Landwehren in der Gemeinde Bedburg-Hau

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Ein Beitrag zur Geschichte Bedburg-Hau

Vorwort:
Geschichte hat mich schon immer interessiert, besonders dann, wenn sie greifbar wird: Ich kann es sehen, anfassen, und dadurch wird Geschichte auch erlebbar. So war es auch im Falle der Landwehren. Hauptsächlich in den Wäldern, aber auch auf den Feldern und Wiesen stößt man auf die Landwehre und man kommt nicht drum herum sich vorzustellen: Wie mag das damals ausgesehen haben, wer hat sie wann gebaut?
Um den Wissensdurst zu stillen, schaute ich in diversen „Heimatbüchern“ und Geschichtsbüchern nach und wurde auch fündig. Meist waren es jedoch nur Kurzbeschreibungen, die mich nicht so ganz befriedigten. Wie es dann so ist, man belässt es jedoch dabei.
Vor einiger Zeit fragte mich ein Bekannter, ob ich etwas über die Entstehungsgeschichte der Gaststätte Schwanenhof wüsste. Ja, da habe ich schon mal was gelesen. Nur wo? die Suche begann. So blätterte ich auch mal wieder in der hervorragenden „Chronik der Gemeinde Bedburg-Hau“ von Josef Jörrissen herum und stieß auf die Geschichte von einem Schmied namens „Büsse“, der um 1800 am „Moyländischen Schwan“ wohnte. Und dieser „Moyländische Schwan“ war ein Durchlass der „Rosendaler Landwehr“. Bei Haus Rosendal gab es auch einen Durchlass und genau dort steht auch die Gaststätte Schwanenhof. Ich brachte also sofort beides in Verbindung. Wenig später bekam ich im Klever Stadtarchiv eine Skizze vom Klever Historiker Friedrich Gorissen ( 1912 – 1993 ) in die Hände, und siehe da, ganz klein stand an der Landwehr bei Rosendal das Wort „Schwan“ geschrieben. Meine erste Vermutung war also richtig gewesen.
Jetzt packte mich aber der Ehrgeiz. Ich trug alles zusammen, was es über die Landwehren in Bedburg-Hau gab. War erst mal enttäuscht. Überall nur Fragmente, nichts Zusammenhängendes.
Immer weiter gesucht und gefunden, begann ich dann Eins und Eins zusammenzuzählen. Ich begab mich auch ins „Gelände“: Wo sind die Überreste, wie sehen sie aus? Wo gibt es noch Vergessenes?
Das Resultat habe ich aufgeschrieben und bebildert.
Günter van Meegen

Landwehren in der Gemeinde Bedburg-Hau

„Landwehr“ war ursprünglich die Bezeichnung für das Angebot aller wehrfähigen Männer, die zur Verteidigung eines Herrschaftsgebietes herangezogen wurden. Die Bezeichnung „Landwehr“ wurde ab dem 13. Jahrhundert auf Umfriedungen, die aus Hecken, Gräben und Wällen bestanden, übertragen. Im 19. Jahrhundert gab es dann wieder militärische Verbände, die sich auch „Landwehr“ nannten. Nachfolgend geht es hier um Landwehren, die zum Schutz eines Siedlungs- oder Herrschaftsgebietes gebaut wurden.
Diese Umfriedungen, die Landwehren in Kombination mit den wehrfähigen Männern, waren im Mittelalter ein recht wirksamer Schutz gegen Übergriffe von Nachbarn, Feinden oder Räuberbanden. Eine Landwehr hatte jedoch auch eine weitere Funktion: Sie lenkte den Warenverkehr. Wege wurden abgeschnitten oder umgelenkt, und bei der Querung wichtiger Handelswege wurden Durchlässe an den Wällen und Gräben gelassen. An den Durchlässen, den Schlagbäumen, auch Boom, Bohm, Boem, Reenboom, Slagboom oder Klappheck genannt, wurden Waren- und Personenkontrollen durchgeführt und eine Art Straßenmaut erhoben. An besonders wichtigen Stellen wurden die Durchlässe zusätzlich durch einen Wehrturm (siehe Rosendaler Landwehr) einem „Kieckhövel“ oder „Schänzchen“ (siehe Keppel´sche Landwehr) gesichert. Die Landwehre und die Schlagbäume wurden nach Besonderheiten am Ort, oder nach Personennamen benannt. Diese Namen findet man heute noch als Straßennamen, Flur- und Feldbezeichnungen, ja sogar spätere Ortschaften wurden danach benannt, zum Beispiel Schneppenbaum. Häufig findet man auch nur die Bezeichnung „Landwehr“. Bemerkenswert ist, dass größere Abschnitte der heutigen Gemeindegrenzen den Verlauf der Landwehren widerspiegeln.
Ab 1800 wurden die Landwehren immer bedeutungsloser. Sie wurden nicht mehr gepflegt und zu großen Teilen für Ackerflächen eingeebnet.

