Die Altersgrenze hält Pistor nicht auf

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Prof. Dr. Klaus G. Pistor genießt einen ruhigen Moment in seinem Garten.
 
Hinter dem Garten liegen Weiden und dahinter Wald, ein ruhiges idyllisches Plätzchen also, in dem der ehrenamtliche Engagierte doch so wenig Zeit verbringt.

Die Altersgrenze hat Prof. Dr. Klaus G. Pistor aus dem Presbyterium der evangelischen Kirchengemeinde Alpen gewiesen. „Ich bin noch nach altem Wahlrecht gewählt worden“, weiß der 75-Jährige zu berichten, „wer jetzt vor dem 75. Geburtstag gewählt wird, kann seine Amtszeit zu Ende bringen.“ Doch so sehr traurig, den Posten nicht mehr zu besetzen, ist Pistor nicht, denn „so muss ich nicht mehr zu den langen Sitzungen, die immer bis in den späten Abendgehen“, flachst er.

Wobei das wahrscheinlich das einzige ist, was sich für ihn ändert, denn er ist zwar den Titel los, seine Aufgaben will er jedoch weiterhin wahrnehmen. In erster Linie ist da sein Einsatz auf dem Campingplatz Altfeld zu nennen. Er wird auch weiterhin dort die Leute besuchen und regelmäßig den Gemeindebrief aushängen. Dem Besuchskreis will er ebenso weiter die Treue halten wie dem Bibelkreis. Ebenso wird er sich gemeinsam mit seiner Frau weiter regelmäßig in der LVR-Wohneinrichtung Alpen einfinden. „Dort leben körperlich und geistig Beeinträchtigte, teilweise sogar bettlägerig, denen lesen wir regelmäßig vor“, kümmert er sich nicht nur um Kinder.

Die sind ihm eigentlich besonders ans Herz gewachsen, was nicht zuletzt sein Beruf deutlich macht. Die Professur hat er in der Kinderheilkunde bekommen. Einst begann er als junger Mediziner in der Schwabinger Kinderklinik, erlernte dann Anfang der 1970er Jahre in Heidelberg die Kinder-Dialyse. Später wechselte er nach Essen, wo er an der Uniklinik eine Dialyse-Abteilung aufbaute und auch habilitierte. Die letzten 18 Berufsjahre zeichnete er schließlich für die Kinderklinik im Moerser Bethanien-Krankenhaus verantwortlich, bis er vor zehn Jahren in den Ruhestand ging.

Auch heute noch ist sein Fachwissen unverzichtbar. Sporadisch ist er für das Deutsche Rote Kreuz in einer Heilpädagogischen Tagesklinik in Duisburg als Gutachter im Einsatz. Und dann hat er noch eine neue Aufgabe für sich entdeckt. Seit Juli fährt er regelmäßig nach Duisburg-Marxloh. Dort ist unter dem Titel Infirmarium am Petershof gemeinsam mit dem Georgswerk eine Sprechstunde für Menschen ohne Krankenversicherung eingerichtet worden. „Zuwanderer aus EU-Ländern, Menschen ohne Papiere, Flüchtlinge, all diese Menschen sind ohne Krankenversicherung, brauchen aber häufig medizinische Hilfe“, schildert Pistor. Er untersucht dort Kinder und Säuglinge, impft und versorgt sie soweit möglich. „Da läuft alles über Spenden. Die Medikamente, die medizinischen Geräte, die Ausrüstung, alles ist gespendet“, weiß er. Und manchmal, bei besonders schweren Erkrankungen, nimmt bekommt das Projekt Infirmarium sogar Unterstützung von einem Krankenhaus, das dann schon einmal Patienten aufnimmt. „Mittlerweile sind mehrere Ärzte da, die ehrenamtlich helfen“, lastet die Arbeit nicht allein auf wenigen Schultern. Doch ist noch jede Menge Arbeitsbedarf dort vor Ort, „die Menschen leben dort unter schlimmsten Bedingungen“, weiß er zu berichten.

Wenn dann mal noch Zeit bleibt, hat er auch ein Hobby: die spanische Sprache. „Ich lese es gerne, spreche und höre die Sprache gerne“, sagt er. Der Grund ist trivial, denn einer seiner beiden Söhne lebt in Barcelona, und diese Stadt hat es ihm genauso angetan wie eben die Sprache. Der andere Sohn lebt in Greifswald an der Ostsee, aber da Familie wichtig ist, besuchen sich alle Pistors regelmäßig. Manchmal geht er auch ins Fitnessstudio. Auch der Gartenarbeit muss er sich bei dem parkähnlichen Anwesen hin und wieder widmen, wobei ihm das eher Last denn Lust ist. Für die Zukunft möchte er mit seiner Frau noch ein wenig reisen, nichts Großes. Rom möchten sie sich beispielsweise anschauen, oder auch einmal das „Elbflorenz“ Dresden besuchen. Zumindest „soweit es die Gesundheit zulässt“, wie er sagt. Ansonsten sind seine Wünsche bescheiden: „Ich möchte noch viel lesen und meine Enkel groß werden sehen.“ Sein Glück ist es nun einmal, wie er vor ein paar Jahren selbst in einer Meldung schrieb, anderen eine Freude machen zu dürfen.
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Fritz van Rechtern aus Neukirchen-Vluyn | 26.11.2015 | 15:28  
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