Fasten - Tradition wieder aufgegriffen.

Palmsonntag

Der Palmsonntag, der letzte Sonntag vor Ostern, ist auch gleichzeitig der letzte der Passionszeit (Leidenszeit Christi). Als Jesus an diesem Tag auf einem Esel in Jerusalem einreitet, winkt ihm das jüdische Volk jubelnd mit Palmwedeln, dem Symbol für Königswürde, zu. In ländlichen Gemeinden tragen Menschen auch heute noch in einer Prozession die Palmzweige durch ihren Heimatort, um diese anschließend in der Kirche vom Priester weihen zu lassen. Da in unseren Breiten keine Palmen wachsen, verwendet man hier Zweige des Wacholders, der Salweide oder des Buchsbaums - in südlichen Ländern auch Olivenbaumzweige. Man nimmt die geweihten Zweige mit nachhause und steckt sie z. B. hinter ein Kreuz. Sie sollen das Haus vor Ungemach schützen.

Anschließend folgt die Karwoche (6 Tage), welche auch den Ostersamstag oder Karsamstag - auch stiller Samstag - mit einschließt. Am Gründonnerstag wird in Erinnerung an das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern vor seiner Verhaftung, welches laut der Bibel aus Brot, Wasser und Wein bestanden haben soll, ein Abendmahl gefeiert. Das Brot wird bei diesem Ritual im 8. Jahrhundert durch die Hostie (Oblate) ersetzt, welche nur aus Mehl und Wasser bestehen darf. In früheren Zeiten werden diese Hostien in den Klöstern hergestellt, heutzutage für die Katholiken von Nonnen und für die evangelischen Christen von der Diakonie. Zuerst sind die Hostien noch dicker als heutzutage in einer Art Eiserkuchenform gebackenen. Als Prägung tragen sie ein christliches Symbol. Das Brot (die Hostie) symbolisiert den Leib Christi, der Wein sein Blut.

Karfreitag gedenkt man der Kreuzigung Jesu, der Ostersonntag ist gleichzeitig das Ende der Fastenzeit.

Alles über Hostien und die Hostienbäckerei erfahren Sie hier:

http://www.hostie.de/

http://www.kloster-mariazuflucht.ch/angebote/hosti...
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3 Kommentare
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Fritz van Rechtern aus Neukirchen-Vluyn | 18.02.2015 | 09:06  
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Christoph Niersmann aus Hilden | 18.02.2015 | 12:04  
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Hans-Martin Scheibner aus Xanten | 21.02.2015 | 14:15  
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