Die Landwehren auf dem Gebiet der Gemeinde Bedburg-Hau (Karte 1) stammen überwiegend aus dem frühen 15. Jahrhundert. Der Graf und spätere Herzog Adolf II. von Kleve (1394 – 1448) ließ zur Sicherung seines Territoriums die Landwehren anlegen. Ein Beweggrund war wohl auch die Schlacht im Cleverham 1397 gegen seinen Onkel Wilhelm von Berg. Die Schlacht ging zu Gunsten von Adolf II. aus. Von den Lösegeldern und Reparationszahlungen konnte er Sicherungsmaßnahmen durchführen, um gegen weitere Überfälle gewappnet zu sein.

Auf dem Gemeindegebiet sind noch viele Reste der Landwehren erhalten und einige davon sind besonders geschützt und als Boden- oder Kulturdenkmal eingetragen. Mit einer Gesamtlänge von 35 Kilometern (einschließlich Wetering), dürfte Bedburg-Hau mit an der Spitze ehemaliger Landwehren in NRW liegen. Rund 5,5 Kilometer dieser Landwehren findet man noch, mehr oder weniger gut erhalten, auf dem Gemeindegebiet.

Wie schon erwähnt, bestanden Landwehren aus Hecken, meist Dornengebüsch, aus Gräben und Wällen. Man bediente sich jedoch auch beim Anlegen der Landwehren der natürlichen Gegebenheiten wie Hügeln, Abbruchkanten, Vertiefungen und Wasserläufen sowie Entwässerungsgräben. Die Landwehren konnten jeweils nur aus einer Hecke, einem Graben oder Wall bestehen. Meistens jedoch kombinierte man einen Graben mit einem Wall, oder mehrere Gräben mit mehreren Wällen, zu einer doppelten Landwehr. Alle Kombinationen findet man auch auf dem Gemeindegebiet Bedburg-Hau.

Wo waren diese Landwehren und Durchlässe auf dem Gemeindegebiet Bedburg-Hau?
Und wo sind sie noch erhalten?

Bekannt sind fünf Landwehren in Bedburg-Hau:
-die „Lambeer“ vom Sternbusch nach Schmidthausen (Karte 2),
-die „Keppel´sche“ vom Papenberg über Keppeln und Kalbeck (die große Landwehr / Karte 4),
-die „Rosendaler“ vom Papenberg nach Kalkar (Monterberg / Karte 6),
-die Landwehr „Wetering“ (Karte 10) und
-die „Duiffelse“ von Kleve nach Goch (Karte 11).

Wie war damals die Wegeführung?

Bedburg war damals Schnittpunkt mehrere wichtiger Wege. Bedburg, lateinisch „ad punctum Bedeburgiensis“„, wurde auch „Pünt“ genannt. Viele der alten Wegeführungen, die durch die Landwehre geprägt wurden, sind heute noch auffindbar und mit heutigen Straßenführungen identisch.
In den Nachfolgenden Beschreibungen werden alle diese Fragen geklärt.

Die „Lambeer Landwehr“

Diese Landwehr (Lambeer ist eine Abwandlung von Landwehr) verläuft von der Höhe des Sternbusches in die Niederung (Karte 2).
Ich erwähne diese Landwehr, weil sie bis zur kommunalen Neugliederung 1969 noch auf Hauer Gebiet lag. Sie erklimmt von Berg und Tal aus über einen Hohlweg die Höhe auf Hau zu und stößt im spitzen Winkel auf die Felix-Roeloffs-Straße (Alte Poststraße) bei Haus Kuckuk, macht dann einen Bogen in nordwestlicher Richtung (westlich vorbei am heutigen Freibad), dann einen Bogen nach Norden und quert die Uedemer Straße. Hier befand sich der Durchlass „den Wolfsboom“, denn die Uedemerstraße war damals schon ein wichtiger Handelsweg. Im 18. Jahrhundert erinnerte noch die Wolfsstraße,die an Haus Bellevue (Conradsburg) vorbei ging, an diesen Durchlass.
Die Landwehr verläuft weiter über die Abbruchkante des Sternenbusches in die Niederung und folgt in östlicher Richtung dem Kermisdahl, um wenig später dem Entwässerungsgraben „Lambeer“ (Bild 1) in nördlicher Richtung auf Kellen / Schmidthausen hin zu folgen. Am Weg von Kellen nach Till, heute Riswicker Straße / Sommer-landstraße gab es den Durchlass „Klapphecken“. Dort gibt es heute noch den Klappheckenhof.

