„Potze Blitze … hier hängen ja echte Fitze!“,

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... staunt der Maddin und ich sehe so was wie interessierte Gier, die in seinen Augen auflodert, während er zielsicher … an der Theke vorbei … zu den Bildern, an den Wänden des Restaurants LAGO, am Ausgleichsweiher, des Möhnesee geht. Ich geh auch ziemlich zielsicher ... an die Theke. „Guck mal hier! Ist das nicht töfte?!!?“, brabbelt er und seine Worte überschlagen sich fast, während er die Ausstellung von Margot Fitz, einer Künstlerin aus dem Sauerländischen Niedereimer bei Arnsberg, betrachtet. „Boah, diese Expressivität der Farben! Der Kontrast von Schwarz und Grautönen, kombiniert mit dem kräftigen Rot. Die dynamische Pinselführung ist doch der Hammer oder? Du siehst doch sofort, dass hier Emotion und absolute Hingabe, die Kreativität der Künstlerin, manipulativ beeinflusst haben. Schau doch doch mal hin, Peddar!!!“
Der Peddar schaut. Aber er schaut äußerst interessiert dabei zu, wie der Kellner ein 3D Kunstwerk erschafft. Ein lekker, knacke kaltes Sauerländer Pilsken. Maddin hibbelt nervös vor den Bildern rum, wie ein 6 jähriges, dass die Toilette nicht findet. Diese unkontrollierte, ausufernde Begeisterung hat er äußerst selten. „Peddar getz guck doch ma“, fordert er mich eindringlich auf, während er mich hektisch heran winkt. „Selbst die Stimmungen sind ablesbar ... nein falsch ... sie sind sichtbar und dadurch auf den Betrachter übertragbar. Maddin geht an den Bildern entlang und bestückt jedes einzelne mit Attributen, die ihm spontan ausser Schnüss fallen. Die abstrakt angehauchte Malerei einer Frau belegt er mit „Liebeskummer“. Ein weiteres, profan mit „Dat knallt“. Es zeigt eine bunte, durch die kräftigen Farben und den flotten Pinselstrich, sehr ausdrucksstarke Blüte. „Die Charakteristika …“
„Die wat ...?“, unterbrech ich den enthusiastischen Redeschwall meines Freundes. Nicht das ich den Sinn des Wortes nicht kenne, aber mir ist wichtig, dat der Tuppes nich inne Hyperventilation kommt. Mitten inne Kneipe inne olle Tüte pusten, um die Schnappatmung wieder unter Kontrolle zu bringen, mindert das doch sonst so ausgefeilte Referatsreden von meinem Maddin. Der quasselt wie im Rausch und die Gäste des LAGOS, es sind nicht wenige, hören ihm aufmerksam zu, als wäre er ne Reinkarnation des Kunstsachverständigen Albert Maier von Bares für Rares. Mein Einwurf hat mehrfachen Erfolg. Der Maddin erholt sich und ich kann meinem Sauerländer Kunstsachverstand in Bezug auf Hopfen und Malz Ausdruck verleihen, indem ich noch ein Pilsken ordere.
„Charakter Peddar. Du weißt doch was Charakter ist. Dat is dat was du nur zu selten has, wonnich“, funkelt er mich an und nimmt mir das, was mir mein Künstler, der Kellner, gerade hingestellt hat. Das kalte Pilsken. „Der individuelle Charakter, der Bilder. Erkennst du diese brennende, leidenschaftliche Innovationskraft. Du schaust drauf und schon erzählen sie dir eine Geschichte, ihre Geschichte. Aber sie erzählen dir auch etwas über die Stimmungen der Künstlerin. Sieh hin, du Banause! Hier ist alles. Wut, Lust, Begehren, Sehnsucht, Hingabe. Du erkennst Spuren von Trauer, Verzweiflung und manchmal auch eine unendliche Traurigkeit ...“
