Ein lebendiges „StadtMuseum“ für Bochum und Wattenscheid

Bochum 1790, wie hat sich Bochum seit damals verändert? | Foto: Simplicius, Wikipedia
  • Bochum 1790, wie hat sich Bochum seit damals verändert?
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Wäre es nicht toll, Bochum und Wattenscheid hätten einen zentralen Ort, an dem jeder Bürger sehen und erleben kann, wie sich die Stadt über die Zeit verändert und entwickelt hat? Wie etwa der alte Marktplatz am Kuhhirten heute aussieht und wie er früher ausgesehen hat, oder wie der Bochumer Verein früher die Stadtsilhouette geprägt hat und wo man heute noch in der Gegend der Jahrhunderthalle Spuren findet?

Viele Städte haben zu diesem Zweck ein Stadtmuseum, in dem die Bürger nicht nur die Entwicklung ihrer Stadt bis zum heute und jetzt nachvollziehen können, sondern in denen auch geplante Entwicklungen gezeigt und zur Diskussion gestellt werden, bei denen die Bürger einbezogen werden sollen. So etwas gibt es u.a. in Düsseldorf, München oder Münster, aber auch in Stockholm, Barcelona und Paris. Ein vergleichbarer Ort fehlt leider bisher in Bochum und Wattenscheid.

Erstaunlich ist, wie viele Bürger großes Interesse an der Geschichte ihrer Stadt haben. Wenn man die Posts in den Facebook-Gruppen zu Bochum und Wattenscheid sieht, wo täglich Fotos der Städte von gestern und heute ausgetauscht und diskutiert werden, sieht man wie sehr sich die Bürger dafür interessieren, wie markante Orte ihrer Stadt anno dazumal ausgesehen haben und wie sie sich im Laufe der Zeit verändert haben. Der entsprechenden Bochumer Facebook-Gruppe gehören fast 7.000, der Wattenscheider über 2.600 User an, die zum größten Teil in den Städten leben, teilweise aber auch von hier weggezogen sind und über die Gruppe eine Verbindung zu ihrer Heimatstadt aufrechterhalten.

Das althergebrachte Konzept von Museen wird allerdings die Menschen von einem Besuch eher abschrecken. Auch soll es nicht um eine Institution gehen, in der wissenschaftlich akademisch die Stadtgeschichte aufgearbeitet wird. Vielmehr sollte es ein Ort sein, wo sich die Bürger gerne treffen, um mal ein wenig in der Vergangenheit ihrer Stadt zu schwelgen. Das schafft Identifikation und auch den Anreiz sich für die zukünftige Entwicklung der Stadt zu interessieren und zu engagieren.

Daher sollte ein solches „Stadtmuseum“ keine Aneinanderreihung von Räumen mit dutzenden aseptischen Schaukästen und Schautafeln sein, sondern ein lebendiger Ort. So könnte sich die Ausstellung rund um ein Cafe, Bistro oder Restaurant gruppieren, dass in der Stadt als zentraler Treffpunkt aufgesucht wird und wo man die Möglichkeit hat, sich quasi nebenbei auch noch mit interessanten Exponaten der Stadtgeschichte zu beschäftigen. Das Stadtarchiv ist voll davon, aber auch viele Bürger haben unzählige Fotos, typische Gegenstände vergangener Zeiten, Briefe und ähnliches zu Hause, für die sich viele Bochumer und Wattenscheider brennend interessieren.

Statt dass die Exponate im Stadtarchiv versauern, sollten die Bürger doch die Gelegenheit haben sie an zentraler Stelle in der Stadt zu sehen und sich mit ihnen zu beschäftigen. In den Facebook-Gruppen entbrennen z.B. regelmäßig Diskussionen zum Terminal von Serra oder dem Kriegerehrenmal am Stadtpark. In einem solchen „Museum“ könnte man die Diskussion, die die Aufstellung des Terminals von Serra begleitete mit vielen Bildern, Zeitungsartikeln von damals anschaulich wieder aufleben lassen. Man könnte die originalen Soldatenfiguren zeigen, die einmal im Stadtpark am Ehrenmal standen, bis man sie dort abgesägt hat. Auch zu dieser Geschichte gibt es interessante Bilddokumente, u.a. einen Film (Klack Zwo B, via Bochumschau), der zeigt, warum das Denkmal von engagierten Bürgern niedergelegt wurde. Auch rund um den Vfl und seinem Stadion gibt es wie zu vielen Orten in der Stadt spannende Geschichten zu erzählen, für die sich viele interessieren.

Ebenso interessant ist, wie soll das Telekom- und Justizgelände in der Innenstadt zukünftig entwickelt werden, wie wird das Westkreuz zukünftig aussehen. Auch für die Ausstellung entsprechender Planungsunterlagen, Modelle und Animationen fehlt derzeit ein zentraler Ort.

Dass sich viele für einen solchen Ort, der die Stadtentwicklung zeigt, begeistern könnten, steht wohl außer Frage. Wie soll aber so etwas finanziert werden? Die Stadt ist bekanntlich pleite. Gibt es genug engagierte Bürger, die ihr Herzblut und ihre Zeit ehrenamtlich in ein solches Vorhaben stecken würden? Die Mitarbeiter des Stadtarchives würden ein solches Projekt sicher mit großem Engagement unterstützen. Auch braucht man einen Ort, der zentral in der Stadt liegt, leicht zu erreichen und finanzierbar ist. Sponsoren, die ein solch Identität stiftendes Vorhaben finanziell unterstützen, sollten sich finden lassen. Baut man die Ausstellung rund um eine Gastronomie auf, so könnte ein wesentlicher Teil der Miete der Räumlichkeiten von dieser getragen werden.

Eigentlich bräuchte man sogar mindestens zwei Ausstellungs-Orte, einen in Bochum und einen in Wattenscheid. Auch sollte für alle Bochumer und Wattenscheider der Besuch der Orte kostenfrei sein. Eintrittsspenden sind natürlich erwünscht.

Wenn sich genug Bürger für solch ein „Museum“ begeistern können, dann könnte man jetzt die Initiative ergreifen, um zu klären, was man realisieren will und wie es sich realisieren lässt.

Damit stellen sich, um das Vorhaben zu verwirklich, folgende Fragen:
- Gibt es genug Menschen, die sich für ein solches Vorhaben begeistern können?
- Wo sollte ein solches „Museum“ unterkommen?
- Welche städtischen und privaten Institutionen und Organisationen (Stadtarchiv, Sponsoren) lassen sich in das Vorhaben einbinden?

Volker Steude,
Die STADTGESTALTER - politisch aber parteilos

Autor:

Dr. Volker Steude aus Bochum

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