Die Bochumer Band „WalzWerk“ begibt sich auf die Spuren der progressiven Schönheit

Die Bandmitglieder Lutz Fronczek, Markus Lampe-Specht, Jo Wamser, Simone Görtz und Felix Weis (v.l.). | Foto: WalzWerk
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  • Die Bandmitglieder Lutz Fronczek, Markus Lampe-Specht, Jo Wamser, Simone Görtz und Felix Weis (v.l.).
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„Unser Gitarrist Lutz Fronczek arbeitet in einem Walzwerk“; begründet Bassist Jo Wamser, warum seine Band „WalzWerk“ heißt. Das ist aber natürlich nicht der einzige Grund für die Namensgebung der Bochumer Formation.

„Der Name passt gut ins Ruhrgebiet“, fährt Wamser fort, „außerdem steht er für Härte und ehrliche Arbeit und das passt gut zu uns. Wir wollen die gängigen Genres zerstampfen.“ - In der Tat ist die „WalzWerk“-Musik kaum auf einen einfachen Nenner zu bringen: Harte Gitarrenriffs treffen auf jazzige Basslinien; verschobene Rhythmen reiben sich an poppigen Melodien. Dabei komponieren „WalzWerk“ ihre eigenen Songs mit deutschen Texten.
Die ungewöhnliche musikalische Mischung kommt nicht von ungefähr: Bereits 2010 traf der jazz- und soulaffine Jo Wamser den an Rock und Metal interessierten Sänger und Gitarristen Felix Weis. Wamser erzählt: „Ich musste Rock und Metal erst einmal verstehen, um zu erkennen, dass diese Musik durchaus anspruchsvoll ist. Das hat meinen Horizont erweitert.“
Auch Weis hatte zunächst Berührungsängste: „Für mich als Autodidakten war Johannes Wamser ein Profimusiker; das hat mir zunächst Angst gemacht. Gemeinsam Musik zu machen, ist für mich heute aber ein wunderbarer Weg.“

Zunächst als Duo

Wamser und Weis arbeiteten zunächst als Duo, bis Fronczek, der vom Hardrock geprägt ist, als zweiter Gitarrist hinzukam. Erst Ende 2017 stießen der Drummer Markus Lampe-Specht und die Sängerin Simone Görtz hinzu, um das Line-up zu komplettieren. „Ich habe 20 Jahre lang regelmäßig Musik gemacht und dann aus beruflichen Gründen pausiert“, erinnert sich Lampe-Specht, „aber die Musik hat mir sehr gefehlt. Meine Frau hat dann eine Anzeige geschaltet und es haben sich tatsächlich Leute gemeldet, die progressive Musik machen wollen. So bin ich Mitglied von 'WalzWerk' geworden.“
Wer bei Progressive Rock an Bands wie die frühen „Genesis“ oder „Yes“ denkt, wird sich beim Hören der „WalzWerk“-Musik schwertun, das Etikett „Prog“ zu vergeben. Lampe-Specht erläutert, was progressive Musik für ihn bedeutet: „Wir verwenden unterschiedliche Bausteine wie Rock, Metal und Prog und kreuzen sie mit der Verspieltheit des Jazz. Außerdem lösen wir die Songform auf.“

Texte jenseits gängiger Klischees

Felix Weis ist für die Texte verantwortlich. „Wenn man Schlagerklischees vermeiden will, ist Texten harte Arbeit. Mein Vorbild ist Herbert Grönemeyer, dem es immer wieder gelingt, komplexe Lebenssituationen in einfache Sätze zu kleiden“, gibt er Einblick in den kreativen Prozess. In seinem eigenen Text „Sinuston“ sei ihm etwas Ähnliches gelungen. Das Lied dürften Radiohörer aus der Sendung „WDR2 Pop!“ kennen. Nachdem die Band ihr schlicht „WalzWerk“ betiteltes erstes Album im Frühjahr dieses Jahres veröffentlicht hatte, wurde „Sinuston“ den WDR-2-Hörern in der Rubrik „Szene im Westen“ zur Wahl gestellt. „Wir haben mit 70 Prozent der abgegebenen Stimmen sehr deutlich gewonnen“, erinnert sich Felix Weis zufrieden.
Ist „Sinuston“ ein Liebeslied jenseits ausgetretener Pfade, haben „WalzWerk“ auch Songs zu ganz anderen Themen im Repertoire. Da geht es zum Beispiel um den Suizid eines Freundes – oder um die Erkrankung Epilepsie. Der gleichnamige Song war für Felix Weis als Texter schwierig; musikalisch habe sich das Thema relativ leicht umsetzen lassen. Im Ergebnis bilden Text und Komposition jedoch eine überzeugende Einheit.

Agieren auf einem sich verändernden Musikmarkt

Das Debüt-Album ist derzeit angesichts rückläufiger CD-Verkäufe ausschließlich als Download erhältlich. Bei der Band hat in dieser Hinsicht jedoch ein Umdenken eingesetzt: „Unser Publikum besteht mehrheitlich aus Menschen über 40 und die kaufen nach wie vor CDs.“ Auch darüber, eine Auswahl von fünf Songs auf Vinyl zu veröffentlichen, wird nachgedacht.
Dass das alles sehr professionell klingt, hat seinen Grund. „Wir sind Teilzeitprofis“, fasst Wamser das Selbstverständnis der Musiker in Worte. So wurde das Album in London von dem Toningenieur Steve Kitch, auch bekannt als Keyboarder der Band „The Pineapple Thiefs“, gemastert.
Im Alltag gehen die Musiker nichtsdestotrotz ganz anderen Tätigkeiten nach: Lutz Fronczek arbeitet, wie bereits erwähnt, tatsächlich in einem Walzwerk; Markus Lampe-Specht ist Grundschullehrer; Simone Görtz verdient ihren Lebensunterhalt als Schauspielerin und Heilpädagogin; Felix Weis ist Einkäufer in einer großen Firma und Jo Wamser Unternehmer.
Als Live-Band wird man „WalzWerk“ in den nächsten Monaten wohl nicht erleben können, da Markus Lampe-Specht Vaterfreuden entgegensieht. Im Dezember steht ein Auftritt in Witten an und im Mai 2019 einer in Moers. Auch im Bochumer Zeitmaultheater wollen die Musiker wieder auftreten. Dort haben sie im Frühjahr 2018 ihr Album vorgestellt.

Infos
- Viel Wissenswertes gibt es auf www.walzwerk.rocks.

Autor:

Nathalie Memmer aus Bochum

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