Das LAGO ... oder … ein mediterraner Kurzurlaub, mit Dolce Vita, gleich umme Ecke

19Bilder

„♫“Wenn anner Möhne de rote Sonne im Weiher versinkt … und der Pitter mit dem Maddin im Lago kaltes Pilsken trinkt …! „♫“, sing ich schief und laut. So teile dem Maddin musikalisch meine Absichten mit. Irgendwie hab ich das Lied: „Wenn auf Capri, die rote Sonne...“, von den Capri Fischern im Kopp, während mein Blick von der Möhnetalsperre über den Ausgleichsweiher streift und sich zielsicher auf das LAGO fixiert. Der Maddin, mein Freund und „Hobbyfotografeur“, ist auf Motivsuche. „Komm, wir latschen zu Franz-Georg runter. Da kannste dann Stillleben fotografieren.Titel: „Der dicke Mann und das kalte Pils“. Abba musse fixe knipsen, weil ich mit Pilsken inne Hand nich lange stille halte, wonnich.“ Maddin knurrt was unverständliches, was auch als ein miesepetriges Muffen ausgelegt werden kann und schlufkert (geht) hinter mir her.
Das LAGO ist auch wegen der bombastischen Naturkulisse einer der beeindruckendsten Orte am Möhnesee. Das Restaurant selbst erinnert an eine gemütliche Trattoria, im Hafen von Portofino. Die weitläufige Aussicht von der Terrasse, über den Ausgleichsweiher, in dem sich feuerrot, die untergehende Sonne spiegelt, bis hin zu den ersten Höhenzügen des Arnsberger Waldes zeichnet ein Panorama, dass Sequenzen der UFA Urlaubs-schmonzette „Das kann doch unsren Willi nicht erschüttern“ mit Heinz Ehrhardt aus den 70ern aufflimmern lässt. Der Blick zur wuchtigen Möhnetalsperre hat was brachiales, stört aber das weiche Bild des lauen Sommerabends nicht. Im Gegenteil, es ist gerade dieser Gegensatz, der dem Ort das mediterrane, italienische Flair verleiht.
Ob ich nun will oder nicht, „♫“Wenn anner Möhne de rote Sonne im Weiher versinkt …„♫“, summe ich schon wieder, vollkommen tiefenentspannt, voller Dolce & voller Vita. Ist jetzt zwar nicht italienisch, aber als Sauerländer hab ich es schwer, angeborene Reflexe zu unterdrücken, also bestell ich mir ein lekker, knacke kaltes Pilsken. „Dolce & Vita“ auf sauerländisch, wonnich. Maddin hat es da doch mehr mit den Klischees und bekommt einen kräftigen Roten aus der Toskana. Eine Unterhaltung wäre in diesem Augenblick so falsch wie ne Garnitur aus Matjes, Zwieback und Radieschen an nem Pilsglas. Wir sind einfach überwältigt von der Szenerie des Abends. Diese Kombination aus immer noch angenehm warmer Spätsommerluft, dem rötlichem Wolkenschimmer am Himmel, die untergehende Sonne, dem epochalen Panoramablick und dem würzig süßen Geruch des Sommers vermitteln eine herrlich entspannte, ausgeglichene Ruhe. „Na Männers, dat is mediterraner Kurzurlaub, mit Dolce Vita, gleich umme Ecke, wonnich …!“ Franz-Georg Müller, der Chef von´s Ganzen, holt uns fast abrupt zurück aus Italien. „Na, getz nich mehr...woll“, kommentiere ich diesen lästigen „Urlaubsrückruf“ ein wenig knötterig. „Kommt mal mit ihr zwei. Ich möcht euch was zeigen.“ Attich (artig) und folgsam, wie wir nun mal sind, tapsen wir hinter ihm her ins LAGO.
