Johan Simons bringt Shakespeares "King Lear" im Schauspielhaus auf die Bühne
Unter neuem Blickwinkel

Pierre Bokma als Lear und Anna Drexler, die Cordelia und den Narren spielt, offenbaren ein komplexes Beziehungsgeflecht.
  • Pierre Bokma als Lear und Anna Drexler, die Cordelia und den Narren spielt, offenbaren ein komplexes Beziehungsgeflecht.
  • Foto: JU Bochum
  • hochgeladen von Nathalie Memmer

"Wir hatten schon gut vier Wochen geprobt, als der Corona-Lockdown auch das Theater erfasst hat", gibt Intendant Johan Simons Einblick in seine Arbeit an der Inszenierung von Shakespeares "King Lear". Nach der Premiere am Donnerstag, 10. September, stehen weitere Termine im September und Oktober an, die jedoch weitgehend ausverkauft sind.

Die auch für Schauspieler geltenden Abstandsregeln haben den Blick des Regisseurs auf den Stoff verändert: "Einige Szenen lassen sich nicht in der ursprünglich geplanten Form realisieren, dafür sind neue Ideen umgesetzt worden." Und auch sonst hinterlässt die Pandemie im Großen Haus an der Königsallee ihre Spuren. "Derzeit können bei jeder Vorstellung nur knapp 200 Zuschauer dabei sein", erklärt Simons. Normalerweise finden 800 Menschen dort Platz.
Bei der Frage, was diese "Lear"-Inszenierung ausmacht, ist Dramaturgin Angela Obst, die auch an der Textfassung mitgewirkt hat, ein Aspekt besonders wichtig: "Wir suchen nach der Essenz, nach dem, was über den Plot hinausgeht. Ganz zentral ist dabei der Zerfall väterlicher Autorität. Da lassen sich Bezüge zu 'Fridays for Future' herstellen, wo es ja um das problematische Erbe geht, das die ältere Generation der Jugend hinterlässt; aber auch zum Corona-Lockdown, der den Generationenkonflikt wieder stärker hat ans Licht treten lassen. Deshalb bin ich froh über Miroslava Svolikovas Neuübersetzung, die erfrischend und zugänglich ist."

Zeiten der Vereinzelung

Shakespeare selbst hat das Stück um 1605 geschrieben, als er selbst wegen der Pest in Quarantäne war. Unter dem Einfluss von Corona entsteht auf der Bühne ein Kosmos, in dem die Figuren noch stärker als bei Shakespeare vereinzelt sind. "Allerdings ist Lear der Narr zur Seite gestellt", relativiert Dramaturgin Obst diesen Eindruck.
In der Titelrolle ist Pierre Bokma, 2007 mit einem International Emmy Award ausgezeichnet, als König von Britannien zu sehen; die zu Recht hoch gelobte Schauspielerin Anna Drexler spielt sowohl Lears jüngste Tochter Cordelia als auch den Narren. Außerdem stehen Mourad Baaiz, Michael Lippold, Steven Scharf, Konstantin Bühler, Patrick Berg, Stefan Hunstein und Ann Göbel auf der Bühne.

Info
- Die bislang für September und Oktober angekündigten Vorstellungen von "King Lear" im Schauspielhaus, Königsallee 15, sind bereits ausverkauft.
- Lediglich für die Aufführung am Samstag, 12. September, gibt es eventuell noch Restkarten. Beginn ist um 19.30 Uhr.
- Karten können derzeit nur im Vorverkauf erworben werden.
- Aktuelle Informationen gibt es auf: schauspielhausbochum.de.

Autor:

Nathalie Memmer aus Bochum

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