So getz is´et wieder ma so weit. Ich kenn die Körpersprache meines Freundes. Wenn der mit dem rechten Daumen und dem Zeigefinger sein Kinn krabbelt, das linke Bein leicht angewinkelt vor das rechte platziert und einen Guck (Blick) bekommt, wie`n Tubabläser der inne verstopfte Tute tutet, dann dauert es nur noch Augenblicke, bevor er das emotional, empathisch unterlegte Sinnieren anfängt. Ich komm gerade noch dazu mir ein weiteres 3D Kunstwerk zu schnappen, das nächste zu ordern und einen ordentlichen Schluck vom ersten zu nehmen, da legt der auch schon los. „Frau Fitz hat keine Kunst studiert. Sie besucht Kurse mit verschiedenen Schwerpunkten der Malerei. Sie ist Ehefrau, Mutter von zwei erwachsenen Kindern, inzwischen zweifache Oma und dazu auch noch sehr aktiv in sozialen Bereichen. Das Malen war und ist Hobby. Es dient wohl zur Kompensation des oft stressigen Alltags. Meines Wissens hat Frau Fitz die Seminare für „Kreatives Malen“ nur besucht, um die erlernten Grundlagen der Malerei, in der Basis weiter aufzuarbeiten. Sie mit allerlei Raffinessen auszustatten. Ihr intuitives Können zu schleifen und alles so zu formatieren und zu konzentrieren, dass sich der emotionale Term im Pinselstrich klar erkennen lässt. Wichtig war ihr wohl auch, sich professionelle Kenntnisse über das richtige Mischverhalten der Farben anzueignen. „In der Farbe der Farbe, liegt die eigentliche Kraft des Bildes“, Peddar! Das ihr das bravourös gelungen ist, zeigt das kreative Spektrum ihrer Schaffenskraft, das hier im LAGO ausgestellt ist. Es gibt nicht viele Künstler in unserer Region, die ihr Leben, ihr Fühlen, mit so einer Ausdrucksstärke und Leidenschaft, in Bildern sichtbar machen können. Ich bin begeistert.“
Erschöpft von seinem Monolog und vollkommen außer Atem, beendet der Maddin seinen künstlerischen Kreuzgang und bleibt vor einem weiteren Porträt stehen. Hier bin ich ich es, der das Attribut … oder mit Maddins Worten „das Charakteristikum“ verhängt. „Pure Anmut voller Leidenschaft, wonnich Maddin!“, sag ich enthusiastisch, mit stolzem Blick. Das Bild hat den Namen „Die Tänzerin“. Es zeigt eine Frau die sanft, im Takt einer romantischen Musik, zu versinken scheint. Ihre anmutige Haltung wirkt sehr expressiv und emotional. Die filigran gezeichnete Stola, die sie umgibt, zeigt sogar die einzelnen Fäden und das feine Schattenspiel des Lichts. Zugegeben ich sehe weder die Schatten, noch dat filigrane Webspektakel des Schals. Aber das Bild vermittelt selbst mir die anmutigen, fast lasziven tänzerischen Bewegungen einer stolzen Frau, die sich der Tonfolge einer leisen, romantisch angehauchten Musik hingibt.
„Kunstsachverstand ist nicht selten die erste Emotion die ein Bildes beim Betrachter auslöst. Und wenn du „Pure Anmut voller Leidenschaft“ erkennst dann ... ist es das was du siehst. Ich interpretiere in die Komplexität des Schattenspiels und der erkennbaren, leichten Bewegung in der Musik, einen besonderen emotionalen und sehr stimmungsvollen Ausdruck“, flüstert Maddin mit einem fast sinnlichen Gesichtsausdruck und es scheint, als würde er die Bewegung der Tänzerin übernehmen.

Fazit: Was uns das LAGO hier zeigt hat nichts mit naiver Bauernmalerei zu tun und ist auch sicher nicht das Ergebnis einer begeisterten Hobbymalerin. Nein, die Bilder von Frau Fitz sind mehr. Sie malt Gefühle, macht sie sichtbar und hängt ihnen Emotionen mit einer Überzeugungskraft an, die wirklich tief in den Betrachter eindringen wenn man er es zulässt. Ein ausdrücklicher Dank geht an Franz-Georg Müller, dem Besitzer des LAGO, weil er heimischen Künstlern eine Plattform gibt, ihre Werke, in einem wirklich tollen Ambiente, zu präsentieren.
Peter Hesselmann

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