Stollenflutungen durch die RAG
Kämpferische bunte Demonstration in Bergkamen

Auftaktkundgebung am Rathaus Bergkamen
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  • Auftaktkundgebung am Rathaus Bergkamen
  • Foto: privat Ulrich Achenbach vom 14.11.20
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Die Wählerinitiative im Rat der Stadt Bergkamen BergAUF hat zusammen mit mehreren anderen Organisationen wie Kumpel für AUF in Gelsenkirchen, der Umweltgewerkschaft, dem Frauenverband Courage, Vertretern des Internationalistischen Bündnisses und der Bundesweiten Montagsdemo und anderen zu einem Protest gegen die beabsichtigten Flutungen von stillgelegten Bergwerkstollen aufgerufen. Ca. 150 Personen beteiligten sich an der bunten, kämpferischen Demonstration, die selbstverständlich Corona gerecht mit Mindestabstand und Mund- und Nasenschutz durchgeführt wurde.

Der Widerstand richtet sich gegen Pläne der RAG, das Grubenwasser nicht mehr abzupumpen und bis zu einer Höhe von rd. 600 Metern unter Tage ansteigen zu lassen. Außerdem ging es gegen den Arbeitsplatzabbau allgemein und gegen die Abwälzung der Krisenlasten durch die Weltwirtschafts- und Finanzkrise verstärkt durch die Coronakrise auf die Massen der Bevölkerung.

In verschiedenen Redebeiträgen wurden die Gefahren eines Ansteigen des Grubenwasserspiegels erläutert. "Zum einen geht es um den PCB-Gehalt in dem Grubenwasser (gefährlicher Giftstoff), zum anderen um die Einlagerung von weiterem giftigen Sondermüll in die stillgelegten Bergwerkstollen", äußerte sich ein Redner von BergAUF. Bereits wenige Nanogramm (millionstel Gramm) von PCB können für einen Menschen tödlich sein. Man schätzt, dass sich in den Stollen ca.13000 Tonnen dieses gefährlichen PCB befindet, das durch einen Anstieg des ohnehin schon belasteten Grubenwassers freigesetzt würde - eine Menge, mit der man die gesamte Menschheit von rd. 8 Milliarden mehrfach ausrotten könnte. Außerdem würde sich das Grubenwasser mit den eingelagerten Giftmüll verbinden und nach einiger Zeit den Grundwasserspiegel erreichen - die Trinkwasserversorgung von ganzen Regionen wäre gefährdet. Er ergänzte: "Nach großem Druck durch die Öffentlichkeit bzw. die betroffenen Bürger erklärte sich die RAG bereit, eine Filteranlage zu bauen, wo 95% des PCB herausgefiltert werden kann - da reicht aber nicht. Es müssten mindestens 11 solcher Anlagen gebaut werden, um das abgepumpte Grubenwasser entsprechend flächendeckend filtern zu können". Viele Wortmeldungen gab es zu dem Thema Arbeitsplatzabbau in der Stahl- und Automobilbranche und den Zulieferbetrieben, hier wurde einhellig die Verkürzung der Arbeitszeit auf 30 Wochenstunden bei vollem Lohnausgleich gefordert. Viele Rednerinnen und Redner griffen auch die Arbeitsbedingungen in vielen Betrieben unter Corona an. "Während wir dicht an dicht ohne Sicherheitsabstand und ohne ausreichende Schutzmaßnahmen, z.B. Luftfilteranlagen, arbeiten müssen, fordern die Arbeitgeber im Gegensatz dazu, aufgrund von Corona auf Betriebsversammlungen zu verzichten, was wir natürlich nicht akzeptieren", äußerte sich ein Stahlarbeiter. 

Mehrere Jugendliche forderten im Schulbetrieb kleinere Klassen und versetzten Unterricht oder einen teilweisen digitalen Unterricht. "Wir dürfen uns nicht mit mehreren Freunden zum Sport treffen, müssen aber in vollen Schulbussen fahren und mehrere Stunden in engen Klassenzimmern sitzen", empörten sie sich.

Vertreter der Organisation Kumpel für AUF berichteten von Erfolgen der gekündigten Beschäftigten der ehemaligen Zeche Prosper Haniel. "Mehrere Kumpel haben gegen ihre Kündigung geklagt und beim Landesarbeitsgericht NRW Recht bekommen! Die dreiste Lüge des RAG-Konzerns 'Keiner fällt ins Bergfreie" entpuppte sich als bloße Parole.

Ein Vertreter einer Bürgerinitiative in Gelsenkirchen gegen den Verkauf von ehemaligen Bergmannswohnungen prangerte einen üblichen Erpressungsversuch der neuen Eigentümer (Wohnungsspekulanten) an: "Mit einigen 'Zugeständnissen' wie z.B. Zuschüsse zu den Umzugskosten versucht die ViVA West, ehemalige Bergleute und ihre Angehörigen aus den Wohnungen zu vetreiben. Gelingt das nicht, wird die Miete drastisch erhöht, z.B. von rd. 270 Euro monatlich auf rd. 324 Euro monatlich. Das ist eine Erhöhung von 20% bzw. 54 Euro monatlich, die rechtlich nicht möglich ist. Den eingeschüchterten Mietern will der Wohnungskonzern noch weismachen, dass diese Erhöhung dem Gesetz entspricht. Wir haben allen betroffenen Mietern empfohlen, diese Mieterhöhung nicht anzuerkennen!"

Als Kulturbeiträge gab es mehrere kämpferische Lieder wie Le Chiffon Rouge , die Moorsoldaten u.a. Ein bunte  Demo mit vielen Fahnen und Schildern zog durch die Straßen von Bergkamen. Auffallend war das große Interesse der Passanten und Bewohner, viele suchten Gespräche mit den Demonstranten und mehrere reihten sich auch in den Demozug ein.

Auf der Abschlusskundgebung gab es von den Kumpeln für AUF Solidaritätsgrüße an kämpfende Bergarbeiter in Südafrika, Südamerika, Belarus und der Türkei, die trotz Verhaftungen und ihrer Gefahr für Leib und Leben durch die faschistischen Staatsapparate sich nicht einschüchtern lassen. 

Zum Ende wurde das spanische Kampflied der Bergarbeiter "Santa Barbara Bendita" gesungen. Dieses Lied entstand zur Zeit des Franco-Faschismus, wo dieses Regime 40 streikende Bergleute erschießen ließ.

Autor:

Ulrich Achenbach aus Bochum

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