Zu erwähnen ist auch noch ein Abschnitt dieser Landwehr, die auf Bedburg-Hauer Gebiet verläuft. An dem Punkt, wo die Lambeer Landwehr auf die Felix-Roeloffs-Straße (Alte Poststraße) stößt, verläuft parallel zur Poststraße eine Verbindungslandwehr und zwar von der Lambeer Landwehr zur Keppel´schen Landwehr. Die Landwehren treffen an der heutigen Straßenkreuzung Felix-Roeloffs-Straße / Schmelenheide aufeinander.
In der „Sehemsche Karte“ (um 1650), findet man die Bezeichnung „Die Landt Wehr“ im Bereich des Sternbusches. In derselben Karte befindet sich auch ein Hinweis auf einen Durchlass, den sogenannten „Den Wolfs Bohm“ bei der Querung der Uedemer Straße (Karte 3).
Reste der Landwehr sind im Sternbusch noch vorhanden (Bild 2).

Die „Keppel´sche Landwehr“

Eine der bedeutungsvollsten Landwehre war die „Keppel´sche Landwehr“ (Karte 4). Bedeutungsvoll bis in unsere Zeit, denn ein Durchlass der Landwehr ist der Namensgeber für die Ortschaft Schneppenbaum und in weiten Teilen stellt die Landwehr die Gemeindegrenze zu Goch dar.
Die Keppel´sche Landwehr, auch „Die große Landwehr“ genannt, verläuft von unterhalb des Papenbergs an der Wetering über Keppeln bis nach Kalbeck. Sie kreuzte damals wichtige Handelswege, zum Beispiel: Kleve – Bedburg - Kalkar, Goch - Hasselt – Emmerich und Goch- Keppeln – Kalkar. Am Ausgangspunkt der Landwehr stand an der Wetering zur Sicherung ein Bergfried „op de Poll“ und wenige Meter Richtung Süden (heute Kreuzung Uedemer Straße / Hauer Straße) befand sich der Durchlass „Tönisboom“ 1 auch „an gen Bohm“ genannt (Bild 3). Der Tönisboom wurde benannt nach dem Hl. Antonius, dem Patron der Kirche auf dem Hau. Nach Süden hin verläuft die Landwehr exakt auf der heutigen Trasse der Schmelenheide und Peter-Eich-Straße. Dort, wo heute die Alte Landstraße in die Peter-Eich-Straße mündet, gab es einen Aussichtshügel, den sogenannten „ Kieckhövel “.

Der „Kieckhövel“ war ein Hügel, der in unregelmäßigen Abständen längs der Landwehr -meistens im Bereich eines Durchlasses- aus Erde aufgeschüttet wurde. Von diesen Hügeln konnte man weit ins Vorland schauen. Vielleicht wurden auch von einem zum anderen Hügel Nachrichten mittels Zeichen (Fackeln) übermittelt. Auf dem Gemeindegebiet sind vier Hügel bekannt. Zu dem zuvor erwähnten Kieckhövel kommen noch die Aussichtshügel beim Durchlass „am Bäum“, am „Sneppenboom“ und „Liersbaum“ hinzu. Die Kieckhövel gibt es mit einer Ausnahme nicht mehr. Einen Kieckhövel findet man noch rund 1000 Meter südwestlich vom Sneppenboom im Tannenbusch (Bild 4).

