Open Air Hot Summer Day
Das Ruhrwiesen-Festival in Bochum (1974)

Ruhrwiesenfestival in Bochum 1974: Publikum. Foto: Ulli Engelbrecht
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Uns hingen damals vor lauter Aufregung die Zungen aus dem Hals, als einer aus unserer Clique das grüne A4-Plakat, das irgendwann während des Chemieunterricht von Tisch zu Tisch weitergereicht wurde, nochmals hochhielt. „Open Air Hot Summer Day“ stand darauf, und das Datum, Samstag, 27. Juli 1974, und die Namen der Bands: Savoy Brown, Thin Lizzy, UFO, Earth & Fire, Grobschnitt, Livin` Blues, Electric Mud und als Special Guest Hardin & York! Klasse!

In den Tourplänen der berühmten Rockbands spielte Bochum in den 1970er-Jahren keine Rolle. Es gab zwar die Ruhrlandhalle am Stadion, aber Rockkonzerte fanden außer einem frühen und meiner Erinnerung nach sehr schlechtem Konzert von Udo Lindenberg und seinem Panikorchester, das zu der Zeit überwiegend aus Musikern des James-Last-Orchesters bestand, dort nie statt. Nur Sportveranstaltungen, Karnevalssitzungen, Messen oder Fernsehshows wie „Am laufenden Band“ oder „Musik ist Trumpf“. Zwar luden sich Rudi Carell und Peter Frankenfeld Gäste ein, meist aber waren das nur berühmte Operettensängerinnen oder amerikanische Serienstars wie William Conrad, der als Krimiheld „Cannon“ in jenen Tagen im deutschen Fernsehen sehr erfolgreich war.

Das angekündigte Festival war somit der absolute Hammer. Und wer von diesen Namen nicht elektrisiert wurde, der hatte von guter Rockmusik wirklich keine Ahnung. Schließlich waren das alles berühmte Rockbands, über die man europaweit, ja sogar weltweit sprach, und sie kamen nun alle auf einmal nach Bochum und versprachen ein auf- und anregendes Woodstock-Feeling in den harmlosen Ruhrwiesen unterhalb der Kemnader Brücke, neben dem Leinpfad, der an der Ruhr entlangführt, auf dem man sonst nur zwangsweise Sonntagsspaziergänge mit Eltern und Verwandten unternahm. Beginn: 11.30 Uhr. Eintritt: 5 Mark im Vorverkauf, 10 Mark an der Tageskasse. Es war eine gute Anfangszeit, es war ein erschwinglicher Preis, es war quasi vor der Haustür und bis Mitternacht war man sicherlich wieder zurück – da musste man die Eltern nicht groß um Erlaubnis fragen.

Es war unser erstes Festival, wir wurden musikalisch natürlich bestens bedient und wir lernten an diesem Tag: dass es bei einer Party im Weitmarer Jugendheim heftiger und triebhafter zur Sache geht, als bei einem Rockfestival mit rund 10000 Menschen; dass man sehr viel Geduld haben muss, wenn der Beginn um zwei Stunden verschoben wird und dir während dieser Zeit Patschuli- und Van-Nelle-Tabak-Düfte den Magen umdrehen; dass die einzige Droge, die einen berauscht, Musik heißt; dass man sich nicht ärgern darf, wenn Topbands, wie Savoy Brown und Thin Lizzy, gar nicht anwesend sind; dass man sich ganz schön langweilen kann, wenn als Ersatz eine Band spielt, die man nicht kennt, wie die Edgar-Broughton-Band; dass Licht- und Pyroeffekte an einem sonnendurchwirkten Nachmittag keinerlei Wirkung haben, wie bei Grobschnitt.

Die fototechníschen Möglichkeiten waren damals noch nicht so gut, daher sind`s eher Suchbilder. Aber was zählte, war die Atmosphäre. Es war übrigens das erste und für sehr, sehr lange Zeit auch das einzige Rock-Festival an der Ruhr bei dem du, liebe Leserin, lieber Leser, sicherlich auch dabei warst. Wenn ja, freue ich mich über einen Kommentar...

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