"Sensationeller Fund"
Forscher entdecken Sakristeischrank aus dem 14. Jahrhundert im Kloster Wedinghausen

Propst Hubertus Böttcher und LWL-Bauforscher Peter Barthold vor dem ältesten dauerhaft genutzten Sakristeischrank in Westfalen: Er steht im Kloster Wedinghausen in Arnsberg.
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  • Propst Hubertus Böttcher und LWL-Bauforscher Peter Barthold vor dem ältesten dauerhaft genutzten Sakristeischrank in Westfalen: Er steht im Kloster Wedinghausen in Arnsberg.
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Der älteste noch genutzte Sakristeischrank Westfalens steht in Arnsberg: Bauforscher des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe entdeckten ihn jetzt im Kloster Wedinghausen.
"Das ist ein sensationeller Fund", schwärmte Bauforscher Peter Barthold beim Pressetermin vor Ort. Der um 1340 entstandene Schrank ist jetzt LWL-Denkmal des Monats. Seine (Wieder-) Entdeckung ist einem Zufall zu verdanken: Küster Winfried Ortmann hatte sich während der Sanierungsarbeiten im Obergeschoss des Ostflügels über ständigen Schmutz in der darunter liegenden Sakristei gewundert. Bei der Suche nach der Ursache blieb nur eine Nische an der Nordseite als mögliche Ursache übrig, in der der Schrank steht. Hinter der Rückwand entdeckte man ein großes Loch. "Das muss um 1865 entstanden sein, als man nach einer Renovierung der Sakristei den Schrank nicht mehr passgenau einbauen konnte - der wurde da wohl richtiggehend reingewemmst", veranschaulichte Barthold.

Entstehungszeit neu bestimmt

Dem gelernten Tischler fiel direkt die große Ähnlichkeit zu einem Sakristeischrank in der Soester Wiesenkirche auf, der der älteste in Westfalen ist, jedoch nicht mehr genutzt wird. Viele Übereinstimmungen in der Konstruktion und besonders bei den verwendeten Beschlägen seien frappierend: "Die Schränke sind nahezu identisch - wahrscheinlich wurden sie sogar in der gleichen Werkstatt gefertigt." Der Vergleich ermöglichte es, die Entstehungszeit des Arnsberger Schranks neu zu bestimmen. Während der obere, später aufgesetzte Schrank 1650 entstanden ist, wurde der untere jetzt auf etwa 1340 datiert. Seine Entstehung fällt damit in die gleiche Zeit wie die des Hochgrabs (Thumba) mit der Grabplatte des Grafen Heinrich II. und der Gräfin Ermengardis. Anders als der Soester Schrank ist er nahezu ununterbrochen in Nutzung. Heute werden unter anderem Messgewänder darin aufbewahrt.

Alleinstellungsmerkmal für Arnsberg

Der Soester Schrank wurde jedoch in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt. "Würde man das mit dem Wedinghauser Schrank machen, wäre es ein Verbrechen", so Barthold. Denn die Umbauten, die über die Jahrhunderte erfolgt seien, dokumentieren die Veränderungsgeschichte. Weit über Arnsberg hinaus ist der wiederentdeckte gotische Sakristeischrank für die Möbelforschung ein wichtiger Fund, da nur wenige so alte Möbel bis heute erhalten sind. "Das ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal für Arnsberg", konstatierte Barthold. Und damit nicht genug: Als "Begleitfund" entdeckte man einen alten Durchgang von der Sakristei zur Kirche aus dem 12. Jahrhundert.
Der aus hochwertigem Holz gefertigte Schrank soll auch weiterhin dort stehen, wo er seit mehr als 650 Jahren steht - in der Sakristei. Ebenso wie die berühmte "Schwarze Hand" und andere historische Stücke soll er demnächst für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Sakristei als "Schatztruhe" der Gemeinde

"Wir überlegen, eine neue, gläserne Sakristei zu bauen, die so etwas wie die Schatztruhe der Gemeinde wird", erklärte Propst Hubertus Böttcher. Deren Realisierung hänge allerdings von der Finanzierbarkeit ab. Auch sonst tut sich einiges: Sicher ist, dass an der Nordseite am alten Eingang am Ende der kleinen Allee ein Behindertenaufgang entstehen soll. Auch eine behindertengerechte Toilette ist geplant. Beides soll im Rahmen des 2. Bauabschnitts erfolgen (Start voraussichtlich 2020), außerdem sollen Arbeiten am Dach erfolgen. Der 1. Bauabschnitt mit den Arbeiten am Ostflügel soll dieses Jahr abgeschlossen werden.

Frage der Finanzierung

Eventuell gebe es auch noch einen 3. Bauabschnitt, der Arbeiten im Inneren der Kirche berücksichtige, führte Böttcher aus. Das sei allerdings alles Zukunftsmusik und eine Frage des Geldes. Noch in diesem Monat soll es weitere Gespräche dazu geben. Zur Finanzierung des 2. Bauabschnitts ist in diesem Jahr wieder ein Entenrennen geplant.
Auch für Bauforscher Peter Barthold bleibt es spannend: "Es gibt unendlich viele Archivare, die noch nicht ausgewertet sind."  Der im Kloster Wedinghausen entdeckte Sakristeischrank ist der älteste dauerhaft genutzte in Westfalen; er ist LWL-Denkmal des Monats April.
Der untere, um 1340 gefertigte Teil ist 3,82 m breit, 1,97 m hoch und 0,85 m tief.
Der Schrank gilt in Fachkreisen als wichtiger Fund auch für die Geschichte der Möbelherstellung. Kurz & kompakt

Propst Hubertus Böttcher und LWL-Bauforscher Peter Barthold vor dem ältesten dauerhaft genutzten Sakristeischrank in Westfalen: Er steht im Kloster Wedinghausen in Arnsberg.
Nicht nur für LWL-Bauforscher Peter Barthold ist die "Wiederentdeckung" des alten Sakristeischranks ein "sensationeller Fund."

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