Nackt in Nimwegen

Kokoschka. Der Maler des erwähnten Bildes ist leider unbekannt.
  • Kokoschka. Der Maler des erwähnten Bildes ist leider unbekannt.
  • hochgeladen von Jan Kellendonk

Vor hundert Jahren war die alte Stadt Nimwegen kurz im Aufruhr wegen einer Kunstausstellung in „de Waag“, am Großen Markt. Was war geschehen? Die Organisatoren einer Ausstellung hatten vor der Eröffnung einen Akt aus dem öffentlichen Teil entfernt und in einem nicht öffentlichen Saal aufgehängt, zugänglich nur für Mitglieder des Vereins. Darüber erboste sich der Kunstmaler Leo Niehorster, Kunstkritiker der "Provinciale Geldersche en Nijmeegsche Courant". Das Werk sei keineswegs schlüpfrig gewesen, schrieb er, der Maler habe nur mit Bewunderung sein Model angeschaut, das Werk sei rein, makellos gewesen, gehöre zum Besten des Malers und habe schon am ersten Tag eine Käuferin gefunden. Er, Leo Niehorster, wüßte schon dass es Kunst gäbe die die nicht erhebt sondern erniedrigt, aber das sei hier nicht der Fall gewesen. Ja, das Werk in einem in einem separaten Saal aufzuhängen, nicht zugänglich für das allgemeine Publikum, mache es erst zu einer schlüpfrigen Sache. Er hoffe ernsthaft, dass nächstes Mal Spießbürgerlichkeit nicht siegen werde. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. In der konkurrierenden Zeitung „de Gelderlander“ wird das Anliegen Niehorsters lächerlich gemacht. Das Gemälde sei aus gewissen „Großstadt-Kreisen“ und völlig ungeeignet für "Kunstliebende, die mit ihren Damen und heranwachsenden Kindern an Sonn- und Festtagen Ausstellungen in „de Waag“ zu besuchen pflegen. Das solle jeder begreifen, der Gefühl für Anstand habe und nicht völlig abgestumpft sei".
Dank der Dienste des "digitalen Studiezaal" in Nimwegen kann jedermann dieser Auseinandersetzung, die sich über 5 Tage ausstreckt, folgen.
Bemerkenswert für uns heute: Es gab damals einen Kreis von Kunstliebenden die Ausstellungen zu besuchen pflegte und eine Tageszeitung die einen Maler als Kunstkritiker beschäftigte, und ihm viel Platz einräumte. Und es gab einen Maler der es für einen Mitbruder aufnahm, der sein bestes Werk nicht öffentlich ausstellen durfte. Wäre heute auch noch wünschenswert, oder?

Autor:

Jan Kellendonk aus Bedburg-Hau

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