Die verheerende Katastrophe in Japan 2011 – Rückblick und Auswirkungen
Am 11. März 2011 suchte ein verheerendes Erdbeben der Stärke 9,0 Japan heim. Ein anschließender Tsunami mit Flutwellen bis etwa 20 Metern Höhe verwüstete die Küstenregionen im Nordosten Japans. Mehrere Kilometer ins Landesinnere nahm die Flut und eine daraus resultierende Schlammwalze Autos, Schiffe und ganze Häuser mit. Sie verursachte immense Schäden an Straßen, Brücken und an der Infrastruktur. Erst Tage später wurde das ganze Ausmaß der Katastrophe sichtbar. Über 120.000 Gebäude stürzten vollkommen sowie weitere 240.000 teilweise ein. Weitere 670.000 Häuser wurden erheblich beschädigt. Viele Regionen glichen einer Trümmerlandschaft.
Parallel dazu vollzog sich ein weiteres Drama: das Atomkraftwerk in Fukushima Daiichi war durch das Erdbeben und den anschließenden Tsunami so stark beschädigt worden, daß es im weiteren Verlauf in gleich mehreren Reaktoren zur Kernschmelze (Gau) kam. Dieser Vorgang setzte über mehrere Monate hinweg große Mengen an radioaktiven Stoffen in die Umwelt frei und veränderte das Leben des Landes vollständig.
Dennoch wurde die Bevölkerung im eigenen Land und im Ausland immer wieder durch widersprüchliche Informationen desinformiert und verunsichert. Die Versuche, der Lage in Fukushima Herr zu werden, wirkten für viele unprofessionell und besorgniserregend.
Wegen der Erdbeben mussten 210.000 Menschen evakuiert werden, 5,5 Millionen Haushalte waren ohne Strom und eine Million Haushalte ohne Wasser. Auch heute, fast ein Jahr danach, leben immer noch mehr als 320.000 Japaner in Notunterkünften. Eine Rückkehr in die zerstörten Gebiete ist aufgrund der radioaktiven Verseuchung bis auf weiteres nicht mehr möglich, auch wenn die Strahlung der Ruine Fukushima nachgelassen hat.
Das seismische Netzwerk hat alleine zwischen dem 11. März 2011 und dem 27. Oktober 2011 mehr als 24.000 Nachbeben registriert. In den neun Jahren zuvor seien es gerade einmal 1.300 gewesen.
Bis zum 27. Februar 2012 meldete die Polizei 15.853 Tote, 6.023 Personen wurden verletzt. Weiterhin gelten 3.282 Personen als vermisst.
Nicht nur ich, sondern auch viele andere Menschen waren aufgrund der Ereignisse äußerst besorgt. So beschloß ich, ab dem 17.03.2011 im Lokalkompass neben regelmäßigen Informationen über den Fortgang des Geschehens auch die von mir persönlich genommenen Meßwerte der radioaktiven Belastung (Xanten-Marienbaum) zu veröffentlichen.
Auch in Deutschland, welches bisher 25 Prozent seines Energiebedarfs mit Kernenergie deckte, flammte die laufende Debatte nach den Unfällen in Fukushima über die Nutzung von Kernenergie und die Laufzeitverlängerung deutscher Kernkraftwerke wieder auf. Am 14. März 2011 wurden alle vor 1980 in Betrieb genommenen deutschen Kernkraftwerke für drei Monate einem Streßtest unterzogen. Wenig später fiel die Entscheidung, die sieben ältesten von den 17 getesteten Kernkraftwerken in Deutschland abzuschalten und alle übrigen AKWs zu unterschiedlichen Zeitpunkten bis 2022 vom Netz zu nehmen. Der bereits 2009 abgeschaltete Pannenreaktor Krümmel in Schleswig-Holstein bleibt auch weiterhin stillgelegt.
Jedem EU-Mitglied steht jedoch die Kernenergienutzung frei. Momentan sind in Europa 195 AKWs in Betrieb, und in einigen europäischen Ländern ist der Bau weiterer Anlagen geplant, so auch in unserem Nachbarland Frankreich, wo knapp 80 Prozent der Energie mir 58 Kernkraftwerken produziert wird. EU-Energiekommissar Günther Oettinger macht sich, ungeachtet des geplanten Atomausstiegs Deutschlands, stark für den Bau von mindestens 40 AKWs in EU-Ländern bis 2030 und hält eine finanzielle Förderung aus EU-Mitteln für möglich. Noch habe die Atomenergie den größten Anteil an CO2-freier Energie und bleibe so ein unverzichtbarer Lieferant klimafreundlichen Stroms zu vergleichsweise niedrigen Kosten.
Bis das Energiedefizit der fehlenden AKWs durch regenerative Energie ausgeglichen werden kann, wird noch viel Zeit vergehen. Noch verläßt man sich auf Erdölimporte und aufgrund der inzwischen fertiggestellten Ostsee-Pipeline vermehrt auf russisches Erdgas. Auch in Deutschland wird wieder nach Ölvorkommen gesucht, Fracking, die umstrittene Suche nach Erdgas, erhitzt die Gemüter. Als Brückenenergie setzt man momentan zunehmend auf Braunkohle, obwohl hier eigentlich bisher der Ausstieg bis 2040 vorgesehen war. Windkraftanlagen liefern zwar Energie, sind aber laut, verunstalten die Landschaft (Verspargelung) und sind Vogelschützern ein Dorn im Auge. Beliebter ist bei den deutschen Bundesbürgern als Alternative die Solarenergie, auf Dächern von Privathäusern und Firmengebäuden sind Photovoltaikanlagen zu finden.
Doch ausgerechnet die milliardenschwere Solarförderung soll um weitere 20 - 30 Prozent gekürzt werden. Geregelt wird dies bisher noch durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz EEG, welches am 29.03.2000 in Kraft trat mit dem Ziel der Förderung erneuerbaren Energien aus Windkraft, Sonne und Biomasse als Beitrag zum Klimaschutz. Leider fehlt noch die ausreichende Netzkapazität für die Einspeisung der nicht selbst genutzten Energie. Die Solarbranche spricht inzwischen von einem "Aussteigergesetz".







