Junges Ensemble bringt „Moby Dick“ auf die Bühne des Musikforums
Sind wir nicht alle ein bisschen Ahab?

Das Ensemble "Familie Rangarang" verhandelt in "Moby Dick" drängende Gegenwartsfragen.
  • Das Ensemble "Familie Rangarang" verhandelt in "Moby Dick" drängende Gegenwartsfragen.
  • Foto: Familie Rangarang
  • hochgeladen von Nathalie Memmer

Herman Melvilles „Moby Dick“ gehört zu den Romanen, die sich jede Generation neu erschließt. Das junge Ensemble „Familie Rangarang“ bringt am Freitag, 6. Dezember, eine freie Adaption auf die Bühne des Musikforums. Zwei weitere Vorstellungen folgen am 7. und 8. Dezember.

Die Figur des Kapitän Ahab, der davon besessen ist, den weißen Wal, der ihm ein Bein abgerissen hat, zu töten, hat schon Generationen von Lesern in ihren Bann gezogen. „Die Grundfrage lautet: 'Wo steckt der Ahab in mir?'“, gibt Manuel Moser, der gemeinsam mit Sibel Polat die Regie übernommen hat, die Richtung vor. Er erläutert das praktische Vorgehen: „Die Rolle des Ahab wird von den Akteuren abwechselnd gespielt – jeder ist einmal an der Reihe. Wir arbeiten viel mit chorischen Elementen. Wir kooperieren mit der Musikschule und setzen im Stück natürlich auch Musik und Bewegung ein.“
„Viele der Schauspieler kannten den Roman gar nicht“, erinnert sich Moser an den Beginn der Proben im September. „Es geht um den Wahnsinn des Kapitäns“, erläutert Schauspielerin Melina Michalak den Zugang der Gruppe zum Stoff, „und die Frage, wie die Mannschaft damit umgeht. Die Seeleute fragen sich, ob sie meutern sollen.“

Zwischen Anpassung und Widerstand

Auch die Brutalität des Walfangs und die Frage, ob und unter welchen Umständen die Tötung von Tieren legitim ist, hat die jungen Mitspieler bewegt. Die Alternative „Anpassung oder Widerstand“ und das Ausloten der Möglichkeit eines Mittelwegs zwischen diesen Extremen sind während der Proben Gegenstand der Diskussion. So verstehen die am Projekt Beteiligten ihr Vorhaben auch als Ausdruck der Solidarität mit Protestbewegungen wie „Fridays for Future“.
Regisseur Manuel Moser hat „Moby Dick“ bereits am Stadttheater Heidelberg inszeniert. „Einige Vorarbeiten hatte ich entsprechend schon geleistet“, erzählt er, „aber gemeinsam mit meiner Kollegin Sibel Polat und den Schauspielern haben wir eine ganz eigene Fassung für die 'Familie Rangarang' erstellt.“
Zunächst waren in diesem Ensemble Geflüchtete aktiv, die im Jahre 2016 „His or her story“ auf die Bühne brachten. Mittlerweile sind junge Menschen mit und ohne Fluchthintergrund und Migrationsgeschichte mit von der Partie. Der Name „Familie Rangarang“ ist Programm: „Rangarang“ ist der persische Begriff für „bunt“.
Mit ihrer Fassung von „Moby Dick“ verhandeln die engagierten Teilnehmer die Fragen, die sie bewegen. Manuel Moser gibt Einblick: „Am Beispiel von Trump, Erdogan und Putin haben wir den Umgang mit Autoritäten diskutiert. Immer wieder haben wir uns gefragt, ob die Demokratie wirklich noch funktioniert. Alle diese Aspekte spielen in unserer Aneignung von 'Moby Dick' eine Rolle.“ - So aktuell kann ein Roman sein, der erstmals 1851 erschienen ist.

Termine
- Seine Premiere feiert „Moby Dick“ am Freitag, 6. Dezember, um 20 Uhr im Anneliese Brost Musikforum Ruhr, Marienplatz 1.
- Weitere Vorstellungen folgen am Samstag, 7., und Sonntag, 8. Dezember, jeweils um 20 Uhr.

Autor:

Nathalie Memmer aus Bochum

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