Kreisjägerschaft Unna verfügt seit einem Jahr über eine eigene Schweißhundstation
Weitaus mehr als ein Ehrenamt

Nur als Team einsatzfähig, Michael Garbe & Mora.  Foto: Jörg Prochnow
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  • Nur als Team einsatzfähig, Michael Garbe & Mora. Foto: Jörg Prochnow
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Aufgeregt schaut Mora immer wieder zu ihrem Hundeführer Michael Garbe hinauf wartet auf das Kommando, endlich zu arbeiten zu dürfen. „Mora vom Wildenfels“ ist eine 4-jährige Bayerische Gebirgsschweißhündin und der erste offizielle Schweißhund im Kreis Unna.

Um die Arbeit eines solchen Hundes vorzuführen, treffen wir uns in einem Jagdrevier in der Nähe von Selm. Nachdem Mora das Suchgeschirr, Halsband und ein GPS-Sender angelegt wurde, beginnt sie auch schon fast selbstständig das Gelände im Wald ab zu suchen, in diesem Fall natürlich ohne Erfolg. Schweißhunde sind Spezialisten unter den Jagdhunden und werden eingesetzt, angeschossene oder auch durch Verkehrsunfälle verletzte Wildtiere zu suchen, um sie anschließend von ihren Leiden zu erlösen. Nicht jeder Jagdhund, der zur Nachsuche eingesetzt wird, ist anerkannter Schweißhund-dafür bedarf es schon etwas mehr. In Nordrhein-Westfalen gibt es zurzeit 46 anerkannte „Nachsuche-Gespanne“ wie man die Teams aus Mensch und Hund in der Jägersprache nennt.

Michael Garbe:  "Man muss seinen Hund lesen können."

Gefördert werden sie aus Mitteln der Jagdabgabe vom Ministerium für Umweltschutz, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz (MULNV) des Landes NRW. „Das deckt natürlich bei weitem nicht den Aufwand, den die Hundeführer betreiben,“ erklärt Michael Garbe (43), der seit 1999 Jäger ist. In der Zeit, in der er Mora ausgebildet hat, reiste er durch ganz Deutschland, um in verschiedenen Revierarten zu üben. „Mora sollte alle Strukturen und Wildarten kennen lernen,“ erzählt er. Heute sucht Mora alle Wildarten und war fast 300 mal im Einsatz, allein 70 mal im letzten Jahr. Michael Garbe: „Da längst nicht alle Suchen mit Erfolg enden, sollte der Hund mindestens 120 mal im Jahr zum Einsatz kommen, den nur mit Erfolg erhöht sich seine Leistung."
Bei der Nachsuche nach „krankem“ Wild, so die Jägersprache, orientiert sich der Hund an Blutspuren und  Bodenverletzungen. Das bedeutet, der Hund riecht die Stellen im Boden, über die das verletzte Wild geflüchtet ist. Wichtig hierbei ist die Stelle, an welcher der Hund angesetzt wird. Oft verraten Blut, Haare oder Knochensplitter, wo das Tier angeschossen oder angefahren wurde. In der Jägersprache spricht man hier von so genannten Pirschzeichen. Um diese zu erkennen, gibt es hierfür so genannte „Anschussseminare“. Schweiß bedeutet in der Jägersprache übrigens Blut. Die Nachsuchen können mehrere Kilometer lang sein, enden aber in den meisten Fällen unter einem Kilometer. Trotzdem müssen die Teams hierfür schon körperlich fit sein. „Die Suchen beginnen in der Regel bei Sonnenaufgang“, erklär Garbe. So eine Nachsuche birgt unter Umständen aber auch Gefahren für den Hund. Am Ende der Suche wird der Hund „geschnallt“, was bedeutet, dass er von der Leine gelassen wird, um zu hetzen bzw. das Wild am Ende zu stellen. Schwarzwild kann sehr wehrhaft sein und den Hund angreifen, auch der Fangschuss oder der Straßenverkehr können den Hund gefährden. Was für den Außenstehenden brutal klingen mag, ist allerdings praktizierter Tierschutz. Viele Wildtiere würden unter Schmerzen verenden, wenn sie nicht durch Schweißhunde gefunden würden.  „Eine Drückjagd ohne Nachsuchegespanne geht eigentlich gar nicht“, meint Michael Garbe. Und diese Drückjagden werden immer notwendiger, um die Zahl der Wildscheine zu verringern – die übrigens sogar im Beverseegebiet immer mehr Schäden anrichten. Im Übrigen steht laut dem Jagdgesetz dem anerkannten Schweißhundführer mehr Rechte zu. Bei der Nachsuche darf er Reviergrenzen mit der Waffe überschreiten, wenn es der erforderlich ist. 

Die Kreisjägerschaften Hamm und Unna unterstützten den Aufbau der Schweißhundestation

Offiziell eingesetzt wird Mora seit Anfang September 2017 mit dem Bestehen der Vorprüfung.
Vorher trainierte Michael Garbe einmal in der Woche in verschiedenen Revieren.
„Mehr nicht, denn der Hund braucht auch in der Ausbildung seine Pausen.“ Obwohl das Gespann mittlerweile über Praxiserfahrung verfügt, möchte sich Garbe keineswegs als Profi bezeichnen. „Das Lernen hört nie auf “, meint er zu diesem Thema. Auch wenn es für einen Jäger durchaus ein Privileg sein dürfte, eine offiziell anerkannte Schweißhundestation zu betreiben, sind daran aber schon einige Voraussetzungen geknüpft. Man muss rund um die Uhr telefonisch erreichbar sein und zukünftig zwei geprüfte Hunde vorhalten-so will es der Gesetzgeber. Aus diesem Grund wird sich Garbe in ein oder zwei Jahren einen zweiten Hund zulegen. Es wird natürlich wieder ein Bayerischer Gebirgsschweißhund werden wie Mora. Aber auch im privaten Bereich kann es zu Einschränkungen kommen. "Werden wir angefordert, kann eine Familienfeier durchaus schon mal ausfallen." 
Da kommt es Garbe durchaus gelegen, dass seine Ehefrau Yvonne selbst Jägerin ist und auch einen eigenen Hund führt. Garbe ist zwar für die Kreisjägerschaft Unna gelistet, doch sein Einsatzgebiet 
umfasst einen Radius von bis zu 50 Kilometern um seinen Wohnort herum, was unter Umständen eine längere  Anfahrt bedeuten kann. 

Michael Garbe ist rund um die Uhr unter der Mobilfunkrufnummer 0170/ 4464913 zu erreichen.

Autor:

Jörg Prochnow aus Kamen

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