Ruhrkohle AG kann gemeinsam in die Knie gezwungen werden
Große Demonstration der Bergleute in Essen-Stoppenberg

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Heute fand eine gemeinsame Demonstration von ehemaligen (und noch tätigen) Bergleuten und vielen anderen Organisationen bzw. Beschäftigten aus der Stahl- und Chemiebranche, dem Gesundheitswesen, Umwelt- und Tierschützer, couragierte Frauen, Jugendliche und Ältere, darunter viele ausländische Mitbürger, gegen die RAG in Essen-Stoppenberg statt. Aufgerufen hatte dazu die Bergarbeiterinitiative "Kumpel für AUF". Über 300 Menschen kamen.
 
Auch einige Montagsdemonstranten beteiligten sich an diesem Protest, wie die Herner- und Bochumer Montagsdemo. Als einer der Moderatoren der Bochumer Montagsdemo war ich auch dabei.

Pünktlich zur Eröffnung der Auftaktkundgebung um 11 Uhr erschallte das Lied „Glück Auf“- über den Barbarossa-Platz . Die Moderatoren begrüßten dann im Namen der überparteilichen Bergarbeiterinitiative „Kumpel für AUF“ die Kundgebungsteilnehmer.

Die Vielfalt der Teilnehmerinnen und Teilnehmer repräsentierte den großen Rückhalt der Bergarbeiter im Ruhrgebiet und darüber hinaus. Dabei waren betriebsbedingt gekündigte Bergleute; solidarische Kumpel mit APG-Berechtigung und Familienangehörige; Bergbaurentner, die um ihr Deputat und gegen Rentenkürzungen kämpfen; Mieter aus Zechensiedlungen, die von den Folgen der Privatisierung durch die RAG - wie Mieterhöhungen - betroffen sind; Gegner der von der RAG geplanten Zechenflutung, die wegen des eingelagerten Giftmülls katastrophale Folgen hätte; Angehörige von Bergleuten, die durch die Giftbelastung erkrankt oder gestorben sind; Delegationen aus anderen Industriekonzernen, die nicht wollen, dass die „Blaupause“ der betriebsbedingten Kündigungen Schule macht; Delegationen von Bergbauvereinen und Kumpel aus dem Saarland und Thüringen.

Bei der Auftaktkundgebung sprachen zahlreiche Verbündete und Fachleute im Kampf gegen die Politik der verbrannten Erde. Auch zwei Ärzte sprachen im Namen von 130 Ärzten und Psychologen, die den Kampf gegen die Gesundheitsgefahren, von der Grundwasserverseuchung durch den Giftmüll und PCB, voll zu ihrer Sache machen. „Diese Katastrophe muss unbedingt verhindert werden!“. Die gesundheitliche Belastung der Kumpel, die das Gift unter Tage brachten, ist bisher totgeschwiegen, und keine Krankenkasse übernimmt die nötigen Maßnahmen und Medikamente.

Bewegend war die Rede einer Bergarbeiterfrau, deren Mann - mit gerade 50 - an Krebs gestorben ist. Lange habe sie sich die Frage nach dem Warum gestellt: "Heute wissen wir, dass er, wie viele andere, das hochgiftige PCB aufgenommen hat." Da PCB in mehrere anderen Ländern schon lange verboten ist, sei klar, dass die RAG immer von der extremen Giftigkeit des Stoffes gewusst habe. "Die RAG darf damit nicht durchkommen. Wir sind doch so viele und können uns zu einer starken Kraft zusammenschließen."

Zahlreiche Delegationen aus Industriebetrieben zeigten ihre Solidarität und Unterstützung: unter anderem von Siemens Essen/Mülheim und Krefeld, Continental/Dortmund und Bergkamen. Die größte Delegation waren Stahlarbeiter und Auszubildende von Thyssenkrupp aus Dortmund und Duisburg.

Die Vertrauenskörperleitung von TKS aus Dortmund überbrachte Grüße: „Durch die Stärke unserer gewerkschaftlichen Organisiertheit und der großen Kampfmoral von euch Bergleuten, genauso wie von uns Stahlarbeitern und auch den Opelanern, haben sich die Vorstände solche Angriffe auf uns bisher nicht erlaubt. Mit einer neuen Weltwirtschaftskrise im Rücken wollen sie jetzt wohl eine neue Gangart einschlagen und versuchen an euch ein Exempel zu statuieren. Gerade wir Stahlarbeiter sind - wie ihr - mit dem Ruf behaftet, einer aussterbenden, schmutzigen Industrie anzugehören. Wir sind nicht damit einverstanden, wenn das berechtigte Anliegen für einen besseren und konsequenten Umweltschutz gegen die Interessen der Arbeiter und auf Kosten unserer Arbeitsplätze gestellt wird. Wir müssen uns als Belegschaften dafür einsetzen, dass die Produktion der lebensnotwendigen Erzeugnisse im Einklang mit der Natur organisiert wird.!“

Eine Kollegin von Evonik aus Essen griff das auf und betonte die Notwendigkeit für alle Arbeiterinnen und Arbeiter, sich in ihren Gewerkschaften zu organisieren. Sie ist Vertrauensfrau in der IGBCE und kritisierte hart die Führung ihrer Gewerkschaft, die keinen Kampf gegen die RAG organisiert. Aber sie unterstrich, dass in den kommenden Kämpfen die Gewerkschaften und ihre Strukturen notwendig sind. Sie berichtete, dass es für die große Zahl der Entlassenen keine Ersatzarbeitsplätze bei Evonik gibt, wie seitens der RAG behauptet wird.

