Dat Bedbuirse Waldt - Der Bedburger Wald - Der Wald auf dem Gelände der Rheinischen Kliniken

Abb. 1 Sagrothen 1563
6Bilder

Ein alter Baum ist ein Stück Leben.
Er beruhigt. Er erinnert. Er setzt das sinnlos
heraufgeschraubte Tempo herab, mit dem man unter großem
Geklapper am Ort bleibt. Und diese alten sollen
dahingehen, sie, die nicht von heute auf morgen nachwachsen?
Die man nicht nachliefern kann?
Kurt Tucholsky

Ein Bericht über den Wald der Rheinischen Kliniken. Es gibt immer noch die vorherrschende Meinung das der Wald erst mit dem Bau der Klinik angelegt wurde. Dies stimmt nachweislich nicht.

Vor ca. 5000 Jahren, war der Niederrhein noch komplett bewaldet. Eichen- Hainbuchenwälder entwickelten sich auf den stau- und grundwasserfeuchten Lehmböden, Eiche – Birken und Buchen – Eichenwälder auf den sandigen Geestrücken, Erlen – Bruchwälder auf vermoorten Standorten und in den Flussauen dominierte der Auenwald.
Vor rund 4000 Jahren wurde der Niederrhein erstmalig besiedelt, dies bedeutete, Anfänge der Viehzucht und des Ackerbaus. Umfangreiche Rodungen veränderten das Landschaftsbild, das Vieh und der Mensch verhinderten in weiten Teilen ein Wiederaufkommen des gerodeten Waldes.
Vor ca. 3000 Jahren kommen keltische Viehzüchter und Ackerbauern aus dem Süden Europas an den Niederrhein und zu Beginn der Eisenzeit, um 700 v. Chr., gesellten sich die Germanen aus dem Osten hinzu. Zur weiteren Schaffung von Weideflächen rodet der vor- und frühgeschichtliche Mensch bevorzugt die Talauen. Im Flachland und in den Auenwäldern wächst nun bevorzugt die Eiche, sie wird regelrecht kultiviert, da sie für die Eichelmast der domestizierten Schweine benötigt wird, zu ungunsten anderer Laubbäume.
Zur Römerzeit wird die Rinder- und Schweinezucht weiter intensiviert. Die Römer bauen zuerst Lager aus Blockhütten mit hölzernen Palisaden, später ab 50 n. Chr. auch Lager und Kastelle aus Stein.
Während der Völkerwanderungszeit, 3. bis 8. Jahrhundert, nimmt der Waldanteil wieder zu und danach während der mittelalterlichen Rodungsperiode wieder rapide ab. Die großen Wälder der Frühzeit lichten sich bei zunehmender Siedlungstätigkeit. Das größte Ausmaß erreichen die Waldrodungen im 9. und 10. Jahrhundert und die verbleibenden Wälder werden als Futterquelle genutzt. Die ersten großen Rodungen sind aus dem Klever Raum aus dem Jahr 1020 überliefert. 1150 bis 1200 wurden südlich von Kleve Rodungen durchgeführt ( op gen Houwe oder Op gen Haw ), das heutige Hau.
Der Höhenrücken zwischen Kleve und Xanten war entwaldet und nur noch als Heide zu bezeichnen. Die Schafzucht und Wollbearbeitung blühte auf. Um 1300 dominierten ausgedehnte Heide- und Weideflächen den Niederrhein.
Auf der Karte von Christian Sgrothen von 1563 (Abb.1) ist zu erkennen, dass es praktisch keinen Wald gibt, mit Ausnahme im Bereich von Bedburg.
Beedbergh ist von ein sicher Eremit Joachim genennet / der sich in das vmbliegendes Gehöltz vnd Busch in einer Clause auffhielte / nachderhand ohngefehr vmb das Jahr des Herren 780 hat Graff Ludolff an selbigen Orth ein Beedhauß gezimmert... Egbert Hopp 1655
T´Klooster te Bedtberch off Beedtberch, soude van enn seecker Ehremith Joachim genaemt, die sich in het omleggende Bosch, in een kluyse ophielt... Christoffel de Vries 1696
Zu dem Namen soll ein Eremit Namens Joachim, der hier im Gehölz auf einem Hügel... Gustav von Velsen 1846
Der Name Hau, nach älterer Schreibart, Op gen Haw, rührt wohl daher, weil der Waldtheil, welcher in früherer Zeit die Fläche dieses Dorfes bedeckte, als Schlagwald der Stadt Cleve benutzt wurde.... Gustav von Velsen 1846
Gleichzeitig begannen ab 1200 erneut umfangreiche Rodungsmaßnahmen, und langsam wich der Reichswaldrand zurück. Die nach Umfang und Zahl der Bauernstellen größte Rodung war jene, welche südlich von Kleve auf reinem Waldboden entstand und darum op gen Houwe (auf dem Hau) genannt wurde.... Josef Jörissen 1990
Im Bericht von Oierreponts auf Veranlassung Napoleons aus dem Jahre 1803 ist folgendes zu entnehmen: „Ohne Wald und Bäume wäre die Gemeinde Schneppenbaum allen Winden ausgesetzt, aus Norden und aus Osten; dies wäre für die Gemeinde nachteilig. Dies ist neu urbar gemachtes Land, durchteilt durch Wald, Heide, Hecken, Bäume, Gräben etc. Der südliche Teil der Gemeinde Moyland ist hügelig, teilweise Brachland, teilweise Wald, an einigen Stellen sind Tannen.“
Auf einem Kartenausschnitt aus dem Kataster des Amtes Cleverham von 1723 (Abb. 2), die Karte ist nicht eingenordet, oben ist Westen, ist die St. Markus Kirche zu erkennen, darüber die heutige Uedemer Straße und darüber das jetzige Klinikgelände, auf der Karte als „Dat Bedbuirse-Waldt“ bezeichnet.

