Der Daumen geht nach unten
Unternehmen in Westfalen-Mitte erwarten schwieriges 2020

Egbert Neuhaus und Dr. Volker Verch (r.) stellten Umfrageergebnisse vor, die zur Achtsamkeit mahnen.
  • Egbert Neuhaus und Dr. Volker Verch (r.) stellten Umfrageergebnisse vor, die zur Achtsamkeit mahnen.
  • Foto: Peter Benedickt
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Das Bild hat sich gewandelt: Die Betriebe im Unternehmensverband Westfalen Mitte sind von einem leicht befriedigenden Ausblick auf 2019 zu einer skeptischeren Prognose für 2020 umgeschwenkt. Es wird eine deutliche Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage in der Region erwartet. Oder wie es der Verbandsvorsitzende Egbert Neuhaus ausdrückte: „Vor zwölf Monaten war das Glas halb voll, nun muss gesagt werden, es ist halb leer.“

Von Peter Benedickt

Die Situation sei noch lange nicht so dramatisch wie 2008/2009, aber der Blick in die Zukunft lasse doch die Sorgenfalten bei den Verantwortlichen tiefer werden. Neuhaus wählte bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse warnende und deutliche Worte: „Die aktuellen Zahlen sind als deutliches Warnsignal dafür zu verstehen, dass wir uns nicht zu sicher fühlen dürfen, denn auch unsere Wirtschaft ist nicht unverwundbar.“ Rund ein Drittel der Mitgliedsbetriebe mit insgesamt 29.130 Beschäftigten und über 750 Auszubildenden beteiligten sich an der Umfrage. Fazit: Nur noch 21 Prozent beurteilen die aktuelle Geschäftslage als gut, im Vorjahr noch 50 Prozent. Zudem sehen 38 Prozent die nähere Zukunft sogar als schlecht an, eine Steigerung um das 13-fache.

Abwärtstrend deutlich erkennbar

Neuhaus: „Von 100 Unternehmen haben 96 im Jahr 2019 ihre Geschäfte noch als gut bis zufriedenstellend beurteilt, nun ist dieser Wert auf 62 gesunken - ein Abwärtstrend also deutlich erkennbar.“ Erschreckend: Die Auftragslage zurzeit ist gegenüber dem Vorjahr weggesackt: Ein Rückgang im In- wie auch aus dem Ausland. Die Erwartungen: Noch weiter in den Keller.
„Es gibt viele Faktoren für diesen Sinkflug“, die Probleme sind vielseitig. „Da spielen Handelshindernisse, Trumps Zölle etwa, ebenso eine Rolle wie die nicht ausgereifte Energiewende, die nachlassende Dynamik auf dem Markt macht Sorgen, aber auch die Probleme in der Automobilindustrie.“ Große Autobauer gibt es zwar in der Region nicht, aber die Zulieferindustrie ist natürlich ebenfalls betroffen. Erste Arbeitsplätze fallen schon weg, meistens sind es bisher befristete Verträge, die nicht verlängert werden. In den kommenden Monaten werden aber Entlassungen zunehmen, Neueinstellungen reduziert. Allerdings sei zu berücksichtigen, dass 44 Prozent der Betriebe im letzten Jahr neue Mitarbeiter eingestellt haben und der Bedarf in 2020 damit bereits gedeckt ist.

Hohe Ausbildungsbereitschaft 

Indes ist die Ausbildungsbereitschaft der heimischen Industrie weiterhin sehr hoch, 80 Prozent bieten weiter Plätze im vollen Umfang an oder weiten sogar aus. Jedoch haben die Unternehmen zusätzlich mit dem Fachkräftemangel zu kämpfen. "Insbesondere im gewerblich-industriellen Bereich gibt es Lücken, auch wenn kreative Lösungen entwickelt wurden", erläutert der Geschäftsführer des Verbandes, Volker Verch. Trotzdem bleiben vermehrt freie Stellen unbesetzt.
„Durch diese Unsicherheit wird natürlich weniger investiert“, zieht ein Unheil das nächste an. „Ist ja auch klar, wenn nicht zu erkennen ist, wie sich Vorgaben und Gesetze im kommenden Jahr entwickeln.“ Viele Betriebe machen bereits Kurzarbeit oder haben sie angemeldet: „Das bedeutet nicht, dass sie kommt, aber oft muss schnell reagiert werden.“

Abkehr von der "Schwarzen Null"

In den bald beginnenden Tarifverhandlungen sollte die Gewerkschaft Fingerspitzengefühl beweisen, Beschäftigungssicherung im Vordergrund stehen. Zu hohe Abschlüsse würden wahrscheinlich dazu führen, dass einige Unternehmen aus der Tarifbindung aussteigen. Dies könne nicht im Sinne der Tarifpartner sein. Zur Verbesserung der Lage wäre nach Meinung der beiden Führungskräfte beispielsweise die Abkehr vom sklavischen Festhalten an der „Schwarzen Null“ hilfreich: „Vereinfachung von Projektgenehmigungen sowie die Modernisierung der Infrastruktur ist ebenfalls notwendig.“ Das Institut der Deutschen Wirtschaft schlägt vor, einen Investitionsfonds von 450 Milliarden Euro, verteilt auf zehn Jahre, zu bilden. „Ein Konjunkturprogramm, was helfen würde“, ist sich Egbert Neuhaus sicher.

Autor:

Lokalkompass Arnsberg-Sundern aus Arnsberg

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