Die kognitive Revolution
Hat uns Bertolt Brecht heute noch etwas zu sagen? Gedanken zu "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny"

Lange ist er schon tot.Aber ist er denn noch aktuell? 

Ich besuchte mit meinem Deutschkurs im Zuge des besseren Verständnisses die Oper. Aufgeführt wurde das Stück "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" von Bertold Brecht mit Musik von Kurt Weill.
Ich mochte die Lektüre, trotz der Anstrengung, welche durch die Versform und die leider beim lesen aufkam. Ich mochte sie nicht aufgrund von typografischen Gegebenheiten sonder aufgrund des Inhaltes. Im Kern kritisiert Brecht den Hunger des Kapitalismus, welcher niemals aufhört, unermesslich ist und sich letzten Endes sich selber zerstört. 
Die Oper endete mit diesem sehr schönen Zitat wie ich finde:

„Reicher Mann und armer Mann
standen da und sahn sich an.
Und der Arme sagte bleich:
»Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich«.- B.Brecht

Trotzdem ist es doch verwunderlich, dass die "gut betuchten Bürger" welchen hier Ihr ,zum Teil, eigenes Wirken und Handeln vor Augen geführt wird in der Pause schön den Sekt für 5 Euro/Glas in sich rein kippen. Natürlich möchte Brecht mit seiner Montagetechnik den Zuschauer den Spiegel vorhalten und zum Nachdenken anregen. Aber wird dies auch erreicht? Vor allem in der heutigen Zeit? In einer Zeit, wo ,zumindest die Generation Z, aber auch unsere Elterngeneration im Kapitalismus großgeworden sind. In welcher ich in meinem beheizten Zimmer (es ist echt kalt draußen) sitze und diesen Text mit einer viel zu teueren Tastatur in einen Computer tippe, welcher mich damals ein kleines Vermögen gekostet hat.
In einer Zeit, in welcher junge Menschen auf die Straße gehen müssen, weil unser Konsum, welcher rücksichtsloser nicht hätte sein können, unser aller Lebensgrundlage zerstört.
Schuld an der Zerstörung der Umwelt sind wir Konsumenten, weil wir uns nicht dem Diktat der großen Konzerne widersetzen. Weil wir uns darüber aufregen, dass der Hambacher Wald abgeholzt wird aber munter weiter unseren Kohlestrom beziehen.

"Die Schwärmerei für die Natur kommt von der Unbewohnbarkeit der Städte." - B.Brecht

Wir haben doch alle schon den Kapitalismus vorgelebt bekommen und seien wir ehrlich wir leben Ihn doch auch selber. Wir konsumieren munter vor uns hin, aber geht es denn anders?
vor einigen Monaten habe ich eine Reportage über Menschen gesehen, welche als Hippies in Höhen in Spanien gelebt haben (Video ist unten verlinkt). Ich finde diesen Ansatz versöhnlich und auch unterstützenswert, doch werde ich nicht meine Besitztümer verkaufen um in einer Höhe Unterschlupf zu suchen. 
Andere Menschen, welche die Hektik unserer Konsumgesellschaft ablehnen organisieren sich in autarken Kommunen, eine Idee welche ich auch ganz interessant finde. Wir sehen es gibt Möglichkeiten dem Diktat der Uhr und dem der kapitalistischen Mächte zu entfliehen. Aber warum tuen wir das nicht? Warum hetzen wir von Termin zu Termin (der Greenwich sei dank) in einem System, welches sich die Menschen selber ausgedacht haben. In einem System in dem einige wenige profitieren, einem System indem die Schere zwischen arm und reich immer weiter Auseinanderdriften? 

"Je größer der Markt, desto größer der Wohlstand für alle." - Adam Smith

Auf diese Fragen werden nun einige Menschen antworten, dass die armen nicht hart genug gearbeitet hätten. Das wenn sie sich anstrengen schon zu Reichtum kommen können. Doch leider ist der Zugang zu Bildung und zum Erwerb von Reichtum ungleich verteilt. Im Kapitalismus, oder in einem kapitalistischen System (welches die Wirtschaft in Europa nunmal ist) wird es immer Gewinner und Verlierer geben. Immer Leute, welche sich ein glänzendes Mahagonny aufbauen können und immer welche, die darunter leiden müssen. Es wird in einer endlichen Welt keinen unendlich wachsenden Markt geben. Hier funktioniert die kalte Logik des Kapitalismus nicht. Natürlich wird der Markt "dass schon regeln" aber die Investitionen in die Forschung werden erst dann erfolgen, wenn das "Haus in flammen steht". Aber warum klammern wir uns überhaupt an diese (fas) religiösen Floskeln vom Wachstum von Investitionen? Weil der Kapitalismus Motor der industriellen Revolution war und den Adel verdrängt hat. An die Stelle des Adels traten die Kapitalisten, die Unternehmensbesitzer. Sie entwickelten Maschinen zur Effizienzsteigerung  und dies war sicherlich nichts schlechtes. So erfand z.B. der Amerikaner Henry Ford das Fließband, damit durch Standardisierung mehr produziert aber , und hier liegt der entscheidende Punkt, mehr konsumiert werden konnte. Er eröffnete sich durch die Lieferbänder und der gesteigerten Produktion ein Werkzeug zum Selbstnutzen: Die Arbeiter konnten mehr produzieren und dies sorgte für eine Preissenkung des Produktes so konnten die Arbeiter auch mehr konsumieren. Seine Arbeiter zu Kunden zu machen, was für ein genialer Schachzug. 
Diese Entwicklung wird heute in der Industrie 4.0 perfektioniert. Der Gründer der US Firma Tesla, Elon Musk hat fast vollkommen autonome Autofabriken errichtet. 

Um das Thema zu bilanzieren:
Wir leben also in einer Welt, in welcher wir uns garnicht mehr losmachen können vom Konsum, wir begegnen ihm überall und er ist allgegenwärtig. Nicht jeder kann in einer Höhe oder in einer Kommune leben. Der Kapitalismus war Erfolgsmotor unserer Zivilisation und brachte auch den Arbeitern die Möglichkeit am Konsum teilzuhaben. Wir leben doch alle in Mahagonny und sind so daran gewöhnt, dass wir es nicht einmal merken. Wir zerstören unsere Umwelt im Interesse der Aktionäre großer globaler Unternehmen. Deswegen würde ich sagen ja, Brecht hatte recht mit seiner Kapitalismuskritiker welche er 1930 verfasste. Vielleicht heute mehr denn Je.

Video zu den Höhlenhippies (Youtube):
https://www.youtube.com/watch?v=8aYGsRVojjs

Kritik zu Aufstieg und fall der Stadt Mahagonny welches ich eingangs erwähnte:
https://www.waz.de/staedte/gelsenkirchen/premiere-in-gelsenkirchen-mahagonny-paradies-und-hoelle-id216293593.html

Autor:

Luca Hermsen aus Bedburg-Hau

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