„Die Geister, die ich rief“: Junges Ensemble bringt „Frankenstein“ am Rottstr5-Theater auf die Bühne

Die Schauspieler werden in ein schaurig-kaltes Licht gehüllt.
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  • Die Schauspieler werden in ein schaurig-kaltes Licht gehüllt.
  • Foto: Schnorrbusch
  • hochgeladen von Nathalie Memmer

Vor nunmehr 200 Jahren veröffentlichte Mary Shelley ihren Roman „Frankenstein“, dessen Aussage heute aktueller denn je ist: Nicht alles, was machbar ist, ist auch ethisch vertretbar. Das junge Ensemble des Rottstr5-Theaters, young'n'rotten, hat diesen reizvollen Stoff unter der Regie von Remo Philipp für das Theater unter den Gleisen einstudiert.

Von einem Laien-Ensemble mag man bei „young'n'rotten“ nicht sprechen: Zwar handelt es sich noch nicht um ausgebildete Schauspieler, aber vor allem Dyana Krupezki und Lukas Vogelsang sind aufmerksamen Theatergängern aus verschiedenen Produktionen am Schauspielhaus, Prinz Regent Theater und Rottstr5-Theater bekannt. Im Netzwerk „zwanzigfuenfzehn“ sind die beiden ebenfalls aktiv und stehen derzeit in Jean Genets „Die Zofen“ im Haus der Kortumgesellschaft am Stadtpark auf der Bühne. Auch Selina Liebert hat sich schon einen Namen gemacht – etwa durch die Titelrolle in der Lewis-Carroll-Adaption „Alice“ an der Rottstraße.
Gemeinsam mit den ebenso talentierten Nachwuchskräften Nola Friedrich, Nina Karsten und Puah Kriener entfalten die drei die Handlung in einer Mischung aus chorischen und dialogischen Szenen, gehüllt in Nebel und schaurig-kaltes Licht. Dass ihnen dabei die Lust an der satirischen Überspitzung nicht abhanden kommt, gehört zu den Qualitäten der Inszenierung.

Die Geschichte beginnt am Nordpol

Der Trip, auf den das Publikum geschickt wird, beginnt am Nordpol: Viktor Frankenstein, der von Lukas Vogelsang verkörpert wird, während seine Mitstreiterinnen in verschiedene Rollen schlüpfen, jagt am Nordpol das aus der ihm zugedachten Rolle ausgebrochene Geschöpf, das er einst selbst geschaffen hat. Einem Kapitän enthüllt Frankenstein seine erschütternde Geschichte.
Es ist ihm gelungen, ein lebendiges Wesen zu schaffen, vor dem sich die anderen Menschen allerdings fürchten. Die Ablehnung, die das Geschöpf immer wieder erfährt, macht es gewalttätig und rachsüchtig. Unter den Menschen, die Frankenstein nahestehen, schlägt die außer Kontrolle geratene Schöpfung eine Schneise der Gewalt. Frankenstein will diese fatale Entwicklung stoppen: Ein Katz-und-Maus-Spiel kommt in Gang.
Die optisch überwältigende Inszenierung wirft Fragen auf – nicht nur nach der Verantwortung der Naturwissenschaft, sondern auch nach dem Umgang der Gesellschaft mit Außenseitern. Getragen wird sie von einem engagierten Ensemble, dass jedem Vergleich mit professionellen Schauspielern standhalten kann.

Termine
„Frankenstein“ ist am Donnerstag, 1. November, um 19.30 Uhr wieder im Rottstr5-Theater zu sehen.
Eine weitere Vorstellung folgt am Sonntag, 18. November, um 19.30 Uhr.
Karten können unter karten@rottstr.de reserviert werden.

Die Schauspieler werden in ein schaurig-kaltes Licht gehüllt.
Viktor Frankenstein (Lukas Vogelsang) wird die Geister, die er gerufen hat, nicht mehr los.

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