Nicht ein Cent der Entgelte fließt in Großinvestitionen - Bernd Wilmert über die Unternehmensentwicklung

Von seinem Schreibtisch im Stadtwerke-Hochhaus aus steuert Stadtwerke-Geschäftsführrer Bernd Wilmert nicht nur die Aktivitäten der Stadtwerke sowie der Energie- und Wasserversorgung Mittleres Ruhrgebiet (ewmr), sondern überwacht als Aufsichtsratsvorsitzender auch die Trianel, Europas größtes Stadtwerke-Netzwerk. Foto: Molatta
2Bilder
  • Von seinem Schreibtisch im Stadtwerke-Hochhaus aus steuert Stadtwerke-Geschäftsführrer Bernd Wilmert nicht nur die Aktivitäten der Stadtwerke sowie der Energie- und Wasserversorgung Mittleres Ruhrgebiet (ewmr), sondern überwacht als Aufsichtsratsvorsitzender auch die Trianel, Europas größtes Stadtwerke-Netzwerk. Foto: Molatta
  • Foto: Foto: Molatta
  • hochgeladen von Ernst-Ulrich Roth

Vor über 200 Gästen aus der bundesdeutschen Energiewirtschaft wurde Stadtwerke-Geschäftsführer Bernd Wilmert in der Turbinenhalle im Westpark zum „Energie-Manager 2011“ gekürt. Der Stadtspiegel Bochum sprach mit dem Geehrten über die Entgelte, die Unternehmensentwicklung, das Sponsoring und die ständig steigenden finanziellen Erwartungen der Stadt sowie den heimischen Strommarkt.

„Wenn man einen Strompreis von 23 Cent pro Kilowattstunde betrachtet, dann sind etwa sechs Cent die reinen Beschaffungskosten. Die restlichen 17 Cent sind verursacht durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWK), die Netznutzungskosten und die Mehrwertsteuer“, erklärt Stadtwerke-Geschäftsführer Bernd Wilmert. „Wir als Stadtwerke müssen auf der einen Seite für den Staat die Steuern eintreiben, können aber auf der anderen Seite nur einen kleinen Teil des Entgeltes pro Kilowattstunde beeinflussen.“

Großinvestitionen
in Milliarden-Höhe

Mit der Liberalisierung des Strommarktes 1998 wandeln sich die Stadtwerke vom reinen „Energieverteiler“, der die Verbraucher mit Strom, Gas und Wasser versorgt, hin zum Energieerzeuger. Gemeinsam mit der im gleichen Jahr gegründeten Energie- und Wasserversorgung Mittleres Ruhrgebiet, ewmr, stoßen die Stadtwerke Bochum Investitionen in Milliarden-Höhe an. Gemeinsam bauen sie mit dem Stadtwerke-Netzwerk Trianel an Kohlekraftwerken, investieren in Offshore Windparks vor Borkum und in drei geplante Pumpspeicherkraftwerke und betreiben ein Gas- und Dampfkraftwerk in Hamm-Uentrop. Zum Portfolio gehören auch das Biomasseheizkraftwerk in Papenburg und ein Solarkraftwerk in der Nähe von Würzburg.
Während die Stadtwerke die Wertschöpfungskette – möglichst alle Stationen von der Erzeugung über den Transport bis zur Verteilung in einer Hand - mit Milliarden-Aufwand immer weiter ausbauen, liegt der aktuelle Strompreis etwa auf dem Niveau von 1989.

Finanzierung nur durch
die Beteiligungen

„Wir geben nicht einen Cent der Energieentgelte für Strom, Gas oder Wasser für diese Investitionen aus“, betont Bernd Wilmert, dessen Vertrag als Geschäftsführer der Stadtwerke Bochum gerade um fünf Jahre verlängert wurde. „Für diese Investitionen nutzen wir die Beteiligungserträge beispielsweise von der Gelsenwasser-AG, der Steag oder auch die Ausschüttung unserer RWE-Aktien.“