Die Landwehr folgt dann der heutigen Saalstraße und biegt auf Höhe der Reidelstraße (Saalhof) in südöstlicher Richtung ab. Damals nannte sich die Stelle „an gen Sael“ und „ten Wiendael“ („ an gen Sael“ = Saalstraße, „ten Wiendael“ = Weintalstraße / Karte 5).
Von der Saalstraße verläuft die heutige Gemeindegrenze zu Goch auf der Trasse der Landwehr. In rund 800 Metern Entfernung von der Stelle „ an gen Sael“ gab es
einen Durchlass namens „am Bäum“. Bei diesem Durchlass sich ebenfalls ein Kiekhövel , und zwar die „Hohe Wart“ befand. Heute gibt es dort noch die Hofstellen „Klein und Groß Hövel“ sowie auch eine Flurbezeichnung „Am Bäum“.
Zirka 250 Meter von der nordöstlichen Ecke des Tannenbusches entfernt querte die Landwehr die heutige Lerchenstraße. Damals war diese Straße ein wichtiger Handelsweg von Goch über Rosendal / Hasselt nach Emmerich. Auch hier gab es einen Kiekhövel . Dieser Durchlass, der „Sneppenboom“ (Bild 5), wurde nach dem ansässigen Bauern, Derik Sneppe 2 benannt, der zu Beginn des 15. Jahrhunderts dort wohnte. In Abwandlung von Sneppenboom entstand so der Ortsname Schneppenbaum. Weiteres dazu siehe unter Schneppenbaum.
In der Preußischen Kartenaufnahme (Uraufnahme) von 1843 ist der Landwehrverlauf im Bereich des Sneppenbooms bereits mit „Gem: Schneppenbaum“ bezeichnet.
Ungefähr 1000 Meter, dem Sneppenboom vorgelagert im heutigen Tannenbusch, lag, bessergesagt liegt noch, ein sogenanntes „Schänzchen“ und in unmittelbarer Nachbarschaft ein Kieckhövel. Dieses Schänzchen bestand aus einem Erdringwall. Innerhalb des Ringwalls wurde die Erde soweit ausgehoben, dass man so eben über den Wall schauen konnte. Das „Speppenboomer Schänzchen“ ist noch im Tannenbusch auffindbar. Es hat einen Durchmesser von rund 18 Metern, die Wallbreite beträgt bis zu 2,5 Metern und die Wallhöhe bis zu 0,8 Meter. Im Innenraum sammelt sich zeitweise Wasser an (Bild 6).
Vom Sneppenboom aus auf einer Länge von rund 4 Kilometern bis zur Bundesstraße 67 Kalkar/Goch folgt nun die Gemeindegrenze weiterhin dem Verlauf der Landwehr. Ein weiterer bekannter Durchlass war der „Liersbaum“. Hier wurde der Weg von Kalkar nach Goch / Gennep kontrolliert. Auch hier gab es einen Kieckhövel. Die Hofstätte „Berkhöfel“ erinnert noch daran.
Auf der weiteren Trasse findet man heute noch vier Abschnitte der Landwehr in einer Gesamtlänge von rund 900 Metern (Bild 7). Auf der Gocher Gemeindeseite, an der B 67, gibt es die Flurbezeichnung „Landwehr“. Und Richtung Uedem/Keppeln weisen noch die Flur-, Hof- und Straßennamen, wie „Halvenboom“, Klappekaulshof , Klappekuhlstraße und ein Weg namens Landwehr auf den Verlauf der Landwehr hin.

Die „Rosendaler Landwehr“

Hierbei handelt es sich um eine „doppelte“ Landwehr (Karte 6), und sie ist nicht von minderer Bedeutung als die zuvor beschriebene Keppel´sche Landwehr. Auch die Rosendaler Landwehr, so wie die Keppel´sche Landwehr,quert den Handelsweg von Goch über Hasselt nach Emmerich, jedoch liegt sie nur etwas weiter nördlicher. Ihr Ausgangspunkt ist ebenfalls der Papenberg und ihre Trasse bis Moyland ist fast identisch mit dem heutigen Voltaire Weg. Im Rosendaler Wald verläuft der Voltaire-Weg zu einem Teil auf dem mittleren Wall dieser Landwehr (Bild 8).
Am Anfang der Landwehr, am Papenberg/Wetering, stand der schon erwähnte Bergfried. Etwas weiter östlich, dort, wo der Weg von Bedburg nach Qualburg ge-kreuzt wird (heute Waldmannspfad), befand sich ein Schänzchen. Der Name des Durchlasses ist nicht be-kannt. Der nächste Durchlass war der „Veenbaum“, der den Weg von Bedburg nach Hasselt bewachte.
Bei Haus Rosendal war der „Rosendaler Durchlass“ (Bild 9). Dieser Durchlass, der „Rosendaler-Boom“, wurde ab 1433 durch einen Fachwerkturm und, ab 1477, durch einen steinernen Bergfried gesichert. Aus diesem Bergfried entwickelte sich das Haus Rosendal. 3
Auch die Gaststätte Schwanenhof 4, in unmittelbarer Nähe von Haus Rosendal und dem „Rosendaler-Boom“, hat ihren Namen von diesem Durchlass. Der Name „Schwan“ stammt von der Art des Durchlasses, der wohl einem Schwanenhals geähnelt haben muss oder schmal wie ein Schwanenhals war.
In Hasselt gab es den „Swaense-Kamp“, heute Schwanenkamp.

