"Die Zofen" im Prinzregenttheater sind ein unwiderstehliches Theatererlebnis

Claire (Johanna Wieking, links) und Solange (Philine Bührer, rechts) sind ihrer Herrin (Nermina Kukic) in Hassliebe verbunden.
  • Claire (Johanna Wieking, links) und Solange (Philine Bührer, rechts) sind ihrer Herrin (Nermina Kukic) in Hassliebe verbunden.
  • Foto: Schuck
  • hochgeladen von Nathalie Memmer

Das Prinzregenttheater bringt als erste Inszenierung der Spielzeit 2017/2018 Jean Genets „Die Zofen“ auf die Bühne – ein subtiles Spiel um Macht und Unterwerfung.

Die Schwestern Claire (Johanna Wieking) und Solange (Philine Bührer) dienen als Zofen bei der gnädigen Frau (Nermina Kukic). Deren Ehemann haben die beiden Dienerinnen ins Gefängnis gebracht, vielleicht um ihn als Verbrecher glorifizieren zu können. Überhaupt bleiben die Motive der beiden jungen Frauen vage; über ihre Vorgeschichte wird so gut wie nichts gesagt. Claire und Solange spielen in Abwesenheit ihrer Herrin ein makabres Spiel um Macht und Unterwerfung, das in den Plan mündet, die gnädige Frau zu ermorden. Als diese in ihr Heim zurückkehrt, endet die Maskerade der Dienerinnen. Der Versuch, die Herrin zu vergiften, scheitert, weil diese erfährt, dass ihr Mann aus der Haft entlassen wird. Somit spielen die Schwestern das tödliche Spiel ohne die Herrin, deren vorgeblich fürsorgliches Verhalten ihre Hassliebe am Leben erhält, zu Ende: Claire lässt sich den vergifteten Tee servieren.

Der Plan der Zofen wendet sich gegen sie selbst

Das Ganze ist zutiefst pessimistisch: Den Zofen gelingt es nicht, sich wirksam gegen ihre Herrin aufzulehnen. Stattdessen kehrt sich ihr Plan gegen sie selbst. Dass die Inszenierung einen unwiderstehlichen Sog entfaltet, liegt an den drei Schauspielerinnen: Johanna Wieking agiert mit überschäumender Energie; Philine Bührer spielt ihren Part mit großer Sensibilität. Nermina Kukic schließlich gibt eine hinreißend überdrehte gnädige Frau.
Deren Narzissmus ist Ausgangspunkt für die Art und Weise, wie Regisseur Frank Weiß den Stoff aus dem Jahr 1947 in das Hier und Jetzt holt: Das Leben spielt sich zu wesentlichen Teilen in sozialen Netzwerken ab, in denen die Herrin einen „Bonnie und Clyde“-Mythos installiert. Sandra Schucks herrlich plüschiges Bühenbild schafft das ideale Ambiente.

Termine
Das Prinzregenttheater, Prinz-Regent-Straße 50-60, zeigt „Die Zofen“ wieder am Samstag, 14. Oktober, um 19.30 Uhr.
weitere Termine: Sonntag, 15. Oktober, 19.30 Uhr; Mittwoch, 8. November, 19.30 Uhr; Donnerstag, 9. November, 19.30 Uhr.
Das Theater ist unter Tel.: 77 11 17 zu erreichen.

Autor:

Nathalie Memmer aus Bochum

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