Sponsoring nicht aus
Entgelten der Kunden

„Auch der Vorschlag, das Stadtwerke-Sponsoring einzustellen, würde sich nicht für die Kunden bemerkbar machen. Umgerechnet auf die Kilowattstunde Strom würde der Verzicht auf das Sponsoring eine Ersparnis von 0,010 Cent pro Kilowattstunde bedeuten“, erklärt Bernd Wilmert. „Allerdings möchte ich deutlich machen, dass kein Cent der Energieentgelte in das Sponsoring fließt, sondern die Mittel aus den anderen Aktivitäten des Unternehmens stammen.“
„Wir können die Energiepreise für unsere Kunden nur beeinflussen, wenn wir an der Erzeugung, dem Transport und dem Handel mit der Energie beteiligt sind“, zeigt Bernd Wilmert die möglichen Stellschrauben auf. Dabei spielt der Energiehandel eine immer größere Rolle. „An der Strombörse in Leipzig geht es in Minuten um einen zehntel Cent rauf oder runter. Bei einem Volumen von einer Milliarde Kilowattstunden kann man so schnell eine Millionen Euro gewinnen oder verlieren. Schon jetzt sind Strommengen auf dem Markt, die erst 2014 oder 2015 erzeugt werden. “

Stadt erwartet immer
höhere Ausschüttungen

Gleichzeitig sind die Stadtwerke Bochum angesichts der Haushaltslage der Stadt gefordert, mehr an das Stadtsäckel abzuführen. „Wir werden nach und nach die Gewinnabführung auf 39 Millionen Euro steigern, etwa 24 Millionen Euro Konzessionsabgabe pro Jahr entrichten und rund 16 bis 18 Millionen Euro Dividende durch die REW-Aktien an die Stadtkasse ausschütten“, berichtet Bernd Wilmert, der in diesem Jahr als Energiemanager des Jahres ausgezeichnet wurde. Und auch die Forderung aus der Politik, zukünftig 8,5 Millionen Euro mehr fürs Stadtsäckel aufzubringen, will man im Hochhaus am Ostring aus den Beteiligungen stemmen.

Hauptaugenmerk gilt
dem heimischen Markt

„Dem Energiemarkt in Bochum gilt unser Hauptaugenmerk“, so Bernd Wilmert. „Wir haben hier in Bochum einen Absatz von 1,5 Milliarden Kilowattstunden, außerdem setzen wir rund eine Milliarde Kilowattsunden außerhalb unseres ehemaligen Konzessionsgebietes ab. Und wir haben eine ökologische Verpflichtung, die uns durch den Rat auferlegt worden ist.“

Klimabrief und Nutzung
von Grubenwasser

Durch den Klimabrief mit einem Volumen von fünf Millionen Euro wollen die Stadtwerke die Erzeugung regenerativer Energien in Bochum erfahr- und erlebbar machen. „Mit dem Geld bauen wir beispielsweise Solaranlagen auf den Häusern der VBW.“ Ein anderes Projekt ist die Nutzung des 20 Grad warmen Grubenwassers der ehemaligen Schachtanlage Robert-Müser für die Erzeugung von Fernwärme zur Versorgung von Wohnungen und Betrieben. Außerdem denkt man im Stadtwerke-Hochhaus darüber nach, das Wasserkraftwerk in Stiepel zu einem reinen Laufwasserwerk umzurüsten.
Auf dem auch in heimischen Gefilden hart umkämpften Strommarkt fühlen sich die Stadtwerke gut aufgestellt. „Die Wechselquote hin zu einem anderen Anbieter liegt bei sieben Prozent. Im Bundesdurchschnitt sind es aber 20 Prozent“, zeigt Bernd Wilmert aus und ist stolz auf die Leistung seiner Stadtwerke-Mannschaft. eur

Von seinem Schreibtisch im Stadtwerke-Hochhaus aus steuert Stadtwerke-Geschäftsführrer Bernd Wilmert nicht nur die Aktivitäten der Stadtwerke sowie der Energie- und Wasserversorgung Mittleres Ruhrgebiet (ewmr), sondern überwacht als Aufsichtsratsvorsitzender auch die Trianel, Europas größtes Stadtwerke-Netzwerk. Foto: Molatta
„Durch die Aktivitäten von Bernd Wilmert wurden die kommunalen Kräfte als Gegengewicht zu den großen Energiekonzernen in Deutschland gestärkt", lobte  Christian Held bei der Preisverleihung Bernd Wilmert, den Energiemanager des Jahres.
Autor:

Ernst-Ulrich Roth aus Bochum

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

2 folgen diesem Profil

1 Kommentar

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen