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Urban Sketchers Bochum bannen städtische Wirklichkeit aufs Papier

Urban Sketching am Kunstmuseum Bochum (v.l.): Franziska, Danuta, Marius, Bernd, Sini und Bernd.
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  • Urban Sketching am Kunstmuseum Bochum (v.l.): Franziska, Danuta, Marius, Bernd, Sini und Bernd.
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Schauspielhaus, Kuhhirte oder die alte Feuerwache in Linden – auf Entdeckungsreise durch Bochum begeben sich die Mitglieder der Gruppe Urban Sketchers Bochum jeden Dienstagnachmittag. Mit Pinsel und Stift erkunden sie die Stadt und halten ihre Motive auf dem Papier fest.

Von Vera Demuth

„Es ist ein bisschen wie eine Exkursion“, erläutert Sini (65), Mitgründerin der Gruppe, das gemeinsame Hobby. „Man lernt die Stadt besser kennen“, ergänzt Danuta (59), die ebenfalls zu den Initiatoren gehört. Darüber freut sich auch Franziska (33), die vor einem Jahr aus Leipzig nach Bochum zog. Da sie schon in Sachsen als Urban Sketcher aktiv war, war sie begeistert, auch in ihrem neuen Heimatort eine Gruppe zu finden.
Seit September 2020 gibt es die Urban Sketchers Bochum. Bei ihrer Entstehung hatte der Zufall die Hand im Spiel. Im Stadtpark stießen Bernd (62) und Sini, die dort den Bismarckturm zeichneten, sowie Danuta, die mit einem Malkurs ebenfalls den Turm aufs Papier bannen wollte, aufeinander. Schnell wurden die Telefonnummern ausgetauscht, und so entstanden die Urban Sketchers Bochum, denen mittlerweile rund ein Dutzend Mitglieder angehören. Danuta ist das einzige, das beruflich einen künstlerischen Hintergrund hat. Sie hat zunächst in Polen, dann am Kunstzentrum an der Lohrheidestraße studiert. Die übrigen Mitglieder sind leidenschaftliche Hobbymaler.

Hobby unter freiem Himmel

Sini ist durch die Coronapandemie dazu gekommen. „Ich habe eine Aktivität gesucht, die man unter freiem Himmel machen kann.“ Mit Tinte und Aquarell, Fineliner und Buntstift sind die Urban Sketchers unterwegs. Jeder probiert sich an unterschiedlichen Materialien aus. „Ich begrenze mich immer auf ein, zwei Farben“, erzählt Marius (60), der oft Rötel, manchmal auch Tinte und Bleistift nutzt. Bei anderen dagegen wird es meist farbenfroher, wie etwa beim zweiten Bernd der Gruppe (ebenfalls 62), der seine Bilder mit dem Fineliner skizziert und dann mit Aquarell koloriert.
Die meisten sitzen auf mitgebrachten Klappstühlen, aber ansonsten haben sie nur ihre Zeichenutensilien dabei. Staffeleien sind verpönt. „Wir bringen kein mobiles Atelier mit“, erklärt Franziska. Eine gute Stunde geben sie sich Zeit, um ihr jeweiliges Werk zu erschaffen. Ein Foto wäre wahrscheinlich schneller geschossen. „Beim Zeichnen muss man aufmerksamer sein. Man muss das Motiv länger studieren“, sagt Danuta. Hinterher habe man mehr Erinnerungen an den Ort, als wenn man ein Foto gemacht hätte.
Die entstandenen Bilder, meist in Skizzenbüchern gezeichnet, dienen ebenfalls der Erinnerung – wie ein Fotoalbum. Die Werke der Urban Sketchers bleiben rein privat. Nur Marius, der zusätzlich auch viel allein zeichnet, spielt mit dem Gedanken, einen Bildband zu erstellen. 40 Zeichnungen, in denen er Bochum dokumentiert, hat er bislang zusammen.
Über die Monate hat sich eine „sehr nette, zauberhafte Gruppe“, so Mitgründer Bernd, ergeben, die es genießt, in Gemeinschaft ihr Hobby auszuüben. Denn wie der andere Bernd betont, steht nicht die Leistung im Vordergrund, sondern der Spaß.

Die Wirklichkeit visuell festhalten

Ernst nehmen sie aber ihr Hobby durchaus. 2007 sei das Urban Sketching von einem US-Journalisten erfunden worden, weiß Danuta. „Er wollte die Wirklichkeit nicht nur schriftlich, sondern auch visuell festhalten.“ Sogar ein Manifest gibt es, das besagt, dass Urban Sketching immer vor Ort geschieht. Es werden keine Fotos abgezeichnet und auch keine Fantasiebilder gemalt.
Wenn die Gruppe irgendwo zusammentrifft und malt, sorgt sie oft für Aufmerksamkeit. Passanten bleiben stehen, gucken zu und sprechen die Urban Sketchers an. „Es sind sehr schöne Reaktionen, die Menschen sind aufgeschlossen, und man kommt ins Gespräch“, berichtet Mitgründer Bernd. Ihnen werde ein großes Interesse entgegengebracht, so Danuta. Manchmal ergeben sich durch ihr Hobby aber auch kuriose Erlebnisse. Als sie vor einiger Zeit das Gelände Seven Stones an der Universitätsstraße, wo zurzeit zwei Wohntürme für Studenten entstehen, besuchten, wurden sie zunächst gefragt, was sie dort tun. Nachdem dies geklärt war, wurde die Gruppe sehr freundlich aufgenommen. Man bewirtete sie mit Keksen, und der Kranführer erklärte den Mitgliedern, wie hoch er seinen Kran ausfahren kann.

Jeden Dienstag wird gemalt

Jeden Dienstag gegen 17 Uhr treffen sich die Urban Sketchers Bochum an wechselnden Orten im Stadtgebiet. Wer von den bislang etwa zwölf Mitgliedern Lust und Zeit hat, ist dabei. Auch Interessierte, egal ob Profi oder Anfänger, sind willkommen. Ort und Zeit werden auf Facebook unter „Urban Sketchers Bochum“ bekanntgegeben.
Vom kommenden Herbst- und Winterwetter wollen sich die Hobbymaler nicht abhalten lassen. Im vergangenen Winter waren sie wegen der Coronapandemie manchmal etwas eingeschränkt. „Diesmal will ich Kontakt, zum Beispiel mit der Stadt, aufnehmen, um zu hören, ob wir vielleicht auch mal irgendwo rein können“, erklärt Mitinitiator Bernd.

Autor:

Vera Demuth aus Bochum

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