„Mit Herzblut für Bochum kämpfen“ - Ministerpräsidentin Hannelore Kraft vor der Opel-Belegschaft

Der bis 2014 gültige Standortsicherungsvertrag wird eingehalten. Ob es danach eine sichere Zukunft für das modernste und flexibelste europäische Opel-Produktionswerk gibt, ist noch völlig ungewiss.
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„Ich bin mit der Hoffnung nach Bochum gekommen, etwas mehr Klarheit zu gewinnen“, so Ministerpräsidentin Hannelore Kraft auf der Opel-Betriebsversammlung im Werk I. Doch eine klare Aussage zur Zukunft des Werkes Bochum habe sie nicht vernommen. „Hier ist das Herz der Industrie immer schon zu Hause gewesen. Wir werden mit Herzblut für alle deutschen Opel-Standorte kämpfen“, rief sie den Opelanern zu. „Wir wollen, dass das Totenglöckchen endlich begraben wird.“

Rund 3.500 Opelaner kamen am Montag im Werk I zusammen, um aus dem Mund von Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke endlich verlässliche Aussagen zur Zukunft des Opel-Standortes Bochum zu hören. Als Gäste nahmen neben der Ministerpräsidentin auch NRW-Wirtschaftsminister Harry Voigtsberger und Bundestagspräsident Norbert Lammert sowie zahlreiche Bundes- und Landtagsabgeordnete und die Oberbürgermeister aus den Ruhrgebietsstädten teil.

Betriebsratschef Rainer Einenkel verdeutlichte die Sorgen der Menschen in der Stadt und der Region, bezeichnete das Verhalten des Managements gegenüber den Mitarbeitern als „unmenschlich und zynisch“. Mit Blick auf die Verlagerung des Astra nach Polen und England sprach er von einer „Erpressung der englischen Kollegen“, die nun allein im Opel-Verbund stehen würden. „Nicht der Beste hat die Produktion des Astra gewonnen, sondern der Billigste.“ Er warf der Konzernspitze vor, mit falschen Zahlen zu operieren. „Bochum ist produktiv, flexibel, baut qualitativ hochwertige Autos und hat eine motivierte Mannschaft. Die Frage ist, welche Autos bauen wir 2015, 2016 oder 2017?“

Es war für Opel-Vorstandsvorsitzenden Karl-Friedrich Stracke kein leichter Tag. „Ich habe den Rüsselsheimern den Zafira nie angeboten“, machte er zu Beginn seiner Rede deutlich. Er ging auf die zehn Punkte des in Rüsselsheim vorgestellten Unternehmensplans ein, stellte die elf Milliarden Euro für die Modelloffensive heraus, lobte die Qualität der Bochumer Produkte, doch zur Zukunft des Standortes im Revier kam keine klare Aussage.

„Keiner macht sich die Entscheidung leicht. Den Standortsicherungsvertrag bis 2014 halte ich ein.“ Im Juni, am 28. Juni tagt der Aufsichtsrat, werde er ein Gesamtkonzept für die europäischen Produktionswerke vorlegen.

„Bauen Sie auf uns, beziehen Sie uns ein. Gehen Sie ehrlich mit ihren Mitarbeitern und den Politikern um“, rief Hannelore Kraft dem Opel-Chef zu. „Alle Standorte brauchen eine Wachstumsstrategie.“ Dafür werden sie gemeinsam mit ihren drei Ministerpräsidenten-Kollegen kämpfen.

„Wir haben Stracke nicht ausgepfiffen, aber gnadenlos ausgeschwiegen“, so Einenkel nach der Versammlung, die nur unterbrochen ist. „Wann, wie und wo wir sie fortsetzen, das werden wir entscheiden, notfalls vor dem 28. Juni, wenn falsche Zahlen genannt werden. Ich wäre mit dem Klammerbeutel gepudert, jetzt zum Streik aufzurufen und dem Management eine Steilvorlage zu liefern.“

Autor:

Ernst-Ulrich Roth aus Bochum

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