Abschied aus Stiepel
Kantor Michael Goede verlässt nach mehr als 22 Jahren die Dorfkirche

Nach mehr als 22 Jahren verlässt Kantor Michael Goede die Stiepeler Dorfkirche.
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  • Foto: Molatta
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Sein halbes bisheriges Leben hat Michael Goede als Kantor der Stiepeler Dorfkirche verbracht, Gottesdienste musikalisch gestaltet, den Chor geleitet, Klavier- und Orgelunterricht gegeben. Nun verlässt der 45-Jährige Ende Februar Bochum und zieht mit seiner Familie nach Bad Doberan in Mecklenburg-Vorpommern.

„Meine Frau und ich kommen aus einer Kleinstadt“, erzählt Goede, dass für beide klar war, dass sie irgendwann Bochum wieder den Rücken kehren würden. „Der Plan ist über Jahre gereift, und jetzt wagen wir den Schritt.“ Seine Frau, die aus Mecklenburg-Vorpommern stammt, hat eine Anstellung in Rostock gefunden; als neuen Lebensmittelpunkt haben sie sich aber Bad Doberan ausgesucht. „Wir wollten bewusst in die Kleinstadt.“
Was Michael Goede in der neuen Heimat beruflich machen wird, steht noch nicht fest. „Ich möchte ankommen, mich in der Kulturlandschaft umsehen und dann entscheiden“, erläutert er. Zunächst wird er wohl als freiberuflicher (Kirchen-)Musiker „gucken, was geht“. Dazu hat er eine Webseite unter seinem Namen eingerichtet, auf der sich auch Hörbeispiele seiner Arbeit in der Stiepeler Dorfkirche befinden.

Als Student nach Stiepel

Nach Stiepel als zunächst nebenamtlicher Kantor kam Goede 1996 noch als Student. Geboren in Hamburg, aber hauptsächlich aufgewachsen in Mittelfranken, begann er mit 21 Jahren sein Studium der Kirchenmusik an der Folkwang-Hochschule in Essen. Seit seinem 14. Lebensjahr spielte er Orgel. „Vorher habe ich schon Klavier gespielt, aber das ist bis heute nicht mein Instrument. Pianist wäre ich nicht geworden“, sagt Goede.
Bei der Orgel dagegen begeistern ihn die Klangmöglichkeiten. „Es sind viele Variationen möglich.“ Außerdem habe er Klavier nur für sich gespielt. „Bei der Orgel war das schlagartig anders“, erinnert sich Goede. „Da musste ich die Stücke Woche für Woche sonntags punktgenau können. Das war ein Anreiz. Klavier kann man schlüren lassen.“ Seitdem er 16 Jahre alt war, begleitete er Gottesdienste auf der Orgel.
Nach seinem A-Examen als Kirchenmusiker im Jahr 2000 wurde Goede hauptamtlicher Kantor an der Stiepeler Dorfkirche. „Erster Auftrag eines Kantors ist die Wortverkündigung mittels Orgel und Gesang. Beim Pfarrer ist es die Predigt“, erklärt Goede. Darüber hinaus hatte er einen Kulturauftrag durch die Gemeinde. Dazu zählte, den Nachwuchs zu unterrichten und Konzerte zu geben. Diese waren meist geistlich, aber nicht nur. „Wir haben auch Tangoabende mit Tanz gemacht. Das muss sein, um sich zu öffnen und Leute anzuziehen“, so Goede.

Neue Orgel

Zu den besonderen Ereignissen, die der 45-Jähre während seiner Zeit in Stiepel erlebt hat, gehört neben dem Kulturhauptstadtjahr 2010, für das er die Reihe „Stiepeler Kultursommer“ schuf, die Jahrtausendfeier der Dorfkirche 2008. „Das war der Höhepunkt der Gemeinde.“ Das Jubiläum war verbunden mit der 1998 begonnen Renovierung der Kirche an der Brockhauser Straße und dem Neubau der Kirschner-Orgel im Jahr 2004 – für ihn als Organisten eine außergewöhnliche Attraktivität besaß. „Den Bau einer neuen Orgel genießt man nie oder nur einmal in seinem Berufsleben.“
Als „fantastisch schöne Orgel“ bezeichnet Goede das Instrument, und auch von der Kirche als einzigartigem Klangraum ist er begeistert. „Sie hat für eine kleine Kirche relativ viel Akustik“, erklärt er. „Der Nachhall ist genau richtig. Der Raum trägt richtig gut, auch für Kammerorchester, und als Zuhörer ist man immer nah dran. Nicht gut ist der Klang im Audimax. Da ist man als Zuhörer weit weg“, zieht er einen Vergleich.
In der Stiepeler Dorfkirche hat Goede – zumeist zusammen mit weiteren Musikern – im Laufe der Jahre sechs CDs aufgenommen. „Da haben wir etwas Bleibendes geschaffen, das mich an die Zeit erinnern wird.“

Konzert und Gottesdienst zum Abschied

Gemeinsam mit Musikern aus seinen mehr als 22 Jahren an der Dorfkirche wird Goede auch das Konzert und den Gottesdienst zu seinem Abschied aus Stiepel gestalten. Im Konzert am Samstag, 9. Februar, um 19 Uhr, werden unter der Überschrift „Du heilige Dreifaltigkeit, wir loben dich in Ewigkeit“ unter anderem Werke von Bach, Buxtehude, Händel und Pachelbel zu hören sein. Mitwirkende sind Stephanie Elliott (Sopran), Friedemann Immer (Barocktrompete), das Barockorchester caterva musica, der Singekreis Stiepel und Michael Goede. Das Konzert ist bereits ausverkauft.
Im musikalischen Festgottesdienst am Sonntag, 10. Februar, um 10 Uhr werden unter anderem Kompositionen von Frescobaldi, Sweelinck, Bach und Mendelssohn Bartholdy erklingen.
Die beiden Veranstaltungen bedeuten aber keinen radikalen Abschied von Bochum und dem Ruhrgebiet. „In den ersten Monaten werde ich mehr unterwegs als in Bad Doberan sein“, erläutert Goede, dass noch einige Konzerttermine geplant sind. Bereits im März stehen zwei Konzerte mit dem Ensemble „Bochum Barock“, das aus Mitgliedern der Bochumer Symphoniker besteht, an – eines davon am 20. März im Musikforum.

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