Von Haus Rosendahl aus verläuft die Landwehr unterhalb der eiszeitlichen Endmoräne (Voltaire-Weg) auf Moyland zu. Nach 1000 Metern findet man einen Abzweig gen Süden (siehe dazu: Abzweig von der Rosendaler Landwehr). In Moyland, an der Moyländer Allee (Bild 10), befand sich ebenfalls ein Durchlass, der „Moyländer Boom“5, auch „Schwan“ genannt. Auch hier scheint die Art des Durchlasses Pate für den Namen gestanden zu haben. Es gab dort auch bis um 1800 eine Gaststätte namens „Schwan“. Aus den Moyländischen Kirchenbüchern geht hervor, dass der Schmied „Büsse“ Anfang des 18. Jahrhunderts am „Moyländischen Schwan“ wohnte. Noch heute gibt es dort die Flurbezeichnung „Schwanen“.
Weiter verläuft die Landwehr am Fuße der Endmoräne gen Osten. Auf der Höhe der Hofstelle „Langenhorst“ biegt die Landwehr nach Norden ab, auf Langenhorst zu, um nach etwas mehr als 100 Metern wieder nach Osten abzubiegen, dem Möyländer Graben zu folgen. Auf diesen knapp 100 Metern verlief bis ins 19. Jahrhundert eine Straße, die von der Alten Bahn an Langenhorst und Winterberg Hof vorbei, nach Till führte (siehe dazu Karte 7). Auf dem Bild 11 ist dieser Abschnitt der gut erhaltenen Doppelten Landwehr zu sehen.
Etwas weiter auf Kalkar zu, an der heutigen Berk´schen Straße, war der Durchlass „Roosenboom“ (Bild 12). Etwas südlich von dieser Stelle gibt es heute noch eine Hofstelle namens „Roosenbooms Hof“.

Hier taucht zum zweiten Mal der Name „Rosen“ auf. Sowohl bei Haus Rosendal als auch beim Roosenbooms Hof rührt der Name „Rosen“/„Roosen“ von den Römern her. Die Römer hatten auf der Höhe der eiszeitlichen Endmoräne ihre Begräbnisstätten, und diese wurden bevorzugt mit Rosen bepflanzt. Auch nachdem die Römer das Land verlassen hatten, wuchsen dort noch jahrhundertelang Rosen. Beim Roosenbooms Hof haben wir also zwei Na-mensgeber: Die Römer und der Boom vom Landwehrdurchlass.

Vom Roosenboom verläuft die Landwehr weiter auf Kalkar zu. Etwas östlich der Berk´schen Straße gibt es die Flurbezeichnung „An der Landwehr“. Auch hier sind noch gut erhaltene Teile zu sehen, die auch als Kulturdenkmal eingetragen sind. An diesem Punkt verlässt die Moyländer Landwehr das Gebiet von Bedburg-Hau und verläuft weiter unterhalb des Beginnenberg Richtung Kalkar zum Monterberg.

„Abzweig“ von der Rosendaler Landwehr – eine „Verbindungslandwehr“

Eine der bestens erhaltenen Landwehren findet man im Moyländer-Wald (Karte 8). Es ist ein Abzweig von der Rosendaler-Landwehr. Sie zweigt in einem Winkel von 69 Grad von der Rosendaler-Landwehr ab, durchtrennt den heutigen Golfplatz im Moyländer-Wald und verläuft auf einer Länge von 900 Metern von Nord nach Süd. Die Breite ist gewaltig: An der Basis beträgt sie 22 Meter, und die maximale Höhe – gerechnet von der Basis des Grabens beträgt 2,5 Meter (Bild 13). Sie besteht aus drei Wällen und zwei Gräben. Der mittlere Wall hat eine Breite von 10 Metern und ist abgeflacht. Begibt man sich auf den mittleren Wall, so gewinnt man den Eindruck, als befände man sich auf einer Allee, die links und rechts von Gräben flankiert wird. Wenn man bedenkt, dass im Laufe der Zeit einiges an Bodenerosion stattgefunden hat und nicht mehr die ursprünglichen Ausmaße vorhanden sind, so kann man sich vorstellen, welch gewaltigen Eindruck die Anlage zur Entstehungszeit gemacht haben muss. Die Landwehr ist als Kulturdenkmal eingetragen. Leider wurde beim Anlegen des Golfplatzes die Landwehr durch einen Weg durchschnitten.

