Siegfriedspektakel: Ohne Furcht und Adel

Wann? 22.05.2017

Wo? Ostwall, Xanten DE
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Da hat es gekracht: zweimal am Tag kreuzen die Ritter beim Siegfriedspektakel die Lanzen und treten beim Tjost an, um ihr Können zu demonstrieren.
 
Auch dieser Ritter scheint gewillt, beim Siegfriedspektakel um den Sieg zu kämpfen. (Foto: Hartig)
Xanten: Ostwall |

Beim Siegfriedspektakel auf den Wiesen am Nordwall in Xanten am Himmelfahrts- Wochenende 25. bis 28. Mai werden edle Ritter auf ihren Rössern beim Lanzenstechen (Tjost) antreten, um einen Sieger zu ermitteln.

Xanten. Im Gegensatz zu früher braucht man heutzutage für die Teilnahme am legendären Wettstreit nicht zwingend einen Adelstitel, aber vor allem Mut. Die Pferde trappeln nervös, die Reiter halten die Schilde vor die Brust. Mit der anderen Hand richten sie die Lanze auf den Ritter am anderen Ende der Reitbahn. Auf das Zeichen des Herolds galoppieren beide los - Lanzen zerbersten und Splitter fliegen. Vielleicht stürzt einer von beiden vom Pferd, aus dem Sattel gehoben vom Aufprall der Lanze des Gegners. Eine ganz normale Turnierszene, wie sie beim 15. Siegfriedspektakel vom 25. bis 28. Mai täglich zu sehen sein wird.

Manuel Zinnecker ist einer der Ritter, die beim Lanzenstechen auf den Wiesen nahe Klevertor und Kriemhildmühle und an den Start gehen werden. Sein Pferd, der spanische Wallach „Aldeano“, trägt eine schwarze Kuvertüre, er selbst einen markanten Helm und Harnisch. Man müsse bei der Ausrüstung die Grätsche zwischen Originalität und Funktionalität bedenken, sagt er. „Früher brauchten die Ritter Stunden, um sich auf eine Tjost vorzubereiten. Sie trugen die schweren Rüstungen über einem Gambeson, das Blech wurde zum Teil vernietet und der Reiter dann mit einem Kran auf das Pferd gehoben.“ Das wäre meist nur einmal am Tage zu schaffen gewesen, so der 35-Jährige. Heute würden täglich mindestens zwei Turniere geritten, auch müssten zur eigenen Sicherheit Protektoren unter der Rüstung getragen werden, um sich vor Verletzungen bei Stürzen zu schützen. „Schließlich reiten wir ja nicht digital, sondern echt analog! Da kann wirklich mal was passieren und mit der Ausrüstung von damals mag man sich das nicht vorstellen.“ Zu einem Turnier wäre er im Mittelalter ohnehin nicht startberechtigt gewesen, „da reichten Mut und Geschicklichkeit nicht aus. Man brauchte zwingend einen Adelstitel.“

Ohne Standesdünkel

Die Karriere des Ritters begann bereits in der Kindheit, als er seine Liebe für das Reiten bei den Stuntshows seines Onkels entdeckte. Er absolvierte eine Ausbildung als Trickreiter und wechselte dann Anfang des neuen Jahrtausends das Jahrhundert. Seither zieht er an den Wochenenden von Turnier zu Turnier. Es sei sein Beruf und seine Berufung, sagt er und „zum Glück geht es in der heutigen Zeit auch ohne Standesdünkel.“ Zinnecker spielt am liebsten den Schurken in der Show, die Pfiffe des Publikums seien sein Applaus, sagt er. In Xanten übernimmt er – wie sollte es anders sein – die Rolle des Hagen.
Zwei Mal an allen vier Tagen, jeweils um 13:30 und 16:30 Uhr kann man Ritter Manuel und seine Gefährten beim Siegfriedspektakel erleben. Hinzu kommen Feuer- Reitshows am Freitag- und am Samstagabend.
Begleitet wird das Geschehen von einem mittelalterlichen Markt mit etwa 80 Handwerker-, Krämer und Bewirtungsständen und von einem familienfreundlichen Unterhaltungsprogramm mit Musik, Gaukelei, Artistik und Puppenspiel. Die Liste der Künstler beim 15. Spektakel zu Ehren des Königssohns von Xanten ist lang. „Cradem Aventure“- urige Spielleute aus dem hohen Norden, „Die Streuner“ – eine Kultband aus NRW, „Trouwanten“ und „De soeten Inval“ aus Holland, die Gaukler Tamino und Xander, der Spielmann und Puppenspieler Schabernackkrakeel, die Band „Roger und seine Kumpane“ und die Artistentruppe „Zirkus Thalamus“ aus Berlin.

Drache Fangdorn

Natürlich stehen wie in jedem Jahr wieder die mehrmals am Tage stattfindenden Shows des Drachen Fangdorn, der den Schatz der Nibelungen gegen eine Räuberbande verteidigt, auf dem Programm. Über hundert Ritter mit ihren Zelten lagern in den Wallanlagen und geben dem Markt einen sicheren Schutz.

Öffnungszeiten

Geöffnet ist Donnerstag von 11- 22 Uhr (Himmelfahrt), Freitag von 11- 23 Uhr, Samstag von 11- 24 Uhr und Sonntag von 11-19 Uhr.
 Der Eintritt für einen ganzen Tag im Mittelalter kostet 13 Euro für Erwachsene, 7 Euro für Kinder und 10 Euro für historisch gekleidete Gäste.
 Familien zahlen nur für das erste Kind. Für alle weiteren und für Kinder im Vorschulalter ist der Eintritt frei. Zudem werden Wochenend- Tickets angeboten.
 Das ausführliche Programm ist unter http://www.suendenfrei.de zu finden.
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