Im Ehrenfeld ist die Geschichte stets präsent
Ein ganz besonderes Stadtviertel

Der Südpark - hier auf einer Postkarte aus dem Jahr 1913 - mit der Waldschenke war ein beliebtes Naherholungsgebiet.
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  • Der Südpark - hier auf einer Postkarte aus dem Jahr 1913 - mit der Waldschenke war ein beliebtes Naherholungsgebiet.
  • Foto: Sammlung Dirk Ernesti
  • hochgeladen von Nathalie Memmer

„Schon der Titel unseres Buches 'Beamte – Bürger – Bürokarten' verweist auf den Charakter des Ehrenfelds als gehobene Wohngegend“, erklärt der Historiker Dietmar Bleidick den Titel des Buches, das er jüngst gemeinsam mit Dirk Ernesti vorgelegt hat. Es liefert vertiefte Einsichten in die Entstehung des Viertels, das auf einem bis Ende des 19. Jahrhunderts stark landwirtschaftlich geprägten Areal mit Schlaglöchern und unzureichender Straßenbeleuchtung entstand, und ist opulent bebildert.

Bereits im Jahre 2009 haben die beiden Autoren erstmals ein Buch zum historischen Ehrenfeld vorgelegt, das auf große Resonanz stieß. „Damals standen noch die großen Bauten wie das Theater, die Knappschaft oder das Bergmannsheil im Mittelpunkt“, erinnert sich Dietmar Bleidick, „aber der neue Band ist anders konzipiert: Es geht vornehmlich um die Straßenzüge und ihre Bebauung.“
Der Bildteil, der sich aus Dirk Ernestis Bilder- und Postkartensammlung speist, ist als Stadtteilrundgang angelegt, der die zentralen Gebäude wie die Melanchthon- und die St. Meinolphus-Mauritius-Kirche natürlich nicht ausspart. Die einzelnen Stationen lassen sich als „Spaziergang durch das Ehrenfeld“ ablaufen. Dietmar Bleidick betont: „Sieht man von der großen Kreuzung Hattinger Straße/ Königsallee ab, stimmt der Straßenverlauf noch weitgehend mit dem vor dem Ersten Weltkrieg überein. Wer unsere historischen Postkarten anschaut, wird vieles aus dem heutigen Ehrenfeld wiedererkennen.“

Siedlungsstruktur bis heute weitgehend erhalten

Wie Dietmar Bleidick im Textteil des Bandes herausstellt, hat sich die 1903 geplante Straßen- und Siedlungsstruktur bis heute in weiten Teilen erhalten. Wie vor dem Ersten Weltkrieg prägen noch heute mehrgeschossiger Mietwohnungsbau im Norden und Einfamilienhäuser im Süden das Bild. „Bei unserem ersten Buch zum historischen Ehrenfeld habe ich mich bei meinen Recherchen noch überwiegend auf gedrucktes Material gestützt“, erinnert sich der Historiker. Diesmal war es anders: „Im Stadtarchiv habe ich bisher nicht aufgearbeitete Akten ausgewertet und neue Erkenntnisse über die Entstehung des Stadtteils gewonnen.“

Clemens Erlemann und das Ehrenfeld

Welchen Anteil der Bochumer Bauunternehmer Clemens Erlemann, der sich von 1898 bis 1912 stark im Ehrenfeld engagierte, um dort das neben dem Stadtparkviertel zweite Bochumer Wohngebiet gehobener Qualität zu realisieren, und deshalb gemeinhin als Erbauer des Ehrenfelds gilt, an der Entstehung des Viertels genau hatte, lasse sich aufgrund der unzureichenden Quellenlage kaum sagen, räumt Dietmar Bleidick ein. Ideen für eine entsprechende Wohn- und Gewerbeansiedlung existierten nämlich bereits, bevor Erlemann auf den Plan trat.
Auch eine andere Frage hat Dietmar Bleidick bislang nicht klären können: Woher stammt der Name Ehrenfeld, der seit den 1870er Jahren gebräuchlich ist, eigentlich? Der Historiker stellt ernüchtert fest: „Die Erklärungen, die über den Namen kursieren, gehören wohl eher ins Reich der Legende.“

Beliebtes Naherholungsgebiet

Eins zeigen die von Dirk Ernesti zusammengetragenen Bilder und Postkarten allerdings sehr deutlich: Das Ehrenfeld, das sich im ausgehenden 19. Jahrhundert bereits eher Bochum als Wiemelhausen, das schließlich 1904 eingemeindet wurde, zugehörig fühlte, war nicht nur ein gehobenes Wohnviertel, sondern auch ein beliebtes Ausflugsziel und profitierte von der Nähe zum damaligen Bahnhof, der da zu finden war, wo heute die Rotunde beheimatet ist. „Der Rechener Wald wurde zum Südpark umgestaltet und hatte mit der Waldschenke einen schönen Biergarten zu bieten“, betont Dietmar Bleidick, „und das Ehrenfeld wurde ein beliebtes Naherholungsgebiet. Die Ausflügler schickten Postkarten an ihre Bekannten und die Verlage reagierten entsprechend, so dass allein von Haus Rechen mehr als 40 Postkartenmotive existieren. Da Fotoapparate zu dieser Zeit noch nicht allgemein verbreitet waren, sind zeitgenössische Postkarten eine unschätzbare historische Quelle.“ Dirk Ernesti hat inzwischen mehr als 1.000 Bilder und Postkarten gesammelt, von denen einige besonders schöne in „Beamte – Bürger – Bürokraten“ zu finden sind.

Das Buch
Dietmar Bleidick/ Dirk Ernesti: Beamte – Bürger – Bürokraten. Bochum und das Ehrenfeld vor dem Ersten Weltkrieg. Historisches Ehrenfeld 2. 3satz-Verlag (ISBN 978-3-9815189-2-4).

Autor:

Nathalie Memmer aus Bochum

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