Libanon
Was ist die Ursache der schrecklichen Explosion in Beirut?

Demonstranten auf dem Balkon des libanesischen Außenministerium
  • Demonstranten auf dem Balkon des libanesischen Außenministerium
  • Foto: Nachrichtenagentur Reuter
  • hochgeladen von Ulrich Achenbach

Libanon steht kurz vor einer Revolution. Die Stimmung im ganzen Land ist genauso explosiv wie der TNT-Sprengstoff. Die Losung heißt berechtigter Weise: „Wir können es nicht mehr ertragen - das ganze System muss weg!“Nach der verheerenden Explosion eines Lagerhauses im Hafen von Beirut am Dienstag  sind  157 Toten und über 5.000 Verletzten zu beklagen.

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag versuchten Demonstranten, das Parlamentsgebäude zu stürmen. Sie wurden von der Polizei gewaltsam daran gehindert. Auch am Freitag gab es Proteste.

Heute versammelten sich erneut Zehntausende zu einer Trauer- und Protestkundgebung auf dem Märtyrer-Platz im Zentrum Beiruts. Das Motto der Kundgebung war "Gerechtigkeit für die Opfer, Rache an der Regierung". Die Demonstranten riefen unter anderem ""Revolution, Revolution" und "Das Volk will den Sturz des Regimes".

Seit Monaten gibt es Demonstrationen, Straßenblockaden, Besetzungen, brennende Autoreifen … Im Oktober 2019 trat Regierungschef Saad Harini nach dreizehn Tagen Protest zurück. Auslöser: geplante Steuererhöhungen. Die Wut richtete sich gegen Korruption, den desolaten Zustand des öffentlichen Dienstes und die jahrelange Misswirtschaft. Sein Nachfolger, Hassan Diab, - von der reaktionären islamistischen Hisbollah unterstützt - wurde zu seiner Vereidigung im Februar 2020 mit Protesten empfangen.

Im April 2020 gab es trotz Corona landesweite Proteste gegen die enorme Geldentwertung. Alltägliche Lebensmittel wurden zu Preisen von Luxusartikeln gehandelt. „Der Hunger ist größer als die Angst“, entwickelte sich zum geflügelten Begriff, bezogen auf die Gefahr der Pandemie. Im Juni gab es erneut Proteste gegen den Währungsverfall.

Durch die  gigantische Explosion im Hafen mit der Sprengwirkung von 1.100 Tonnen TNT, was einem Zehntel der Hiroshima-Atombombe entspricht, stieg die Die Zahl der Toten  zuletzt auf 158, die der Verletzten auf rund 6.000. 45 Menschen werden noch vermisst, überwiegend Hafenarbeiter.

Die Hälfte der Stadt ist zerstört, bis zu 300.000 Menschen sind obdachlos. Zwölf Gesundheitszentren wurden beschädigt – damit ist die Versorgung für 120.000 Menschen nicht mehr gewährleistet. 80 Prozent der Getreidereserven des Libanon sind zerstört. Der Hafen kann nicht mehr benutzt werden, um notwendige Lebensmittelimporte abzuwickeln. Viele Menschen beschuldigen die Regierung, für die fahrlässige Lagerung des hochexplosiven Ammoniumnitrats verantwortlich zu sein.(Quelle: rf-news.de vom 08.08.20)

Es ist sehr wahrscheinlich, dass die klerikal-faschistische Hisbollah für die Explosion verantwortlich ist - sogar westliche Geheimdienste gehen davon aus. Sie hat sie sich in der Vergangenheit doch immer klar zu Anschlägen bekannt, die sie verübte, aber in diesem Fall dementierte sie ihre vermutliche Verstrickung in die Explosion - völlig unglaubwürdig! Die reaktionäre, faschistoide religiös verbrämte Ausrichtung der Hisbollah ist zweifellos abzulehnen. Sie hat im Libanon allerdings durchaus eine Massenbasis - vor allem aufgrund der von ihr unterhaltenen zahlreichen sozialen und gesundheitlichen Einrichtungen.

Unter dem Druck der rebellischen Bevölkerung im Libanon sprach die Regierung von Neuwahlen. Ob diese überhaupt und fair durchgeführt werden, ist ungewiss. Auf jeden Fall wird das sich korrupte faschistoide Regime nicht mehr lange halten können.

Heuchlerisch warnte der deutsche Außenminister Heiko Maas warnte dagegen vor einer weiteren Destabilisierung des Libanon durch ausländischen Einfluss. "Wir wollen den Libanon stärken, denn diese Krise darf nicht genutzt werden, um ausländischem Einfluss in Libanon Tür und Tor zu öffnen."
Maas' Warnung richtet sich einzig und allein gegen den Einfluss rivalisierender imperialistischer Mächte. Ähnlich wie Syrien ist der Libanon Opfer der imperialistischen Mächte. Die USA und die EU unter Führung der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich streben die Vormacht im Libanon an. Der neu imperialistische klerikal-faschistische Iran unterstützt vor allem über die vom ihm abhängige Hisbollah im Libanon.

Die neokoloniale imperialistische Ausbeutung und Unterdrückung hat den Libanon dahin gebracht hat, wo er heute ist. Zuletzt hatte der IWF Verhandlungen über „Reformen“ im Libanon mit der korrupten Regierung aufgenommen. Die berüchtigten IWF-"Reformen": Deregulierung, Sozialabbau, weitere Öffnung für die internationalen Monopole, wie sie auch aus europäischen Ländern bekannt sind.

Alle imperialistischen Mächte fürchten, dass das libanesische Volk seine Sache in die eigene Hand nimmt und einen konsequenten antiimperialistischen Kampf aufnimmt, der sich gegen alle "ausländischen" Mächte gleichermaßen richtet. Die Solidarität in der libanesischen Bevölkerung ist hervorragend: Alle helfen sich gegenseitig in Beirut, die Folgen der schrecklichen Explosion zu mildern und die Ausräumungsarbeiten zu unterstützen.

Selbstverständlich sind alle Hilfslieferungen an den Libanon zu begrüßen.

Autor:

Ulrich Achenbach aus Bochum

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