Ich mag den rustikal romantischen Charme und das heimelige Ambiente des Gastraums. Während sich mein Guck (Blick), schon aus angeborener Tradition und intuitiver Berufung, auf die Theke konzentriert, werden meine Geruchsrezeptoren so stimuliert, dat die dat randalieren anfangen. Auch die Geschmackspapillen ham die Info abgegriffen und alle zusammen widmen sich dem Sauerländer Urinstinkt … bitte mit richtiger Betonung lesen, wonnich Ur-Instinkt und nich … Essen! Ich kann auch Pilsken trinken, ohne es mit nem Guck zu huldigen. Was Essen und Trinken angeht, bin ich eindeutig multitaskingfähig. Also folgen meine Klüsen und meine Nase dem verführerischen Bukett. Hollakabolla, im hinteren Eck des Gastraums, dreht sich über einem Holzkohlefeuer ne „wilde, nackige Sau“ (Spanferkel). Die gastronomische Mannschaft vom LAGO hat den deftigen Sauerländer Hunger perfekt definiert und alles so delikat positioniert, dat auch de Buiterlinge, also die von woanders, so´n richtigen Schmacht (Hunger) kriegen. Der Maddin guckt, wie Obelix in der Wildschweinbraterei. Sein Zinken hängt in der Luft, wie der Steckdosenkolben von nem Trüffelschwein im Dreck. Die Schnalz,- und Schmatzlaute hören sich an, wie die A capella Einleitung eines Bajuwarischen Schuhplattlers. Profan, der Maddin riecht, sieht Essen und kricht Hunger! „Guck ma Peddar schweinische Delikatessen. Sind die wohl zum Essen“, fragt er verzückt. „Na dat dat Ferkel die Freifahrt auf dem „tierischen Kettenkarussell“ genießen tut und sich gleich noch ne Tüte gebrannte Mandeln kauft, ist eher unwahrscheinlich, odda“, ist meine flapsige Antwort. Neben dem „Fahrgeschäft für Spanferkel“ ist ein üppiges Salatbüffet aufgebaut. Wobei üppig eine echte Untertreibung ist. Ein buntes Potpourri knackig, frischer Salate mit Tomaten, Mozzarella, Nudeln, Chicorée, Mais, Endivien, Bohnen, Paprika, Oliven, Gurken und allerhand anderer Feld,-Wald,-und Wiesenfrüchte, werden umrahmt von Marinaden, Vinaigretten, kalten Saucen und diversen Salattoppings. Duftende, ofenwarme und knusprige Baguettestangen mit Zwiebeln, Käse, Kümmel, Sesam, Natur oder Mohn, ragen wie Fahnenmasten aus den Weidenkörben.
„Wat sachste, wat is dat hier? Ne Trattoria, Osteria, Pizzeria? Mir egal, ich hol getz die Pia...“, ruft Maddin enthusiastisch. „Deine Frau heißt Sabine, Maddin“, antworte ich verstört. „Schwätz nich dösig rum! Getz isse eben ma de Pia-Sabine weil´s sich reimen tut wonnich.“ Auch ich hab so ne „Pia“, ne „Pia-Petra“ zu Hause, die Leckeres zu würdigen weiß und es mir mehr als übel nehmen würde, wenn ich ihr diese lukullische Extravaganz vorenthalte. Eine gute halbe Stunde, oder 4 knacke kalte Pilsken und zwei von den fruchtig roten aus der Toskana, später kommen unsere „Pias“. Ja, ich gebe es zu, ich hatte auch schon ein, zwei, vielleicht auch drei Stück von dem Spanferkel. Zart wie eine Sonate von Mozart, saftig wie eine Symphonie von Beethoven, knusprig wie eine Rhapsodie von Bach und dazu würzig wie das Sauerlandlied von Zoff. Oder ohne den schwülstigen Schisslaweng, Knorke, Töfte und einfach Hammerlecker! Wie die Salate schmecken möchte meine „Pia“ wissen. „Salate? Wo? Ich dachte, das ist animierende Deko und schmuckes Beiwerk, um das Fleisch bestmöglich und appetitanregend zu präsentieren“, antworte ich breit grinsend, während ich mir noch so ne klitzekleine Riesenportion gönne.
Fazit: Das LAGO-Team und Franz-Georg Müller haben hier eine wahre gastronomische Oase geschaffen. Das LAGO lockt immer wieder mit neuen, oftmals spektakulären, Events und überrascht seine Gäste mit kulinarischen Köstlichkeiten. Alles andere was wir noch für ein perfektes gastronomisches Erlebnis brauchen, liefert uns die Möhnetalsperre und die imposante Natur des Sauerlandes.
Peter Hesselmann

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen