Giftige Phiolen

Wenn ich in meinem „Wortlabor“ experimentiere, brodelt es in mir, als hätte ich aus giftigen Phiolen getrunken. Und plötzlich umwabern mich Dämpfe, als ginge ich auf Wolken.Und während ich diesen Zustand genieße, erwarte ich mit Neugierde das Traumbild meiner Verwandlung, das ich in mir trage wie ein zweites oder drittes Gesicht.
Die Neugierde ist ein eigentümlicher Trieb. Und in der Banalität, die unser Leben täglich umgibt, liegt ihr grosses Geheimnis.
Wie kann da einer sicher sein „richtig“ gelebt zu haben?
Ist es da ein Wunder, dass ich die Dinge so sehen will wie sie ausehen, wenn ich sie nicht sehe? Dafür brauche ich keinen Ghostwriter, um mich unsichtbar zu machen, um auf das zu reagieren, wonach ich mich sehne.
So nehme ich mich auf altmodische Weise wichtig, indem ich die Aufgabe wichtig nehme, mit der ich mich beschäftige.
Denn ich will nicht nur staunen, sondern auch herausfinden, was mich überrascht und warum?
Denn man übersieht schnell die gewöhnlichen Dinge, die man unterschätzt. Und die Nebensächlichkeiten geraten dabei aus dem Blickwinkel.
Die Vergänglichkeit der Dinge aber verbindet oft genug nur das einsame Wort: “noch”, während sich die vermeintlich stabilen Lebensverhältnisse längst aufgelöst haben.
Vielleicht gibt es da doch noch schnell den einen oder anderen Satz zu einer kleinen Geschichte, über die die “Geschichte” schon längst hinwegging.
Und schon träume ich mich heraus aus dem realen Leben und inszeniere das Leben so, dass ich darüber schreiben könnte.
Und während ich in meinem „Wortlabor“ die Buchstaben destilliere, mische ich die Essenzen zu Sätzen mit einer langen Halbwertszeit, auf die ich hoffe.
Dabei wünsche ich mir so schreiben zu können, dass das, was ich schreibe, nicht noch einmal geschrieben werden muss.
Wenn ich dann aber glaube, den Satz gefunden zu haben, der sich nicht mehr korrigieren lässt, werde ich geradezu übermütig.
Dann bestreiche ich mit dem feuchten Zeigefinger mein hauchdünnes Weinglas und genieße den glasklaren Klang.
Das macht mich glücklich.

Autor:

Dr. Mathias Knoll aus Arnsberg

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