Das PRT schickt seine Besucher auf eine Expedition durch inszenierte Räume
Durch die stille Stadt

Eine Frau im Brautkleid führt die Teilnehmer durch eine irritierende, ja verstörende Szene.
  • Eine Frau im Brautkleid führt die Teilnehmer durch eine irritierende, ja verstörende Szene.
  • Foto: Walter
  • hochgeladen von Nathalie Memmer

Zum Abschluss seiner Interimsspielzeit mit vielen Gastspielen hat sich das Prinz Regent Theater etwas Besonderes einfallen lassen: Noch bis Sonntag, 14. Juli, besteht die Möglichkeit, die Räumlichkeiten des renommierten freien Theaters auf ganz neue Weise kennenzulernen - und die Stille in all ihren Facetten zu erforschen: Das Theater wird zur "Silent City".

Die künstlerische Leitung des Projekts liegt bei dem Autor und Regisseur Rolf Dennemann, dem designierten Leiter des PRT, Hans Dreher, und Joao Garcia Miguel. Ihr Ausgangspunkt: Stille ist in der heutigen Zeit ein rares Gut; deshalb wollen die Macher von "Silent City" den jeweils sechs Besuchern eine Stunde lang die Möglichkeit geben, die Stille unter verschiedenen Aspekten zu erforschen.
Ein internationales Künstlerensemble - darunter die dem Bochumer Theaterpublikum bestens bekannten Schauspieler Matthias Hecht und Selina Liebert - führen die Expeditionsteilnehmer auf und hinter die Bühne und gewähren so ganz nebenbei Einblick in Werkstätten, Wirtschaftsräume und Garderoben des Hauses.
Die Stille ist dabei mal anheimelnd, mal Ausdruck von Intimität und mal Indikator für das Verlassensein. Manche Räume werden durch Tanz und Schauspiel belebt, andere wirken allein durch die jeweilige Rauminstallation. Einige Räume versetzen einen in die Kindheit zurück, andere drängen einen in eine fast voyeuristische Position. Manches scheint eindeutig dechiffrierbar, anderes bleibt rätselhaft.

Stille kann auch bedrohlich sein

Eins wird dabei deutlich: So sehr wir uns nach Stille sehnen, so bedrohlich kann Ruhe sein. Menschen verstummen, weil sie geknebelt werden oder sich selbst Schweigen auferlegen. Der Tod ist der Bruder des Schlafes - und im Schlaf ist man nicht sicher vor ungebetenen Gästen. In manchen Kulturen werden Frauen auch heute noch zum Schweigen gebracht. Stille entsteht auch, wenn klare Rückmeldungen ausbleiben und der einzelne im Unklaren bleibt, ob er eine Aufgabe angemessen erfüllt hat. "Silent City" hält die eine oder andere kafkaeske Situation bereit.
In anderen Räumen lässt sich dafür erleben, wie leise der Schnee rieselt. Viele handwerkliche Tätigkeiten erfordern Konzentration - und damit Ruhe. Stille ist die Schwester von Privatheit. Und dabei wird an Themen gerührt, die auch heute für viele noch tabu sind.
"Silent City" ermöglicht jedem Teilnehmer ganz individuelle Zugänge - und fordert ihm einiges ab. Was dabei beeindruckt, ist vor allem auch die Feinabstimmung, die dafür sorgt, dass die Übergänge zwischen den Stationen erstaunlich reibungslos verlaufen. Nicht zuletzt dadurch entsteht ein Sog, dem sich wohl niemand entziehen kann. Fazit: "Silent City" ist ein Erlebnis, wie man es nicht alle Tage geboten bekommt - und eine Reise in das eigene Innere. Sehr empfehlenswert.

Termine
 Das Prinz Regent Theater, Prinz-Regent-Straße 50-60, lädt noch von Donnerstag, 11.,  bis Sonntag, 14. Juli, in die "Silent City" ein. Der Einlass erfolgt zwischen 14 und 22 Uhr.
 Infos und Reservierungen unter Tel.: 77 11 17 oder online auf: www.prinzregenttheater.de.

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