Zwei Rechtsanwälte der Bergleute, Daniel Kuhlmann und Peter Weispfenning waren heute solidarisch vor Ort. Sie vertreten entlassene oder um ihr Deputat betrogene Kumpel als Mandanten. Peter Weispfenning überbrachte die Grüße eines gekündigten Prosper-Kumpel, der nach einem Autounfall im Krankenhaus liegt. Er sandte eine Sprachnachricht an die Demo und forderte Entschlossenheit: “Wir dürfen uns von der RAG nicht wie eine Nummer behandeln lassen.“

Ein Musiker, der in der Türkei sehr bekannte Band Grup Yorum, überbrachte die Solidarität der Band mit mehreren Liedern. Bei schönstem Wetter setzte sich die kämpferische, vielfältige, disziplinierte und internationalistische Demonstration in Bewegung und zog mitten durch das Arbeiterwohngebiet Stoppenberg zur Zeche Zollverein. Viele Passanten, die keine Zeit hatten, füllten aber die Spendendosen mit ihren Euros, weil sie “die Sache in jedem Fall unterstützen“ wollten.

Die ganze Demostrecke entlang bildeten sich diskutierende Trauben mit Anwohnern, die sich informierten und Unterstützung bekundeten. Vater und Sohn unterbrachen ihre Gartenarbeit, um ein Flugblatt zu nehmen. Ganze Familien winkten aus dem Fenster und Autofahrerinnen und Autofahrer grüßen mit erhobenem Daumen. Einige Passanten schlossen sich auch an, so dass die Demonstration zeitweise immer wieder anschwoll - über die 300 Menschen hinaus, die von Anfang bis Ende dabei waren.

Zwischen den Redebeiträgen stimmte der Ruhrchor, immer wieder Lieder an wie „Keiner schiebt uns weg“ oder das Protestlied der spanischen Bergarbeiter unter der Diktatur Francos "Santa Barbara Bendita". Dazwischen trugen Trommeleinlagen zur kämpferischen Stimmung bei. Die Delegation der Umweltgewerkschaft betonte den notwendigen Zusammenschluss von Arbeiter- und Umweltbewegung, „genau davor hat die RAG Angst: wenn wir zusammen halten“.

Zu sehen waren Fahnen der verschiedensten Gewerkschaften wie IGBCE, IG Metall, ver.di und GEW sowie von überparteilichen Kommunalwahlbündnissen wie AUF Gelsenkirchen, Essen steht AUF, BergAUF Bergkamen, AUF geht's Neukirchen-Vluyn. Aber auch Fahnen und Transparente der kämpferischen Bergarbeiterbewegung Kumpel für AUF,  dem Internationalistischen Bündnis, der Umweltgewerkschaft, des Frauenverbands Courage, der Herner- und Bochumer Montagsdemo, von MLPD und REBELL, den ROTFÜCHSEN, sowie der Bergarbeiterfrauen-AG in Courage.

Die Abschlusskundgebung fand vor der beeindruckenden Kulisse der zum Weltkulturerbe erklärten Zeche Zollverein statt. Dort waren einladende Essens-, Literatur- und Informationsstände aufgebaut. Sie trugen nicht nur zur gesunden Ernährung, sondern auch zur Selbstfinanzierung und zur nötigen Klarheit für den weiteren Kampf bei.

Die Moderatoren begrüßten auch solidarische Bergleute aus anderen Regionen wie dem Thüringer Kali- und Salzrevier sowie aus dem Saarland. Ein früherer Betriebselektriker und Steiger im Saarland, berichtete vom erfolgreichen Kampf gegen die bereits begonnene Flutung der saarländischen Gruben. Ein breites Bündnis von CDU bis MLPD setzte durch, dass die RAG die Pumpen für die Wasserhaltung wieder anstellen musste.

Als Höhepunkt der Abschlusskundgebung redete Andreas Tadysiak, Hauptkoordinator der Internationalen Bergarbeiterkoordinierung (er war direkt von einem Aufenthalt in Peru zurückgekommen) und berichtete frisch seine Eindrücke vom Streik. In Lima war es zum Zusammenstoß der Bergleute mit brutal vorgehenden Polizeieinheiten gekommen, weil die Bergleute sich den Zugang zu einem vorher zugesagten Treffen im Arbeitsministerium erkämpften. Die anschließend festgenommenen 17 Bergleute, darunter der Vorsitzende der Gewerkschaft, sind inzwischen wieder frei.

In einem Tonmitschnitt wandte sich der Vorsitzende der peruanischen Bergarbeitergewerkschaft an die Teilnehmer in Essen: "Die Unternehmer schrecken nicht davor zurück, die Arbeiter anzugreifen. Wir führen hier einen harten Kampf. Wir verfolgen aber auch euren Kampf aufmerksam und berichten darüber in Peru. Wir wünschen euch viel Erfolg!"

Bei diesem Gruß aus Peru sollte es nicht bleiben. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer, vorneweg die Bergleute, nahmen Aufstellung vor der Kulisse der Zeche Zollverein, um eine beeindruckende Videobotschaft aufzunehmen. Christian L., ein ehemaliger Bergmann,  trug vor: "Wir haben heute live von Andreas Tadysiak erfahren, in welcher Situation ihr seid und welche Kämpfe ihr austragen müsst, um eure Rechte zu erkämpfen. Wir sind in einer ähnlichen Situation ... In diesem Sinne wünschen wir euch ein herzliches Glück Auf. Wir werden euren Kampf hier in Deutschland bekannt machen und die Solidarität organisieren."

Die Abschlusskundgebung endete mit der Parole "Hoch die internationale Solidarität!" und dem Lied "Glück Auf".

Nachfolgend Fotos von der kämpferischen Demonstration.

Ulrich Achenbach
Moderator der Bochumer Montagsdemo

Autor:

Ulrich Achenbach aus Bochum

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