Am 13. März 1907 fasste der Provinziallandtag den Beschluss, eine weitere Anstalt für Geisteskranke mit 2200 Betten in Hau zu bauen. Die Wahl fiel auf Hau, weil es hier ein ausreichend großes zusammenhängendes Gelände gab. Besonders günstig war, dass Ackerland erworben werden konnte, um die Kranken zu beschäftigen und um damit auch Kosten zu sparen. Noch günstiger war auch der Umstand, dass das Gelände, wo die eigentliche Anstalt gebaut werden sollte, bereits mit Wald bedeckt war. Letzteres war auch mit einer der Gründe, warum die ortsansässige Bevölkerung dem Vorhaben wenig Sympathie entgegenbrachte. Man befürchtete, dass die idyllische Ruhe vorbei sein würde, Wege zu den Feldern, zum Wald und zu den Nachbarn durch die Anstalt abgeschnitten würden. Diese Befürchtungen waren nicht unbegründet, wenn man sich Karten vor dem Anstaltsbau anschaut. (Abb. 3)
Auch die damalige Gemeinde Hau war sehr verärgert, weil die Anstalt den Namen Bedburg erhielt und nicht Hau. Die Eisenbahnstation, die eigens für die Anstalt gebaut wurde, erhielt den Namen Hau. Die Bezeichnung Bedburg-Hau lehnten die Bürgermeister in Hau und Hasselt zuerst ab. Erst nach langer Auseinandersetzung einigte man sich auf den Namen Bedburg-Hau.
Im März 1908 wurde mit den Bauarbeiten begonnen. 36 Kranken-, 16 Wirtschafts- und Verwaltungs- und 38 Wohngebäude wurden errichtet. 1911 wurden bereits die ersten Kranken aus der überfüllten Anstalt Grafenberg nach Bedburg verlegt. 1912 waren schon über 1200 Kranke in Bedburg. Im Juli 1912 wurde die Anstalt eingeweiht.

