Ein Leben als Bücherschrank

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Ob ich ins Leben geworfen werden wollte,
hat man mich nicht gefragt.
Ich wurde einfach. Das geht wohl allen so.
Auch ob ich da, wo ich hinkommen würde,
überhaupt sein wollte, spielte keine Rolle.
In Bezug auf den künftigen Mittelpunkt meines Daseins
durfte ich nicht mitreden.
Zusammengezimmert aus Holzplatten, Glasfenstern,
ein paar Schrauben und Winkeln, bin ich nun.
Stehe da.
Warte.
Nehme an.
Warte.
Bewahre auf.
Warte.
Schaue.
Warte.
Gebe ab.
Warte.
Schwitze.
Warte.
Nehme zu.
Warte.
Friere.
Warte.
Nehme ab.
Warte...

Dass mein Leben langweilig wäre, kann ich allerdings nicht behaupten.
Absolut nicht.
Als ich wurde, waren einige stolz,
als ich ankam, haben sich viele gefreut.
Sie haben mich eingepackt
und wieder ausgepackt,
haben mich besprochen, angesprochen und gelobt,
haben mich fotografiert und meine Klappen aufgerissen.
Es zog.
Als die Klappen wieder zu waren, wurde ich langsam warm.

Über einen Mangel an Aufmerksamkeit kann ich mich nicht beschweren.
Seit dem ersten Tag meines Lebens bekomme ich viel Besuch.
Viele bringen mir etwas mit, füttern mich.
Mit Bildbänden,
kleinen und großen, dicken und dünnen Büchern,
alten Schinken und hochmoderner Literatur,
Bestsellern, Liebesromanen und Kinderbüchern.
Sogar Fremdsprachen trauen sie mir zu.
Englisch und irgendsowas wie polnisch oder russisch. Ich weiß es nicht genau.
In einigen dieser Bücher wurde sogar hart gearbeitet.
Ich kann es riechen und an den vielen Eintragungen sehen. 
Schulstoff. Franz Kaffka... Ua...
Oft bringen sie mir auch Zeitschriften:
Autozeitschriften, Merian-Hefte, Handarbeitshefte, Fußballheftchen oder die fairkehr.

Manchmal ist mir ziemlich schwindelig.
Dann geht innen alles durcheinander
und ich kriege nichts mehr richtig auf die Reihe.
Aber momentan habe ich Verstopfung.
Ich bin voll.
Aber sowas von…
Dann denke ich, sie meinen es zu gut mit mir;
bringen mehr, als ich verdauen und umverteilen kann.
Ich bin gespannt, ob auch irgendwann mal magere Zeiten kommen.
Obwohl, es geht auf Weihnachten.
Ich kann es merken:
Weihnachtsgeschichten und –gedichte, Plätzchenrezepte. Mmmmh…

Alleine bin ich übrigens nicht.
Ich habe eine große Familie;
eine Menge Geschwister, Cousins und Cousinen.
Sowohl in Bochum,
als auch quer durch Deutschland
und sogar im Ausland!
 
Aber das wissen Sie bestimmt schon.
Lesen bildet…

Wie es mit mir anfing, kann man übrigens hier lesen:
https://www.lokalkompass.de/bochum/kultur/lesen-bildet-und-verbindet-neuer-buecherschrank-in-grumme-d987417.html

Autor:

Sabine Schemmann aus Bochum

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