Neue Ausstellung im Kunstraum-unten: Installationen von Julia Sossinka

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Seit der erfreulich gut besuchten Vernissage am letzten Freitag sind im Kunstraum-unten in der U-Bahnstation „Schauspielhaus“ neue Installationen und Papierrisse von Julia Sossinka zu sehen. Die junge Künstlerin wurde 1983 in Hattingen geboren . Ab 2002 studierte sie an der Kunstakademie Düsseldorf, wo sie 2008 vom damaligen Akademiedirektor und „Malerfürst“ Prof. Markus Lüpertz zur Meisterschülerin ernannt wurde. 2009 schloss sie ihr Studium mit dem Akademiebrief ab. Heute schon kann sie auf eine große Anzahl von Einzel- und Gruppenausstellungen, Kunstpreisen und Nominierungen zurückblicken.
Julia Sossinka gehört zu einer Generation zeitgenössischer Künstlerinnen, die, in der Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt, Werke voll Inspiration und unbekümmerter Neugier schafft. Ihre oft filigranen Abstraktionen zeigen sich in einer munteren Farbigkeit. Mit scheinbar wertlosem Kram - „Verlorenem und Gefundenem“, Weggeworfenem aus Plastik, wie Tüten oder Verpackungen, Resten von Stoffen, Tüll, Papierschnipseln, Stäben und Kugeln - schafft sie als bildende Künstlerin frische, fast überraschend fröhlich anmutende Collagen und Assemblagen. Ihre Kunst lebt vom Recycling. „Ich verwende Dinge, die ich bei Spaziergängen an der Ruhr oder bei Freunden auf dem Dachboden gefunden habe“, erzählte sie einmal. Die anscheinende Nutzlosigkeit der unterschiedlichen Materialien, die ihr ins Auge fallen, wandelt sie durch ihre Verwendung in komplexe Bilder um, die dann ihren Weg aus der klassischen Malerei herausfinden, ohne sie dabei zu negieren. Als plastische Objekte, als Teil von einem Ganzen, verleiht sie ihnen einen ganz neuen Ausdruck.

Sossinkas Materialkompositionen liegt die Formensprache der Natur zugrunde. Vegetative und florale Formen assoziieren Landschaftliches. Darstellungen von Naturerscheinungen, wie isländische Geysire, oder Naturformen, wie Pilze oder Pyrite, lassen in Sossinkas Malerei - ohne dass diese Naturausschnitte realistisch zu identifizieren wären - Erinnerungen an bereits Gesehenes, jedoch wieder Vergessenes, wach werden. Der Blick dieser Künstlerin richtet sich auf eine Welt, die außerhalb der normalen Wahrnehmung liegt. (Die farbigen Lasuren)Ihre Farben führen den Betrachter auf längst verwachsene Wege, verweisen auf rudimentär verbliebene Spuren und lassen in der poetisch anmutenden Farbwelt Geheimnisvolles (wieder)entdecken.

Die Künstlerin schafft den weitgehenden Verzicht auf Farbe aus der Tube und realisiert Malerei mit anderen Mitteln. Dabei ist die Farbe, die ebenfalls zu den auffälligen Charakteristiken Sossinkas Arbeiten gehört, bei den Assemblagen ein wichtiges Element. Während die Künstlerin für ihre Malerei meist sensible, poetische Farben wählte und ein Arrangement der Zwischentöne, die den Betrachter für sich gefangen nehmen. Verschwinden bei der aktuellen Werkgruppe der Collagen und Montagen durch die Wahl der „Ready-made“-Materialien zwar die Zwischentöne des malerisch Pastösen, jedoch nicht das geheimnisvolle Rätselhafte, das die Arbeiten Julia Sossinkas umgibt. Ist es der fast malerische Umgang mit den gefundenen trivialen farbigen Werkstoffen oder das Dreidimensionale, das durch die Assemblage oder die Collagen, in das Werk hineinwirkt und die die Arbeiten zum Klingen bringen? Auch hier verliert und findet sich der Betrachter wieder, diesmal jedoch nicht in den Schichten der Malerei, sondern in der Materialstruktur.
Nicht zuletzt entsteht daraus eine haptische Qualität der Bilder, die dem Betrachter suggeriert, er könne die Malmaterie mit seinen Augen berühren. Das Sehen und der (gedachte) Tastsinn ergänzen sich. Nimmt der Betrachter die gesamte von der Künstlerin entwickelte Bildwelt in den Blick, so erscheint ein Zwischenreich. Das Sichtbare spielt eine Rolle, aber es kommt etwas Phantastisches hinzu, das jedoch nicht frei erfunden ist, sondern eher als Atmosphäre wirksam wird. Und dann entstehen für den Betrachter Möglichkeiten, die ihm zum Unsichtbaren hinter dem Sichtbaren führen können.
Die Ausstellung ist bis zum 15. März täglich im Kunstraum-unten zu sehen. Wer die Arbeiten ganz aus der Nähe betrachten möchte, sollte mittwochs oder freitags von 15:00 bis 18:00 Uhr zu den Öffnungszeiten den Ausstellungsraum besuchen.
www.kunstraum-unten.de

Autor:

Gisbert Danberg aus Bochum

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