Wozu diente dieser Abzweig von der Rosendaler Landwehr? War sie vielleicht tatsächlich ein breiter Weg, eine Straße ähnlich einer Allee? Die Antwort ist eindeutig: Ja, und damit ein Schwenk zurück zur Keppel´schen Landwehr. Am Sneppenboom mündete der Weg von Hasselt über den Rosendaler Boom zum Schneppenboom, heute die Mühlenstraße und ein kleines Stück vom Lerchenweg. Dieser Lerchenweg fängt genau dort an, wo der Abzweig an der Alten Bahn endet. Es gab also eine Verbindung, einen Weg, von der Abzweigung angefangen, auf der Landwehr, bis zum Sneppenboom. Aus der Preußischen Kartenaufnahme (Uraufnahme) von 1843 (Karte 9) kann man dann auch noch erkennen, dass es damals einen Weg, eine Straße, gab, die von der Landstraße Kleve – Kalkar (heute B 57) zur Landwehr führte, auf ihr weiter verlief bis zum Lerchenweg, und der kommt am Sneppenboom aus. Am Lerchenweg gibt es heute noch die Flurbezeichnung „Schwansche Kamp“, und ein wenig davon entfernt die Hofbezeichnung „Schwanenhof“ und „Böhmkeskath“. Dies sind eindeutige Hinweise auf eine „Verbindungslandwehr“ zwischen der Rosendaler- und Keppel´schen Landwehr, die auch als Weg genutzt wurde.
Nördlich der B 57 setzte sich der Weg fort über die heutige Bienenstraße (die alte „bey Straße“) auf Haus Ossenbroek zu. Das Haus, die Burg Ossenbroek, stammt aus dem 13ten Jahrhundert. Ursprünglich wird die Burg nur aus Gräben und Wällen mit einem Fachwerkturm bestanden haben. Der Turm diente zur Sicherung des Weges.

Die „Wetering“ als Landwehr?

Ob nun die Wetering (Karte 10) als Landwehr genutzt wurde, ist nicht eindeutig geklärt. Es gibt jedoch Hinwei-se. Die Wetering, ein Hauptentwässerungsgraben, führt das Wasser aus den in der Niederung gelegen „Brüchen“ ab (Bild 14). Im 13. Jahrhundert wurde durch Holländer die feuchte Niederung „Bruch“ trockengelegt, so auch das „Tiller“,- „Moyländer“- und „ Berk´sche Bruch“. Daran erinnert noch der Hof „Holländerkath“ an der Moyländer Allee.
Die Wetering verläuft von unterhalb des Beginnenbergs (Kalkar) an Haus Horst vorbei, durchquert das Golf-platzgelände in Moyland, nördlich an Hasselt und Qualburg vorbei, um dann am Klever Ring in den Kermisdahl überzugehen.
Es gibt einige Hinweise, dass die Wetering auch als Landwehr genutzt wurde. Die Flurbezeichnung „An der Landwehr“ südlich von Till, direkt an der Wetering und „Schwansche Weide“, nördlich von Hasselt (Grüne Straße), auch direkt an der Wetering, weisen darauf hin.
Sollte die Wetering auf ihrer gesamten Länge als Landwehr genutzt worden sein, so muss sie im Osten, unterhalb des Beginnenberg (Kalkar, Kaserne), auf die „Rosendaler-Landwehr“ gestoßen sein. Und genau so ist es auch. Unterhalb des Beginnenberg`s hat die Wetering, wie auch der „Moyländer Graben“, ihren Ursprung. Der Moyländer Graben begleitet auf einem längeren Abschnitt die Landwehr und im weiteren Verlauf stößt die Landwehr auf die Wetering am „Gocher Feld“. Im Westen, unterhalb des Papenbergs, ist es ganz eindeutig, die „Wetering Landwehr“ stößt dort auf die Rosendaler Landwehr. Am Vereinigungspunkt stand der Bergfried.
Auch Josef Jörissen schreibt in der Chronik der Gemeinde Bedburg-Hau zur Lokalisation der Bauernschaft Berk: „Die Grenze der Bauernschaft Berk war im Norden der Entenhorst, ..., im Osten die Landwehr, im Süden die Grenze gegen Altkalkar und im Westen der Rand des Höhenzuges.“ 6 Dazu liefert Jörissen eine Karte auf der die Wetering im Nordosten mit Landwehr bezeichnet wird und im Südwesten die Rosendaler Landwehr zu finden ist.
Ein weiterer Hinweis, dass die Wetering als Landwehr diente ist die "Schwansche Weide", sie liegt zwischen der Wetering und der Grüne Straße.