Soweit die Geschichte. Über den heutigen Zustand des Waldes und was daraus werden soll, in einem später folgenden Bericht.
Dokumentation " Dat Bedbuirse-Waldt", 80 Seiten, (PDF) kann ich auf Wunsch zusenden.

Zu den Abbildungen:
1. Christian Sgrothens Geograph Philipp´s II. von 1563
Die Karte von Christian Sgrothens, den gebürtigen Sonsbecker, ist die genaueste Karte des Niederrheins, und dies wurde bis weit ins 18. Jahrhundert von keiner anderen Karte erreicht. Die Karte zeigt einen Ausschnitt aus dem „Madrider Atlas“. Alle Wälder, Wasserarme und Höhenzüge sind genau verzeichnet. Alle Orte und Städte sind zu erkennen und auch alle wichtigen Gebäude wie Moyland, Rosendal, Till, Hasselter Kapelle, Antonius Kirche Hau, Qualburg und Bedburg. Deutlich auch zu erkennen, ist dass westlich und südlich von Bedburg ein Wald eingezeichnet ist. Der Höhenzug, die eiszeitliche Endmoräne südlich von Moyland ist unbewaldet. Der Bedburger Wald scheint also schon im 16. Jahrhundert von großer Bedeutung gewesen zu sein, sonst wäre er nicht auf dieser Karte eingezeichnet.
2. Kartenausschnitt aus Kataster des Amtes Cleverham von 1723.
3. um 1900, die gestrichelte Fläche kennzeichnet das Klinikgelände mit den dazugehörigen landwirtschaftlichen Flächen.
4. Tranchot und v. Müffling Kartenaufnahme 1803 –1820 Die Karte wurde von französischen Ingenieuroffizieren unter der Leitung des Oberst Tranchot erstellt. Bei der hier abgebildeten Karte handelt es sich nur um einen kleinen Ausschnitt. Seit 1971 liegen die Karten für den linksrheinischen Teil bei der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde farbig reprodu-ziert vor. Auch auf dieser Karte ist der Bedburger Wald zu erkennen. Zu erkennen ist auch, dass weite Teile von Schneppenbaum, westlich der heutigen Josefshöhe, bewaldet waren. Auch der nördliche Bereich vom heutigen Rosendaler Wald und der Torfkuhl war bis nach Hasselt hinein, heute Südplan, bewaldet. Einen kleinen Teil des Waldes findet man noch am Ehrenmal Ecke Südplan.
5. Karte von W. Werner 1837 Kartenausschnitt, die den Zustand der Kolonie Neulouisendorf von 1834/35 darstellt. Diesem Kartenausschnitt ist zu entnehmen, dass der Bereich Föhrenbacheck nunmehr auch bewaldet ist. Auf der Karte von Tranchot, rund 30 Jahre früher, war dies noch nicht der Fall. Auf dieser Karte ist auch schon die neue Landstraße Kalkar – Kleve eingezeichnet. Sehr schön zu sehen ist der Kreuzungspunkt Bedburg. Hier treffen sich die Uedemerstraße, die Alte Bahn, Rosendaler Weg und die Horionstraße, damals die Poststraße von Kleve nach Xanten. Die Horionstraße (Poststraße) verlief damals noch geradeaus und machte keinen 90 – Grad - Knick Richtung Uedemerstraße.
6. Preußische Kartenaufnahme Uraufnahme 1843. Diese Karte ist, obwohl nur wenige Jahre später erstellt, wesentlich genauer. Der Rosendaler Wald war doppelt so breit wie heute und dehnte sich aus bis zum Südplan. Der Bereich Josefshöhe zwischen Rosendaler Weg und Alte Bahn war bewaldet und auch das heutige Föhrenbacheck. Auch das heutige Klinik-gelände war überwiegend bewaldet. Der Rosendaler Weg gabelte sich in Höhe des Rathauses und führte geradeaus, überquerte die Uedemerstraße und mündete in die Poststraße. Wo die heutige Horionstraße in die Uedemerstraße mündet ist eine Allee zu erkennen.

Autor:

Günter van Meegen aus Bedburg-Hau

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