In den Netzen von Macht und Intrige: Tim-Fabian Hoffmann erweckt im Rottstr5-Theater zwei von der Herrschaft korrumpierte Könige zum Leben

Herrschen ist für Edward und Richard ein blutiges Geschäft.
  • Herrschen ist für Edward und Richard ein blutiges Geschäft.
  • Foto: Rottstr5-Theater
  • hochgeladen von Nathalie Memmer

Das Bühnenbild der raffinierten Collage „Richard / Edward / II – Die Entmachteten“ im Rottstr5-Theater täuscht Transparenz vor, legt in Wahrheit aber einen milchigen Schleier, der schließlich verscheucht wird, über alles.

Die Textfassung hat Hoffmann auf der Basis von Christopher Marlowes Drama „Edward II.“ und William Shakespeares Schauspiel „Richard II.“ selbst erarbeitet; die Regie teilt sich der Schauspieler mit Simon Krämer.
Die Verfehlungen der beiden Könige und die Ränke ihrer Gegner werden im Theater unter den Gleisen verdichtet. Edward bringt das Staatsvermögen durch und betreibt Günstlingswirtschaft. Als Kriegsherr und Diplomat agiert er alles andere als erfolgreich. Die Liebe zu Gaveston vernebelt ihm die Sinne, so dass er die Regierungsgeschäfte vernachlässigt und auch Wohlmeinenden nicht mehr als würdevoller Herrscher erscheint. Als Edward schließlich veranlasst, dass sein Geliebter aus der Verbannung nach England zurückkehrt, ruft das erbitterten Widerstand hervor. Edwards Frau Isabella wendet sich gegen den König und trägt dazu bei, dass er entmachtet und getötet wird.

Mitleidloser Blick

Edwards gestörte Wahrnehmung seiner Umgebung korrespondiert mit der Sicht der Zuschauer an der Rottstraße, denen das Geschehen durch halbtransparente Plastikplanen entrückt wird. Die werden nun niedergerissen: Der Blick auf Edwards Nachfahren Richard II. ist mitleidlos.
Dieser König hält ebenfalls wenig von einem ausgeglichenen Staatshaushalt und ist auch kein begnadeter Kriegsherr. Braucht er Geld für einen Feldzug, zieht er kurzerhand das Vermögen anderer ein. Opposition bleibt da auf die Dauer nicht aus; Richard, der seinen Zeitgenossen als schwach und selbstgefällig erscheint, wird entmachtet und ermordet.
Macht, so scheint es in diesem beeindruckenden Solo, vernebelt die Sinne und die daraus resultierende verfehlte Politik ruft Gegner auf den Plan, die, wenn sie selbst die Herrschaft übernehmen, nicht unbedingt umsichtiger agieren. Dass dieser Kreislauf durchbrochen werden möge, scheint in vielen Teilen der Welt eine uneingelöste Hoffnung.

Termine
- „Richard / Edward / II – Die Entmachteten“ ist am Sonntag, 23. September, um 19.30 Uhr im Rottstr5-Theater zu sehen.

Autor:

Nathalie Memmer aus Bochum

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