Eindrucksvolle Demonstration der Fridays for futures - Bewegung in Bochum mit über 10 000 Teilnehmern
Über zwei Drittel Schüler- und Studenten streikten für die Umwelt - erneut jedoch Spaltungsversuche gegen einzelne Organisationen und Parteien

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Als Mitglied der Koordinierungsgruppe der Bundesweiten Montagsdemo beteiligte ich mich an der riesigen Demonstration in Bochum. Bereits eine Stunde vor dem offiziellen Beginn der Auftaktkundgebung versammelten sich bereits zahlreiche Schüler, Jugendliche, Studenten, Familien mit Kindern und auch ältere auf dem Dr.Ruer-Platz. Viele selbstgemalte Schilder und bunte Transparente von verschiedenen Organisationen und vor allem von Schüler-innen fielen mir sofort ins Auge. Aussagen wie "Oma, was ist ein Schneemann" oder "Die Dinos dachten auch, sie hätten noch Zeit" zeugten davon, wie ernst sich alle Beteiligten für den Erhalt der Umwelt einsetzten.

Einige Organisationen wie z.B. der Jugendverband Rebell regten eine Diskussionsrunde bis zum Beginn der Auftaktkundgebung am offenen Mikrofon an und zwei Schüler meldeten sich direkt. "Meine Oma hat in dieser Welt noch leben können, ich weiß nicht, wie das ist, wenn ich einmal alt bin", äußerte sich ein Schüler. Kurz darauf wurde die entstandene Diskussion von sog. "Organisatoren" von FFF gestürmt und alle sollten ihre Fahnen und Flugblätter entfernen. Berechtigterweise ignorierten die Betroffenen, insbesondere der Jugendverband Rebell und die MLPD diese Aufforderung. Mit Hinweis auf das Versammlungsrecht und der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts konnte die vom Veranstalter inzwischen gerufene Polizei überzeugt werden, dass Fahnen, Transparente u.ä. zur freien Meinungsäußerung gehören und nicht verboten werden können. Das gleiche galt für den versuchten Ausschluss der Betroffenen von der Demonstration.

Danach folgten mehrere Redebeiträge von Vertretern der Belegschaften von Opel, Thyssen Krupp, Gewerkschaften, dem Rebell, der MLPD und mehreren anderen Einzelpersonen. Unüberhörbar war die Forderung, dass Arbeitsplätze nicht gegen den Umweltschutz ausgespielt werden dürfen und eine Einheit bilden. "Die Hauptverursacher der Klimakatastrohe sind die weltweiten Konzerne, die durch ihren Raubbau an Naturgütern und das Fördern der umweltfeindlichen Braunkohle für den hohen Schadstoffgehalt in der Luft gesorgt haben. Jetzt sollen die Folgen für die Umwelt auf einen großen Teil der Bevölkerung abgewälzt werden. Dagegen wenden für uns und fordern die Rettung der Umwelt auf Kosten der Konzerne", hieß es in einer Wortmeldung. Ein Vertrauensmann von Opel meinte: "Während die Regierung als Beauftragte der Konzerne eine Co2 - Steuer plant, wird über den Abgasbetrug von VW oder Daimler geschwiegen und die Verantwortlichen werden kaum zur Rechenschaft gezogen." In einer Wortmeldung  ging eine Rednerin von Thyssen-Krupp auch auf die Kündigung von Bergleuten der ehemaligen Zeche Prosper-Haniel durch die RAG ein, obwohl noch viel Arbeit im Bergbau vorhanden ist, z.B. durch die Wasserhaltung. "Ebenso fordern wir auf Kosten der RAG, den bisher eingelagerten Giftmüll aus den Schächten herauszuholen und entsprechend zu entsorgen und die Flutung der Schachtanlagen sofort zu beenden".

Nach dem musikalischen Auftaktprogramm auf der Hauptbühne setzte sich ein riesiger, bunter Demonstrationszug in Bewegung. Immer immer wurden Parolen wie "Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut" gerufen und Trommler begleiteten die Parole. Das offene Mikrofon wurde fortgeführt und ich meldete mich als Vertreter der Koordinierungsgruppe der Bundesweiten Montagsdemo zu Wort. "Die Hauptverursacher für die Klimakatastrophe sind die internationalen Konzerne und ihre Profitgier. Waldbrände wie in Brasilien, den Anrainerstaaten und in Sibirien sind die Folgen davon. Nur um Bodenschätze zu gewinnen oder Palmölplantagen anzulegen, wird skrupellos Raubbau an der Natur betrieben. Viele Landstriche werden unbewohnbar und das fördert  das Flüchtlingsproblem. Wir brauchen uns daher nicht zu wundern, wenn die Anzahl der Flüchtlinge steigen wird. Um die Umwelt zu retten, muss die Macht der Konzerne international bekämpft werden".

Urplötzlich kamen jedoch Polizeibeamte in den Demozug und behaupteten aufgrund einer Angabe der Veranstaltungsleitung, Mitglieder der Partei MLPD hätten einen Demoteilnehmer körperlich angegriffen. Diese Behauptung war eine glatte Lüge. Da ich meist immer in der Nähe dieser Partei war, kann ich bestätigten, dass von dieser Partei keine Gewalt ausging, auch nicht von den anderen Leuten. Trotzdem wollte die Polizei ein Platzverweis aussprechen, konnte jedoch durch Hilfe eines anwesenden Anwalts auf ihr rechtswidriges Verhalten hingewiesen werden. Die Polizei schritt nicht ein.

Mehrere Rednerinnen und Redner der Beschuldigten wiesen auf das spalterische und undemokratische Verhalten der Veranstaltungsleitung hin und boten eine sachliche Diskussion an, sie wurden jedoch von mehreren Jugendlichen niedergeschrien. Dieser erneute Spaltungsversuch blieb ebenfalls erfolglos, da sich die Betroffenen nicht einschüchtern ließen.  Hochachtung vor diesem Zusammenhalt und kämpferischen Mut! Die Störer fanden bei der großen Mehrheit der anderen Demonstranten kein Gehör.

Da die angegriffenen DemoteilnehmerInnen direkt die Unternehmen und auch die jetzige Politik der bürgerlichen Parteien angriffen, waren sie einigen einflussreichen Personen aus der Wirtschaft und/oder vermutlich den bürgerlichen Parteien, die verdeckt die FFF-Bewegung beeinflusste, ein Dorn im Auge. Man kann über den Kapitalismus unterschiedliche Meinungen haben. Deshalb darf aber niemand nur wegen seiner Meinung aus einem Protest ausgeschlossen werden. Zur Meinungsäußerung gehören nun mal Fahnen, Transparente, Flugblätter und auch die Bereitsstellung eines offenen Mikrofons. Das kam in mehreren Redebeiträgen deutlich zur Sprache.

Die Angegriffenen werden gegen den Veranstalter wegen der Nötigung  durch Personen bei der Fortsetzung der Demo und der Falschverdächtigung durch die Polizei juristisch vorgehen.

Ich frage mich, ob es den Spaltern überhaupt um den Sinn der Protestbewegung ging.

Trotz dieser Widrigkeiten war es für alle eine eindrucksvolle, kämpferische Demonstration zur Erhaltung unserer Natur und damit unseres Planeten! Weiter so!

Ulrich Achenbach
Mitglied der Koordinierungsgruppe
der Bundesweiten Montagsdemo

Autor:

Ulrich Achenbach aus Bochum

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