Weltmusik auf der Schmechtingwiese: „Kalakuta Soul Picnic“ lädt zu DJ-Sets lokaler und internationaler Akteure – und will zugleich zur Inbesitznahme des öffentlichen Raums anleiten

Das Kalakuta Soul Picnic findet auch in diesem Jahr auf der Schmechtingwiese statt.
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  • Das Kalakuta Soul Picnic findet auch in diesem Jahr auf der Schmechtingwiese statt.
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„Das Kalakuta Soul Picnic fand erstmals 2010 im Rahmen einer Kunstaktion statt und erlebt am 2. September bereits seine 13. Auflage“, erzählt Guy Dermosessian, Gründer des Musiklabels Kalakuta Soul Records und durch Clubabende in der Rotunde und im Prinzregenttheater bekannt. Und so wie Kalakuta Soul Records soll auch das Picknick sein: sowohl lokal als auch international und in jedem Fall interaktiv.

Auf der Schmechtingwiese werden beim Picknick zwischen 14 und 22 Uhr verschiedene DJ-Sets geboten. Neben Zé Bebelo, Jan Schimmelpfennig und Jens Bahlo aus Bochum werden auch DJs aus Berlin, Amsterdam und Groningen erwartet. „Wir wollen“, erklärt Dermosessian, „sonst wenig wahrgenommene Musiktraditionen sichtbar machen.“ Während im deutschen Formatradio Songs aus Frankreich, Italien oder Spanien fast schon exotisch wirken, wagt sich das Kalakuta Soul Picnic in ganz andere Gefilde vor: Musik aus Beirut, Salvador de Bahia, Sao Paulo, Accra, Lagos und Nairobi wird erklingen.
Besonders freut sich Guy Dermosessian auf Kornelia Binicewicz aus Istanbul, die auf der Schmechtingwiese auflegen wird: „Sie ist Plattensammlerin und hat ihren Schwerpunkt bei Musik von Frauen aus der Türkei.“ - Ihre Compilation „Turkish Ladies“ gibt Einblick in das Schaffen von Sängerinnen der sechziger, siebziger und achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts. Wer sich für die besonderen Herausforderungen interessiert, mit denen Frauen im türkischen Musikgeschäft dieser Zeit konfrontiert waren, für den hat Dermosessian einen Tipp: „Kornelia Binicewicz stellt ihre Arbeit am 4. September im Atelier Automatique an der Rottstraße vor.“

Aneignung des öffentlichen Raums

Dabei geht es Dermosessian und seinen Mitstreitern nicht „nur“ um Musik. „Es ist unser Ziel, neue Orte anzueignen, um Gemeinschaft und Kunst zu ermöglichen. Die Schmechtingwiese, auf der wir unser Picknick seit drei Jahren abhalten, bietet uns ideale Voraussetzungen, weil sie vom gesamten Umfeld gern genutzt wird. Sie steht außerdem für die soziale Vielfalt Bochums, denn sie grenzt einerseits an das Stadtparkviertel und andererseits an die Speckschweiz.“ Zuvor hat das Picknick im Prümerpark, aber auch schon einmal in Dortmund oder Hamm stattgefunden.
„Wir wollen mit unserer Aktion“, erläutert Dermosessian den größeren Rahmen, „eine Anleitung zur Aneignung öffentlicher Grünflächen geben. Wir setzen bewusst auf Formate, die zur Nachahmung prädestiniert sind.“ Solche Areale für eigene Projekte zu nutzen sei nämlich gar nicht so schwer: Man brauche lediglich eine Genehmigung der Stadt und Strom. Entsprechend gibt es im Ruhrgebiet inzwischen verschiedene Veranstaltungen, die dem Kalakuta Soul Picnic ähnlich sind, wie Dermosessian beobachtet hat: „In Bochum haben sich inzwischen sogar mehrere dieser Formate etabliert; es gibt Ähnliches aber auch in Essen und Dortmund. So wird sichtbar, was hier alles los ist. Das ist wichtig, weil der öffentliche Raum der einzige barrierefreie Raum ist.“

Barrierefrei in jeder Hinsicht

Barrierefreiheit wird beim Kalakuta Soul Picnic in einem sehr umfassenden Sinn verstanden, wie Dermosessian erläutert: „Weltmusik ist Musik für alle; unser Musikprogramm ist zugleich lokal und international. Um allen Interessierten die Teilnahme zu ermöglichen, erheben wir keinen Eintritt. Das Areal ist barrierefrei; das gilt auch für die Toiletten.“
Von kommerziellen Großfestivals hebt sich das Picknick auch noch in anderer Hinsicht ab. „Das ist einfach eine Wiese mit Musik“, bringt es Dermosessian auf den Punkt und fügt hinzu, „wir wollen bewusst nichts inszenieren. Wir schaffen einen Ort der Musik und der Vergemeinschaftung.“ - Damit verknüpft er noch ein anderes Anliegen: „Wir nutzen öffentliche Grünflächen als Raum der Repräsentation und regen Interessierte damit vielleicht an, unsere Idee aufzugreifen und etwas ganz Anderes daraus zu machen.“

Afrika verwöhnt den Gaumen

Wer möchte, kann zum Kalakuta Soul Picnic eigene Verpflegung mitbringen. Es wird jedoch auch eine Theke aufgebaut, an der Getränke verkauft werden. Auch an hungrige Gäste ist gedacht: „Das Deutsch Afrika Ruhr Forum – kurz DART e.V. – wird Essen zubereiten und so auf sich aufmerksam machen.“ - Kalakuta Soul Records signalisiert seine Affinität zur afrikanischen Musikkultur bereits im Namen: Afrobeat-Pionier Fela Kuti nannte seine Kommune einst Kalakuta Republic. „Es geht uns“, sagt Dermosessian, „um den weltweiten panafrikanischen Gedanken, unabhängig von nationalen Grenzen. Diese Idee wird von der Musik getragen.“
Interkultur Ruhr unterstützt das Kalakuta Soul Picnic programmatisch; das Land Nordrhein-Westfalen und die Stadt Bochum stellen finanzielle Mittel bereit. „Auch der Verfügungsfonds Hamme unterstützt uns“, würdigt Dermosessian das Engagement der verschiedenen Akteure und erklärt, „ansonsten lebt unser Projekt von Spenden.“

Termine
Das Kalakuta Soul Picnic findet am Sonntag, 2. September, zwischen 14 und 22 Uhr auf der Schmechtingwiese an der Freiligrathstraße statt. Der Eintritt ist frei.
Kornelia Binicewicz, Plattensammlerin und DJ, präsentiert am Dienstag, 4. September, um 20 Uhr ihre Projekte „Ladies on Records“ und „Turkish Ladies“ im Atelier Automatique, Rottstraße 14.

Das Kalakuta Soul Picnic findet auch in diesem Jahr auf der Schmechtingwiese statt.
Veranstalter und Besucher hoffen auf schönes Wetter.

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