8. Mai 1945
Gefangene des KZ Buchenwald befreiten sich selbst

Mit Gewehren bewaffnete Häftlinge nehmen wenige Stunden nach der Befreiung des Lagers SS-Männer gefangen, 11. April 1945.
  • Mit Gewehren bewaffnete Häftlinge nehmen wenige Stunden nach der Befreiung des Lagers SS-Männer gefangen, 11. April 1945.
  • Foto: Paul Bodot. Association Française Buchenwald-Dora, Paris
  • hochgeladen von Ulrich Achenbach

Am 8. Mai 1945 endete der grausame Zweite Weltkrieg und die Befreiung der Häftlinge aus den Konzentrationslagern der Faschisten begann.  Im Gegensatz zu den anderen Lägern, die sowohl durch die Rote Armee als auch amerikanische Soldaten befreit wurden, hatten sich die Gefangenen von Buchenwald bereits selbst befreien können, bevor die ersten amerikanischen Soldaten kamen.

In verschiedenen Medien wird zur Selbstbefreiung des Konzentrationslager Buchenwald am 11.04.1945 berichtetet, dass die Selbstbefreiung eine Lüge sei. Das stimmt nicht und ist beweisbar.

Die Selbstbefreiung wird sogar ausdrücklich in den unmittelbar nach der Befreiung erstellten Berichten der US-Armee bestätigt. Unter Leitung des Offiziers Albert G. Rosenberg wurde in Zusammenarbeit mit den Häftlingen ein 125-seitiger Bericht in nur vier Wochen verfasst. Die amerikanische Originalausgabe erschien erstmals 1995 unter dem Titel „The Buchenwald Report“.  1996 erschien die deutsche Übersetzung mit dem Titel „Der Buchenwald-Report - Bericht über das Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar“ (Quelle: Der Buchenwald-Report, C.H. Beck-Verlag, 1996)

Dort heißt es zu den Ereignissen am 11.4.1945: „Die beiden ersten Amerikaner, die am 11. April in das Lager Buchenwald kamen, waren wahrscheinlich Egon W. Fleck, ein Zivilist und First Lieutnant Edward A. Tenenbaum, ein Nachrichtenoffizier. … In ihrem Bericht heißt es, dass das Lager schon befreit worden war … :

Auszüge: Wir kamen um eine Ecke auf die Hauptstraße und sahen Tausende zerlumpter, verhungert aussehender Männer, die in geschlossenen Formationen in östlicher Richtung marschierten. … Einige Abteilungen trugen deutsche Gewehre. Andere hatten Panzerfäuste auf den Schultern. … Sie lachten und winkten uns aufgeregt zu. … Es waren die Insassen des Lagers Buchenwald auf dem Marsch in den Krieg. Unsere Panzer fuhren mit einer Geschwindigkeit von vierzig Stundenkilometern an ihnen vorbei.

Die Verbände, denen die beiden Amerikaner begegneten, waren die 'Stoßtrupps' der Gefangenenmiliz, der besondere Stolz der Gefangenenführer in Buchenwald. Gegen 17.30 Uhr fuhr der Jeep mit den beiden Amerikanern in das Lager. … Die Offiziere blieben lange genug, um Material für einen achtzehn Seiten langen vorläufigen Bericht zusammenzustellen. … 

Weitere detaillierte Berichte gibt es unter dem Link https://dasjahr1945.de/buchenwald-die-selbstbefreiung/ - ein Projekt der VVN BdA e.V. (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes).
 
Diese Selbstbefreiung war nur erfolgreich, weil sich in geheimen Treffen und unter ständiger Lebensgefahr eine Widerstandsgruppe mit Menschen aus unterschiedlichen Ländern und mit unterschiedlichen politischen Überzeugungen bildete. So arbeiteten Christen, Juden, Romas, Sinti,  Rumänen, Russen u.a. Nationalitäten, aber auch Inhaftierte Mitglieder von Parteien wie z.B. SPD, Kommunisten, Gewerkschaftsmitglieder, Künstler u.a. auf Augenhöhe zusammen und ließen sich trotz furchtbarer Schikanen durch die Nazi-Faschisten nicht spalten. Mit gemeinsamer Kraft gelang es den Häftlingen, an Waffen zu kommen und erfolgreich gegen die Schergen des KZ zu kämpfen.

Zwar konnten die sog. "Evakuierungsmärsche", richtig: Hungermärsche von vielen Häftlingen nicht durch die Aufständischen verhindert werden, kurz vor Anrücken der Amerikaner flohen viele SS-Faschisten, zahlreiche konnten jedoch gefasst werden!

Autor:

Ulrich Achenbach aus Bochum

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