Aktion sauberes Bochum
Stadtputz 2019 – Und wenn nichts mehr da ist?

Der kleine Straßenfeger.
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Es gibt Befürchtungen der besonderen Art, die man eigentlich nicht äußern möchte, weil sie so abstrus erscheinen, dass man sich fast schon für sie schämt. Und trotzdem: Was wäre, wenn ich mein Gebiet, für dessen Säuberung ich mich beim USB angemeldet habe, längst aufgeräumt vorfinden würde, wenn ich komme? Wenn der Müll für mich, die ich mich bis an die Zähne mit Utensilien bewaffnet habe, nicht mehr reichen würde, weil da schon andere, von denen ich nicht wusste…?  Oh Mann.

Kein Scherz. Obwohl die Aktion Stadtputz 2019 der Stadt Bochum für die Zeit von 11.00 - 14.00 Uhr anberaumt war, hatten sich einige Gruppen bereits um 10.00 Uhr auf den Weg gemacht. Und so war der Grummer Deckel am Samstag, 06.04.19 um 11.00 Uhr tatsächlich bereits weitgehend passabel aufgeräumt - weshalb man sich dabei ertappte, enttäuscht sein zu wollen. Hey! Kein Müll mehr da! Nichts mehr, was man aufsammeln könnte, man muss ja richtig suchen… Verkehrte Welt.

Was aber wäre denn, wenn ich morgen durch meinen Stadtteil ginge und weder Plastikmüll noch sonstiger Unrat meinen Blick irritieren würde? Schon besser. Es wäre traumhaft! Und nicht nur das! 

Wer sich beeilt, kann diesen Eindruck eines aufgeräumten Stadtbezirks vielleicht tatsächlich ein paar Tage lang genießen, bis die Schmutzfinken wieder aus den Löchern kriechen und es „geil“ finden, wieder alles in die Büsche zu werfen und die Wege zu verdrecken.

Drei bis vier Stunden waren am vergangenen Samstag also auch in Grumme zahllose Helfer in den orangefarbenen Westen des USB mit Greifern und Zangen unterwegs, um die Hinterlassenschaften unsensibler Mitmenschen in Säcken, Eimern und Schubkarren einzusammeln und zu den zuvor vereinbarten Sammelstellen zu bringen. Dass sich die Aktion gelohnt hat, konnte man auch hier an der Menge der Säcke und den aufgestapelten, widerrechtlich im Wäldchen des Grummer Deckels abgelagerten Gehölzabfällen  der umliegenden Gärten ablesen.

„Hoffentlich geht der Schuss nicht nach hinten los“, meinte ein der Aktion wohlgesonnen gegenüberstehender Spaziergänger, der sich darüber freute, dass die Grünbereiche jetzt wie eine Parkanlage wirkten, in der man gern zu Fuß unterwegs sei. „Wird er wohl“, war man geneigt zu antworten, doch die große Zahl der Bürger, die sich an der Aktion beteiligt hatten, zeigte eben auch, dass sich weitaus mehr Menschen am verdreckten Zustand unseres Stadtbildes und an den vermüllten Grünstrukturen stören, als man angenommen hatte, und sie gern etwas bewegen wollen; aktiv ein Zeichen setzen, damit sich etwas ändert. Es war ein guter Anstoß, der gern schon früher hätte kommen können. Nun bleibt die Hoffnung, dass der eine oder andere auch zwischendurch mal etwas aufhebt, statt darauf zu warten, dass irgendwann ein Straßenfeger kommt. Es bricht sich schließlich niemand  einen Zacken aus der Krone.

Ein paar Stunden später nach getaner Arbeit noch einmal eine Runde durch das saubere Grumme zu drehen, führte zu einem verblüffenden Effekt. Weil sich das eher Unbewusste jetzt nicht mehr über Plastik und Papier und wilde Grünabfälle und eine Waffe und kaputte Plastikstühle und Alufolie und Plastikteller und halbe Fahrräder und Schuhe und Jacken und Pullis und Glasflaschen und Baumaterial und volle Windeln auf den Wiesen und hinter den Gebüschen ärgern konnte, setzte auf dem kurzen Weg bereits ein Gefühl von Erholung ein. Nur wenige Schritte durch ein Stückchen Grün ohne Müll entspannt. "Unberührte" Natur. Was für ungeheurer Effekt.  Sagenhaft das, oder?

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