Großdemonstration in Bottrop am 15.06.19
Über 300 Menschen protestierten gegen die begonnene Flutung der Bergwerkstollen und die Kündigung von 200 Bergleuten

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Über 300 Menschen protestierten lautstark am gestrigen Samstag in Bottrop gegen die Zechenstilllegungen und die begonnene Flutung von Bergwerkschächten- und stollen. In diese stillgelegten Stollen wurde Giftmüll aus Filterstäuben und andere hochgradig vergiftete Materialien verklappt. Gleichzeitig spricht die RAG zynischerweise von der Umweltunverträglichkeit der Zechen und begründet damit die Stelllegung der letzten Zeche in Deutschland, der Schachtanlage Prosper Haniel in Bottrop. Dreister und frecher kann diese Behauptung der RAG nicht sein, denn gleichzeitig wird billige Kohle aus Drittländern wie z.B. in Afrika oder Südamerika zur Versorgung der Kohlekraftwerke in Deutschland eingeführt. Da diese Kohle häufig durch Kinderarbeit gefördert wird, spricht man von "Blutkohle". 

"Kohle viel zu schade zum Verbrennen und kann als wertvoller Rohstoff genutzt werden", hieß es von Seiten der Bergarbeiterinitiative "Kumpel für AUF". DIe Demonstranten richteten sich vor allen gegen die Flutung der Schächte und forderten die sofortige Wiederaufnahme der Pumparbeiten. Aus Profitgründen wurden die Pumpen beim ehemaligen Bergwerk Auguste Viktoria in Marl und Haniel West abgeschaltet, so dass das Grubenwasser sukzessive ansteigen wird und mittelfristig auch das Grundwasser erreicht. Dabei gelangen die gelösten Giftstoffe direkt ins Grundwasser und verseuchen damit das Lebenselexier von Millionen Menschen!

Zu recht empört waren die Demoteilnehmer auch von der Kündigung der 200 Kumpel, die eine von der RAG vermittelte und angebotene Tätigkeit ablehnten.
Diese Arbeit war Leiharbeit zu deutlich verschlecherten Konditionen.  200 Kumpel haben ihre Kündigung erhalten, obwohl bei manch einem nur 27 Schichten fehlten, um in den vorgezogenen Ruhestand zu gehen. Jetzt müssen sie noch viele Jahre arbeiten, um ihr reguläres Rentenalter zu erreichen. Jeder weiss, dass es mit 50 Jahren oder mehr so gut wie keine Arbeitsplätze mehr gibt und die ehemaligen Bergleute über kurz oder lang in Hartz IV landen.

Außerdem wurden 124.000 Bergleuten und Witwen ihr Deputat für eine mickrige Abfindung geklaut (Deputat ist eine Zahlung für die Heizkosten, früher umfasste das Deputat die Lieferung von Hausbrand für Öfen).  "Mit Privatisierungen der alten Zechenwohnungen und Mieterhöhungen bis 90% verdient sich die RAG eine goldene Nase. Das alles ist eine große Schweinerei. Wir könnten Bücher darüber schreiben!" hieß es von Vertretern der Bergarbeiterinitiative Kumpel für AUF".

Seit Jahresbeginn wurden  drei Demonstrationen durchgeführt. Von der Demonstration in Bottrop am 15.06.19 mit über 300 Teilnehmern geht ein Signal aus: Damit wird die RAG nicht durchkommen!

Ch. Link von der Bergarbeiterinitiative äußerte sich: "Als Bergarbeiter lassen wir uns unsere Würde nicht nehmen! Wir haben zigtausende Tonnen Kohle gefördert und das Ruhrgebiet aufgebaut. Wir lassen uns nicht spalten. Wir haben gezeigt: Der Kumpel kann noch kämpfen. Wir bündeln unsere Kräfte: Arbeiter von der RAG und von Firmen, START und Nicht-APGler. Mit den Familien, Umweltschützern, Gewerkschaftern und Arbeitern anderer Branchen, Jugendlichen, die Freitags für die Umwelt auf die Straße gehen. Leute verschiedener Nationalität und Weltanschauung. Wir wissen, was Solidarität bedeutet, und wir wissen, wie man kämpft. Seit 150 Jahren stehen Kumpels zusammen, wenn es drauf ankommt".

Ein lautstarker Demonstrationszug setzte sich durch die Straßen vom Bottroper Stadteil Batenbrok in Bewegung. Viele Leute standen an ihren Fenstern und winkten den Demonstranten zu.

Auf der Abschlusskundgebung wurde folgende Resolution aller Demoteilnehmer beschlossen:
Rücknahme der Kündigungen
Unbefristete gleichwertige Ersatzarbeitsplätze im RAG-Konzern für alle Nicht-APG-Berechtigten und die jungen START-Arbeiter!
Kampf um jeden Arbeitsplatz! Die Flutung der Zechen darf nicht stattfinden! Entsorgung des Giftmülls. Kampf für wirksame Filteranlagen für PCB!
Weg mit den Mieterhöhungen!
Stopp den Deputatklau!
Aufhebung des Anfahrtsverbots für Christian Link.

Mein verstorbener Vater war ebenfalls Bergmann. Allein schon aus diesem Grunde war es für mich selbstverständlich, an diesem Protest in Bottrop teilzunehmen!

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