Rainbow-Gospel-Chor zu Gast in der Musikstadt Leipzig

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„Ich komme nach Leipzig, an den Ort, wo man die ganze Welt im Kleinen sehen kann“, sagte schon Gotthold Ephraim Lessing. Davon überzeugte sich der Rainbow-Gospel-Chor der Chorgemeinschaft Neheim und machte sich, mit Partnern, für vier Tage auf in diese Stadt, wo die Musik den Ton angibt. Die faszinierende Kraft der Musik ist in Leipzig überall zu spüren – auf Straßen und Plätzen, in Kirchen, Konzertsälen und an den vielen authentischen Wirkungsstätten berühmter Musiker.

Bereits am ersten Tag war eine Stadtbesichtigung vorgesehen. Die Leipziger Innenstadt besticht durch ihre kompakte Bauweise und erstreckt sich über nur wenige Quadratkilometer. So hatte man die Möglichkeit, viele Sehenswürdigkeiten in wenigen Minuten nicht nur mit dem Bus, sondern auch zu Fuß zu erreichen. Ein ganz besonderes Ziel war die Nikolaikirche. Immerhin ging von dort im Jahre 1989 die friedliche Revolution aus. Was mit den Montagsgebeten in der Nikolaikirche begann, führte am 9. Oktober 1989 zu einer Großdemonstration. Anfangs zu Hunderten, später zu Hunderttausenden, forderten mutige Bürger und Bürgerinnen mit Friedenslichtern Meinungs-, Versammlungs- sowie Reisefreiheit und gaben den entscheidenden Impuls für die Wende in der DDR. Der Ruf: „Wir sind das Volk“ war schließlich der Anfang vom Ende der DDR. Für die Sängerinnen und Sänger des Gospelchores, die in dieser denkwürdigen Kirche singen durften, war dies ein überwältigendes Erlebnis, das so manchem unter die Haut ging.

Am nächsten Tag besichtigte der Gospelchor aus Neheim das Gewandhaus. Im Jahr 1977 wurde der Grundstein für das Neue Gewandhaus in der Stadtmitte gelegt. Das Eröffnungskonzert, unter der Leitung des Kapellmeisters Kurt Masur, fand am 8. Oktober 1981 statt. Der große Saal mit 1.900 Sitzplätzen besitzt eine ausgezeichnete Akustik. Davon konnte sich der Rainbow-Gospel-Chor selbst überzeugen. Während einer professionellen Führung stimmte Chorleiter Albert Göken mehrere A-Capella-Lieder an, die exzellent vorgetragen wurden. Die Sing- und Hörerfahrung war für alle Beteiligten ein außergewöhnliches Erlebnis. Ehrfürchtig und respektvoll betrachtete man die Schuke-Orgel mit 6.638 Pfeifen. Im Herbst 1989 kam dem Gewandhaus ebenfalls politische Bedeutung zu. Kurt Masur öffnete das Haus für die sogenannten Gewandhaus-Gespräche, in denen über die Zukunft der DDR debattiert wurde.

Der Rest des Tages stand zur freien Verfügung. Viele nutzten die Gelegenheit, im City-Tower mit dem Aufzug in 120 Meter Höhe zu fahren, um von dort aus einen fantastischen Ausblick auf Leipzig zu genießen. Andere besuchten die Thomaskirche. Sie ist Heimat des weltweit bekannten Thomanerchores, einem Knabenchor, bestehend seit dem Jahr 1212 und Ruhestätte des großen Thomaskantors Johann Sebastian Bach. Wieder andere interessierten sich für das Einkaufsparadies Leipzig mit seiner verschiedensten Architektur, schlenderten durch liebevoll restaurierte Passagen und Durchgangshöfe und genossen das geschäftige Treiben. Den Abend verbrachte man gemeinsam im Bayerischen Bahnhof, einem Wahrzeichen von Leipzig. Der Bayerische Bahnhof wurde 1842 in Betrieb genommen und galt bis zu seiner Schließung im Jahr 2001 als ältester in Betrieb befindlicher Kopfbahnhof der Welt. Heute ist dieser Ort erste Adresse als Restaurant und Veranstaltungsort unvergesslicher gastronomischer und kulinarischer Erlebnisse sowie als Brauerei der Gose – der original Leipziger Bierspezialität.

Nach diesem erlebnisreichen Tag wollte so recht niemand früh zum Hotel.
So ließ man den Tag ausklingen mit Nachtwächter „Bremme“. „Hört ihr Leut“…zu nächtlicher Stunde entzündete der Nachtwächter seine Laterne. Im historischen Gewand führte er die Gäste aus Neheim über lauschige Plätze und durch dunkle Gassen. Er erzählte spannende und kuriose Geschichten aus dem Leipzig von einst. Auch über prominente Zeitgenossen wie Goethe und Schiller.

Den dritten Tag ihrer Reise verbrachte der Chor aus Neheim größtenteils im Leipziger Zoo. Der Zoo, ein 26 Hektar großer, parkartig gestalteter Zoologischer Garten, zählt zu den artenreichsten Zoos in Europa. In Gondwanaland, einem neuen und kostspieligen Projekt des Zoos, konnte man den tropischen Regenwald Afrikas, Asiens und Südamerikas mit allen Sinnen spüren. Zu Fuß oder im Boot auf dem Urwaldfluss Gamanil wurde man durch verschiedene Themenbereiche geleitet.

Anschließend fuhr die Reisegruppe zur Besichtigung und Führung durch das Völkerschlachtdenkmal. Das 91 Meter hohe und vom Sockel bis zur Aussichtsplattform 500 Stufen zählende Bauwerk erinnert an die Niederlage Napoleons im Oktober 1813 gegen die Truppen Österreichs, Preußens, Russlands und Schwedens, bei der unzählige Menschen ihr Leben ließen. Der Grundstein für das Denkmal wurde im Oktober 1898 gelegt. Die Bauzeit betrug 15 Jahre.

Der Rainbow-Gospel-Chor nahm das Abendessen in „Auerbachs Keller“ ein. Dort verkehrte seinerzeit Johann Wolfgang von Goethe während seiner Leipziger Studentenzeit und verhalf diesem Ort mit seinem Lebenswerk „Faust“ zu ewigem Ruhm.

Zurück in der Realität begab man sich auf dem schnellsten Wege zum Hotel. Immerhin wollte man gemeinsam das Spiel der Fußball-Weltmeisterschaft Deutschland gegen Ghana ansehen.

Am letzten Tag der Reise stand die Gestaltung eines Gottesdienstes auf dem Programm. Direkt nach dem Frühstück fuhren alle zur St. Hedwigs-Kapelle um sich vorzubereiten. Etwas später, im Gottesdienst, konnte man ganz deutlich spüren, wie sich die Freude, die aus den Liedern hervorgeht, auf die Kirchenbesucher übertrug. Nach mehreren Zugaben des Chores und netten Gesprächen mit dankbaren Gemeindemitgliedern trat man die Heimreise an. Ein interessantes Reiseprogramm, tolle Stimmung und gutes Wetter sorgten für eine rundum gelungene Chorreise.

29. Juni 2014
Christel Düllberg

Autor:

Michael Jäink aus Arnsberg-Neheim

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