Die „Duiffelse Landwehr“

Die „Duiffelse Landwehr“ von Kleve nach Goch (Karte 11) verläuft entlang der Waldstraße (Bild 15) von West nach Ost und biegt dann gegen Süden ab, um auf den als „Jakobsweg“ (Bild 16) gekennzeichneten Weg (zur Waldstraße) in Richtung Goch zu folgen.
Auf der „Senhemschen Karte“ (um 1650) wurde die Waldstraße mit „Duiffelse Straat nat den Houws Bohm“ bezeichnet (Karte 12). Diese „Straße“ ging weiter südlich an Materborn vorbei, und hier gab es den Durchlass „Mottenboem“ (Mottenboem = Materborn). Weiter nordwestlich folgt dann noch der Durchlass „Kruisbohm“.
Durch diese Landwehr wurde der Handelsweg von Kleve und Bedburg nach Goch und Asperden kontrolliert. Der Weg verlief an Hau („op gen Houwe“ = Dechantshof) vorbei, über die heutige Antoniterstraße, Apostelweg, Dr. Franken Straße Richtung Süden. Der Durchlass, der „Hau´sche Boom“, „Houws Bohm“, war im Bereich Waldstraße, Apostelweg, Dr. Franken Straße.
Den Namen „Duiffelse Landwehr“ habe ich mir der Senhemschen Karte, der Straßenbezeichnung entliehen, da ich keine andere Bezeichnung gefunden habe.

Wege und Durchlässe

In der Karte 13 sind die Wege und Durchlässe verzeichnet. Man kann sehr gut erkennen, dass das Wegenetz im 15. Jahrhundert fast in allen Bereichen mit dem heutigen Straßennetz identisch ist. So wurde zum Beispiel aus dem Verbindungsweg vom Rosendahler -Boom zum Sneppenboom die heutige Mühlenstraße. Auch die heu-tigen Verkehrsknotenpunkte sind dieselben wie vor 600 Jahren. Bedburg war damals ein Hauptverkehrsknotenpunkt, der „Pünt“ (ad punctum Bedeburgiensis). Der „Pünt“ lag direkt gegenüber der „Alten Post“ an der Uedemer Straße.
Heute ist Schneppenbaum (Bedburg) mit dem Gemeindezentrum immer noch ein Verkehrsknotenpunkt. Da drängt sich die Frage auf: Gab es damals auch schon die Verkehrsprobleme wie wir sie heute haben?

Nachbetrachtung:

Voltaire-Weg
Wer glaubt denn, dass der frz. Philosoph Voltaire, der sich 1740 mit dem König von Preußen, Friedrich II. auf Schloss Moyland traf, tatsächlich diesen Weg (von Schloss Moyland nach Kleve) benutzte? Belege dafür, gibt es nicht. Da dieser Weg mit dem Verlauf der Rosendaler Landwehr zu großen Teilen identisch ist, sogar darauf verläuft, sollte bei der Beschilderung bzw. auf den Infotafeln sowie in den Broschüren des Voltaire -Weges auch der Hinweis auf die Rosendaler Landwehr nicht fehlen.

Verbindungslandwehr
Die als Kulturdenkmal eingetragene Landwehr wurde beim Anlegen des Golfplatzes durch einen Weg für den Golfplatzbetrieb durchschnitten. Es könnte eigentlich erwartet werden, dass am Durchschnitt eine Infotafel aufgestellt wird, so dass sowohl die Golfer wie auch die Wanderer auf dieses Kulturdenkmal hingewiesen werden.

