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Papeterie & Schreibwarenbedarf Brams
Papeterie & Schreibwarenbedarf Brams

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Ich war schon immer ein Perfektionist. Dies gilt selbst beim Verschenken. Das Geschenk muss nicht nur einfach zur Person passen. Nein, sogar das Geschenkpapier muss passgenau dem Anlass entsprechen und die Karte muss dies perfekt ergänzen. Die Karte wird natürlich mit Füller geschrieben, weil es persönlicher wirkt. Ich wirke damit wie aus einer anderen Zeit und einfacher dies alles zu besorgen ist es auch nicht.

Zum Glück habe ich in Bochum einen Papeterie- und Schreibwarenladen entdeckt, der nicht nur meinen Bedürfnissen entspricht, sondern mich zudem immer wieder zum Herumstöbern einlädt. Jahrelang hatte ich danach gesucht und bin einfach nicht fündig geworden. Im Gegenteil, immer weniger nette Läden für mich finde ich in der Innenstadt und Onlineshopping ist nichts für mich.

Dann fand ich diesen Laden. Gleich zu Anfang habe ich für meinen Onkel Herbert innerhalb einer riesigen Auswahl die perfekte Geburtstagskarte gefunden. Er ist leidenschaftlicher Golfer und es war klar, dass er die Klappkarte mit dem Golfspieler bekommt. Meine Güte, was hat er sich darüber gefreut. Die Karte kam besser als das Geschenk an. Meine Oma hat sich auch bei der Feier gleichzeitig bei mir für den schönen Brief bedankt. Ich habe ihn auf lila Briefpapier geschrieben, weil sie Lavendel so mag.

Dies habe ich beim Stöbern entdeckt. Eigentlich hatte ich gar keine Zeit den Brief zu schreiben, aber bei dem tollen Briefpapier konnte ich nicht nein sagen. Es gibt ja nicht mehr viele traditionelle Einzelhändler wie Brams in Bochum, bei denen man gern hineingeht, weil sie auf der einen Seite genau das haben, was ich brauche und auf der anderen Seite immer wieder etwas Neues im Repertoire haben, was mich gern im Laden zum Entdecken verweilen lässt. Woher ich diesen Hang zum Perfektionismus habe? Ich nehme mal an, dass es von meiner Mutter kommt, denn irgendwie stimmt bei mir komischerweise der Spruch, dass ich in den Spiegel gucke und meine Mutter sehe, obwohl wir uns gar nicht ähneln.

Dies bemerkte ich auch wieder vor zwei Wochen. Als wir mal wieder in Bochum eh am Dr.-Ruer-Platz waren, gingen wir auch in den Papeterie- und Schreibwarenladen Brams. Meine Mutter wollte unbedingt für ihre Geburtstagsfeier Tischkarten erwerben, damit nicht jeder sitzt, wo er will, sondern es die perfekte Tischordnung gibt. Dabei waren nur zwölf Gäste eingeplant. Warum die ganze Aufregung? Sie sollten zudem noch in einen rosafarbenen Ton sein, damit sie zum Service passen. Nach Möglichkeit auch noch dann die passenden Servietten dazu finden und ihr Tag sei gerettet, so sagte sie.

Aber sie müssten ein Blumenmotiv haben, sonst seien sie nicht festlich genug, aber keine Rosen, da dies zu altbacken sei. Seit Tagen laufe sie in Essen herum und habe nichts gefunden. Skeptisch sei sie daher, dass sie in Bochum Glück habe, aber man solle die Hoffnung nie aufgeben. Auch ich war skeptisch, weil ich die Nörgelei meiner Mutter kenne, denn das Schlimme war, dass sie es immer ernst meinte. Im Grunde vorab resigniert betrat ich mit meiner Mutter den Laden.

Ohne Umwege liefen wir zu unserem Opfer, dem Verkäufer. Der Verkäufer im Laden war zum Glück nicht nur freundlich, sondern sehr geduldig, was die Wünsche meiner Mutter und ihre genauen Vorstellungen anging. Er zeigte nicht nur die verschiedenen Möglichkeiten, sondern ging völlig auf meine Mutter ein. Er fragte sogar nach dem Dekor des Services, für welches die Servietten waren. Während ich am liebsten aus dem Laden gerannt wäre, fühlte meine Mutter sich im siebten Himmel.

Sie fand sogar noch einen Goldstift für die Namen, der genau zu dem Gold in den Servietten passte. Wenn ich jetzt noch die passenden Kerzen gefunden hätte, wäre alles perfekt, so meine Mutter. Ich verdrehte die Augen. Nun mach mal einen Punkt und sei einfach mal zufrieden, entgegnete ich.

Auf dem Weg zur Kasse entdeckte ich Dekoraufkleber, die einfach traumhaft auf den Tischkärtchen aussehen würden. Die Blumen waren genau dieselben wie auf den Servietten. Ich machte meine Mutter darauf aufmerksam. Nun verdrehte sie die Augen und murmelte, „Ach und ich bin komisch?“. Ich fühlte mich ertappt, wurde rot und konnte nichts sagen. Meine Mutter beließ es bei dem Gemurmele und fing an zu lachen.

Nun lachten wir beide lauthals, denn ich habe nicht nur den Perfektionismus, sondern auch den Humor von meiner Mutter geerbt. Der Verkäufer guckte völlig irritiert. Der Witz an der Geschichte ist, dass meine Mutter über den Klee für ihre Dekoration gelobt wurde, denn letztlich fand sie sogar noch die passenden Kerzen, wenn auch in Dortmund, so dass tatsächlich alles perfekt aussah. Dies gab ich zu, auch wenn ich vorher so gemault hatte. Aber im Grunde meines Herzens wusste ich da, dass ich es nicht anders gemacht hätte.

Autor:

Anja Minnenberger aus Essen

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