Peter Turrinis „Die Eröffnung“ im Rottstr5-Theater
Von der Macht des Theaters

Momente echter Zweisamkeit sind im Leben des Schauspielers (Benjamin Werner, r., mit Linda Bockholt) eher selten.
  • Momente echter Zweisamkeit sind im Leben des Schauspielers (Benjamin Werner, r., mit Linda Bockholt) eher selten.
  • Foto: Niggemeier
  • hochgeladen von Nathalie Memmer

Matthias Hartmann begann im Jahr 2000 seine Intendanz am Schauspielhaus Bochum mit der Uraufführung von Peter Turrinis „Die Eröffnung“. Nun hat Oliver Paolo Thomas, Leiter des Rottstr5-Theaters, den als Monolog angelegten Text mit Benjamin Werner und der Musikerin Linda Bockholt auf die Bühne gebracht und damit das Theater unter den Gleisen nach einjähriger pandemiebedingter Zwangspause wiedereröffnet.

Benjamin Werner, bekannt aus den Rottstr5-Produktionen „Schöne neue Welt“ und „Eine Enthandung“, zelebriert die Lebensbeichte eines Schauspielers, der die wohlarrangierten Tragödien auf der Bühne der widerspenstigen Wirklichkeit entschieden vorzieht. In der vor Einfällen sprühenden Inszenierung fungiert Linda Bockholt als Stichwortgeberin einer narzisstischen Persönlichkeit, bereichert das Ganze aber natürlich auch mit ihrem musikalischen Können.

Verführungskraft des Theaters

Gemeinsam vermitteln Benjamin Werner und Linda Bockholt mehr als eine Ahnung davon, was Theater so verführerisch macht, dass der Schauspieler auch sein Leben inszeniert, dass es für jeden Vertreter der Yellow Press eine Freude sein muss. So ganz unbekannt ist das dem staunenden Zuschauer nicht - schließlich spielen wir alle Theater, wie es der deutsche Titel von Erving Goffmans „The presentation of self in everyday life“ auf eine treffende Formel bringt. Und das ist in einer Welt, in der alle beständig bemüht sind, „authentisch“ zu sein – was immer das im Einzelnen heißen mag – für sich betrachtet schon eine ernüchternde oder befreiende Erkenntnis. Ganz so virtuos wie hier im Rottstr5-Theater gerät die Darbietung im Alltag dann meistens allerdings nicht. Das Theater als Allegorie des Lebens zu betrachten, hat eben auch seine Grenzen. Vielleicht ist gerade das das Geheimnis des Theaters.
„Die Eröffnung“ ist dabei auch ein sehr unterhaltsamer und sinnlicher Abend. Es gelingt Benjamin Werner meisterhaft, das Publikum in einen Kosmos zu entführen, in dem Schein und Sein kaum zu unterscheiden sind und Triumph und Absturz nah beieinanderliegen. So verwandelt der Schauspieler sich die Welt an. Wenn es auf der Bühne (und im Leben) so etwas wie „Echtheit“ gibt, so besteht sie wohl genau darin.

Termine
- „Die Eröffnung“ ist am Sonntag, 14. November, um 19.30 Uhr wieder im Rottstr5-Theater zu sehen.
- weitere Termine: Sonntag, 21. November, 19.30 Uhr; Freitag, 17. Dezember, 19.30 Uhr.
- Karten können unter Tel.: 0163 761 50 71 oder per E-Mail an: karten@rottstr.de reserviert werden.
- Weitere Informationen gibt es auf: rottstr5-theater.de.

Autor:

Nathalie Memmer aus Bochum

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