Schneppenbaum
Josef Jörissen „Chronik der Gemeinde Bedburg-Hau“ 1990, zitiert den Badearzt Johann Heinrich Schütte: „Die Bauerschaft Schneppenbaum im Kirchspiel Qualburg, Amts Cleverham, ist vor wenigen Jahren aus Heide-Land zu einem brauchbaren Lande gemacht. Die Urheber und ersten Bewohner derselben sind Peter Schnep und Jan Boom gewesen, von welchen beiden diese Bauernschaft ihren Namen empfangen hat.“
Josef Jörrissen widerlegt jedoch die Angaben von Johann Heinrich Schütte in der „Chronik der Gemeinde Bedburg-Hau“ auf Seite 51 wie folgt: „An der Nordostecke des heutigen Tannenbusches sicherte ein Schlagbaum als Bestandteil der Keppelschen Landwehr die Straße nach Uedem. Dieser Schlagbaum wurde nach dem Bauer Derik Sneppe, der hier zu Beginn des 15. Jahrhunderts wohnte, Sneppenboom genannt. Später wurde dieser Name auf die Gemeinde Schneppenbaum übertragen.“
Auch im Geschichtsbrief Bedburg-Hau Ausgabe 2008 Nr. 3, (Seite 16, 17, 18), Herausgeber der Geschichtsverein Bedburg-Hau e.V., wird die Auffassung vertreten, dass der Namensgeber für die Ortschaft Schneppenbaum jener Derik Sneppe war und auch ausführlich begründet.
Und aus dem Geschichtsbrief des Geschichtsvereins Bedburg-Hau ist folgendes zu entnehmen:
„Sloet, der 1879 ein wichtiges Buch über das freiweltli-che Damenstift Bedbur herausgegeben hat, berichtet nicht nur von der Vorgeschichte, als das Stift noch ein Kloster der Prämontratenserinnen war, sondern führt auch 165 Urkunden und Briefe an, deren Inhalt er als Regest referiert und oft auch wörtlich zitiert. In diesem Urkundenanhang findet sich auch ein Schreiben der Dekanin Gerit (sic!) van Genth vom 3.7.1524 (Nr. 155), die dem Klever Herzog berichtet, dass sich ein Wilhelm van Eijl mit seinen Mitstreitern zwei oder drei Tage im Land von Kleve herumgetrieben habe und sich mit einer Ver-wandten, der des Klosters verwiesenen Schwester Catherijn van Eijll am Abend des 2. Juli 1524 an gen Snippenboem getroffen habe. Auch in Rechnungen des Kapitels der Klever Stiftskirche finden sich auch Hinwei-se auf den Namen „Schneppenbaum“: Am 10. Juni 1561 begaben sich drei Beauftragte des Stiftes aengen Sneppenboem, um mit den Pächtern zu unterhandeln (vgl. UR Kl-Mo Nr. 3452, Position 43). Am 30. August 1574 wurde ein Streit zwischen den Houwschen und Sneppenboemschen Zehntpflichtigen geschlichtet (vgl. UR Kl-Mo Nr. 3603, Position 36). Weitere Quellen lassen sich ohne Schwierigkeit anfügen. So zogen Dechant und Kapitel des Klever Stiftes am 13. März 1650 ihre Lände-reien ahn Sneppenbaum wieder an sich (vgl. UR Kl-Mo Nr. 4081). Im 18. Jahrhundert werden sowohl eine kaatstatt am Sneppenbaum (1712, vgl. UR Kl-Mo Nr. 4449) bzw. eine Kate zu Schneppenbaum (1748, vgl. UR Kl-Mo Nr. 4720) als auch eine Baurschaft Schneppen-baum (1712, vgl. UR Kl-Mo Nr. 4449) genannt. 1788 ist von der Verpachtung des Zehnten im Sneppenboomschen Felde die Rede (vgl. UR Kl-Mo Nr. 4917). Die Sneppenboomschen Zehnten wurden 1789 neu verpachtet, u.a. das Gut des Herrn Richter Schmitz und der Limersche hoff an Sanders für 35 Reichstaler, die Höfe des Peter Hövel und des Evert Pick an Wilhelm Sack für 34 Reichstaler und der Bömgeshoff an Anton Lamers für 43 Reichstaler (vgl. UR Kl-Mo Nr. 4946). Die angeführten Quellenbelege, die sich ohne Schwierigkeit noch zahlreich vermehren ließen, lassen nur den Schluss zu, dass es sich ursprünglich beim Schneppen baum um einen Durchlass der Klevischen Landwehr gehandelt hat, der schon im 18. Jahrhundert für die dabei liegende Bauernschaft namengebend geworden ist.“
Dazu noch der Literaturhinweis: "Gorissen, Friedrich (Bearb.): Urkunden und Regesten des Stiftes Monterberg-Kleve. Bd. 1–2, Kleve 1989–90.
Jörissen, Josef: Chronik der Gemeinde Bedburg-Hau. Bedburg-Hau 1990.
Sloet, L. A. J. W.: Het hoogadelijk vrij wereldlijk stift te Bedbur bij Kleef en zijne juffers. Amsterdam 1879."

Quellenangabe:
° Die Karten 1, 2, 4, 6, 8, 10, 11, 13 und Übersichtskarte letzte Seite wurden auf der Grundlage von:
(c) OpenStreetMap Mitwirkende, CC-BY-SA
http://www.openstreetmap.org/
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/
erstellt.

° Karte 3 und 10 Senhemsche-Karte Kopie-Ausschnitt Stadtarchiv Kleve

° Karte 5 Niederrheinschr Städteatlas Seite 30 Friedrich Gorissen
° Karte 7 und 9 Preußischen Kartenaufnahme (Uraufnahme) von 1843

° Alle Bilder Günter van Meegen

(1) Tönisbaum : Josef Jörissen, Chronik der Gemeinde Bedburg-Hau, Seite 50
(2) Derik Sneppe: Geschichtsbrief Bedburg-Hau 2008 Nr. 3, Seite 16
(3)Rosendal: Geschichte des Hauses Rosendal; Bernhard von der Mosel 1981
(4) Schwanenhof: Günter van Meegen, www.lokalkompass.de
(5) Moyländ´sche Boom: Josef Jörissen, Chronik der Gemeinde Bedburg-Hau, Seite 113/114.
(6) Bauernschaft Berk: Josef Jörissen, Chronik der Ge-meinde Bedburg-Hau, Seite 394/395

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