Mülheimer Künstlergruppe AnDer macht die Luftschiffhalle zur Kunsthalle
Die grenzenlose Freiheit über den Wolken

Die Mülheimer Künstlergruppe AnDer rückt in der WDL-Luftschiffhalle den Traum vom Fliegen in greifbare Nähe. Luftschiff Theo wird dabei als "Transportmittel" für erlebare Kunst in Anspruch genommen.      Fotos: PR-Fotografie Köhring/AK
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  • Die Mülheimer Künstlergruppe AnDer rückt in der WDL-Luftschiffhalle den Traum vom Fliegen in greifbare Nähe. Luftschiff Theo wird dabei als "Transportmittel" für erlebare Kunst in Anspruch genommen. Fotos: PR-Fotografie Köhring/AK
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Hexen jagen durch die Lüfte, Erinnerungen an Bombenflieger werden ins Gedächtnis gerufen, Libellen starten durch, verstorbene und lebende Pilotinnen in Szene gesetzt, ein Vogelflug im Dialog mit den Aufzeichnungen Leonardo da Vincis symbolisiert oder ein Blick aufs Meer aus der Vogelperspektive gestattet.

Das und vieles mehr gibt es in der WDL-Luftschiffhalle am Flughafen ab Samstag, 19. Januar, zu sehen und zu bestaunen. Die Mülheimer Künstlergruppe AnDer hat dem Traum vom Fliegen eine neue Dimension gegeben, künstlerisch, realistisch und traumhaft zugleich. Die acht Künstler, die seit fast drei Jahrzehnten ihre Exponate und Ideen auch an außergewöhnlichen Orten präsentieren, haben jetzt eine Herausforderung gemeistert, die sie anfangs mit einer Mischung aus Pioniergeist, persönlichen Erwartungen, aber auch mit einer „kreativen Skepsis“ betrachtet haben.

Die Luftschiffhalle an der Lilienthalstraße 9-11 wird von Samstag, 17 Uhr, bis zum 2. März zur Kunsthalle. Und Luftschiff Theo wird ebenfalls zur Kunst, zumindest durch auf ihm gezeigte Film- und Videojektionen zum Transportmittel oder Medium künstlerischer Darstellungen und Animationen. Ein Gespräch „über Gott und die Welt, über Kunst und Fliegerei“ zwischen WDL-Geschäftsführer Frank Peylo und dem AnDer-Mitglied Jochen Leyendecker haben den Stein ins Rollen, oder besser die künstlerische Flugmaschinerie in Bewegung gebracht.

Der Traum vom Fliegen

Von Bewegung ist beim Vorab-Rundgang durch die beeindruckende Ausstellung ebenfalls viel zu sehen und zu spüren. Heiner Schmitz hat den Traum vom Fliegen in einer vertonten, fast mystisch anmutenden Videopodruktion auf den Theo projeziert. Ein Möwenschwarm zu Beginn des vertonten und musikalisch untermalten Films lässt viel von der grenzenlosen Freiheit über den Wolken erahnen, die nicht erst seit Reinhard Mey sprichwörtlich ist. Zudem hat Schmitz die „Hexen der Lüfte“ auf einer überdimensinalen Säule porträtiert, die bis in den Himmel ragt, jedenfalls in den Luftschiffhalle. Im Focus hat er sieben noch lebende Pilotinnen, die ihrerseits zahlreiche Rekorde aufgestellt und Preise „eingeheimst“ haben.

Den Pionierinnen der Luftfahrt widmet sich Uwe-Dieter Bleil, der vier weibliche Legenden der Lüfte, unter ihnen auch Beate Uhse, mit Kohle auf Seide verewigt hat. Bleil hat zur Ausstellung zudem eine Installation mit 24 überdimensionalen Libellenflügeln beigesteuert. „Wünsche fliegen übers Meer“ nennt Natalija Usakova ihren 20 Quadratmeter großen „Meeresteppich“, für den sie die Acrylfarben mittels Bürste aufgetragen hat. Auf einem Podest blicken die Besucher von oben auf den Meeresgrund.

Auf Tuchfühlung mit Theo

Nicht im Atelier, sondern vor Ort in der Luftschiffhalle auf Tuchfühlung mit Theo hat Ursula Vehar mit Schrubber statt Pinsel und dennoch höchst filigran eine Hommage an Leonardo da Vinci erstellt, die sowohl ihren eigenen Vorstellungen als auch den Ideen des künstlerischen „Vordenkers“ gerecht werden. Sehr persönliche Empfindungen treten bei Vanessa Hötger zu Tage. Ein großer „Papierflieger aus Aluminium“ steht im Zusammenhang mit einer Textinstallation zum Thema Krieg. Da sind Worte ihres verstorbenen Schweigervaters zu lesen, den der Krieg teilweise traumatisiert hatte. Ein wahrlich kunstvoller Appell gegen Gewalt und Kriege in aller Welt.

Zwischen Mystik und Technik

Helmut Koch seinerseits hat mit dünnem Zwirn ein Luftschiff nachgebaut und ein Mobil installiert, das er „Militärisches Gleichgewicht“ nennt. Jochen Leyendecker hat eine ausdrucksstarke Viedeocollage erstellt, die Versprechen und Wunder zum Inhalt haben. Unter dem Titel „Lichtspuren“ ist seine Arbeit zugleich Kindheitserinnerung an Sternschnuppen, die er am Himmelszelt beobachtete. Auf die Spuren des Ikarus begibt sich Joachim Poths, der der Frage nachgeht, was eigentlich mit dessen Federn passiert ist. Er schafft in seiner Arbeit die Gratwanderung zwischen Mystik, Mathematik und Technik.
Die Mülheimer Künstlergruppe dürfte insgesamt eine Ausstellung auf den Weg gebracht haben, die über die Grenzen der Region hinaus für Furore sorgt. 

Die Ausstellung „AnDer Luft“ wird am Samstag, 19. Januar, um 17 Uhr mit einer Vernissage eröffnet. Die frühere Leiterin des Mülheimer Kunstmuesums, Dr. Karin Stempel, wird das zu Erlebende einleiten. Die musikalische Begleitung übernimmt die Band „Trionautik“ mit Philipp Wisser, Hanno Poths und Richard Eisenach. Der Gitarrist und Sänger Werner Unger intoniert Lieder zu den Themen Wolken, Fliegen und Himmel. Zu der Ausstellung, die am 2. März,. 16 Uhr, mit einer Finissage endet, gibt es einen unfassenden Ausstellungskatalog, der für fünf Euro und, von allen Künstlern handsigniert, für zehn Euro angeboten wird.

Geöffnet ist die Ausstellung freitags von 17 bis 20, samstags von 11 bis 17 und sonntags von 11 bis 14 Uhr. Am 2. und 16. Februar werden Rundgänge mit Künstlergesprächen angeboten.

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