VFL BOCHUMS GESCHÄFTSFÜHRER SPORT SEBASTIAN SCHINDZIELORZ IM EXKLUSIV-INTERVIEW
Schindzielorz warnt den VfL: "Aue? Sehr schwierig zu bespielen!"

Sebastian Schindzielorz warnt vor Erzgebirge Aue: "Wir wissen, wie unangenehm diese Aufgabe sein kann. " Foto: Molatta
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Mit dem Spiel gegen Erzgebirge Aue geht es am Samstag (24.11., 13 Uhr) weiter für den VfL Bochum. Warum er einen unangenehmen Gegner erwartet, erklärt Sebastian Schindzielorz im zweiten Teil des großen Exklusiv-Interviews mit dem Stadtspiegel. Außerdem spricht der Geschäftsführer Sport des VfL über das harte Los der Ersatzspieler, Transferpläne und Vertragsverlängerungen und verrät, wann auch bei ihm das Handy mal ausgeschaltet bleibt.

Hier geht's zu Teil 1: Schindzielorz über späte Gegentore und verletzte Spieler, Qualität, Fitness und die Stimmung an der Castroper Straße.

Sebastian Schindzielorz, auf den VfL Bochum warten bis zum Ende des Jahres noch einige Herausforderungen gegen direkte Konkurrenten, wenn man an St. Pauli oder Union Berlin denkt. Nicht nur für Manuel Riemann werden das die Partien, die richtig Spaß machen.
Die Spiele sind alle wichtig und alle eng – ob St. Pauli oder Darmstadt. In jedem Spiel gibt es drei Punkte, in jedem Spiel kannst du dich verbessern. Darum empfehle ich auch, jetzt nicht schon auf die Aufgaben im Dezember zu gucken. Das nächste Spiel findet gegen Erzgebirge Aue statt und auch da werden wichtige drei Punkte vergeben. Das wird schwer genug. Wir wissen, wie unangenehm diese Aufgabe sein kann. Dieser Situation müssen wir uns jetzt stellen.

Warum erwarten Sie gegen Aue ein schwieriges Spiel?

Aue hat über Jahre eine gewisse Mentalität entwickelt, die ein bisschen das Underdog-Image beinhaltet einer Mannschaft, die ums nackte Überleben kämpft. Entsprechend treten sie immer sehr geschlossen auf, sind sehr schwierig zu bespielen. Sie haben dazu in den letzten Jahren aber auch fußballerisch einen guten Ansatz gewählt. Sie schlagen nicht nur lange Bälle, sondern versuchen über einen klaren Plan und fußballerische Ansätze den Gegner in Schwierigkeiten zu bringen. Das gelingt ihnen Woche für Woche, darum wird es auch für uns schwer genug, sie zu schlagen.

"Jeder spielt lieber vor einer großen Kulisse"

Aue hat nicht den attraktivsten Namen, was die Fans nicht unbedingt in Scharen anlocken dürfte. Wie zufrieden sind Sie mit den Zuschauerzahlen in dieser Saison bislang?
Jeder spielt natürlich lieber vor einer richtig großen Kulisse als vor 10.000 Zuschauern im Regen. Aber es ist unsere Aufgabe, die Leute mit Leistung zu überzeugen, attraktiv zu spielen und Mentalität zu zeigen. So signalisieren wir, dass es sich lohnt, zu uns ins Stadion zu kommen. Natürlich hoffen wir auch gegen Aue auf einen ordentlichen Besuch. Wenn die Tribünen voll sind, hast du einfach eine andere Atmosphäre. Und das pusht auch die Spieler.

Der VfL Bochum musste und muss häufig zuhause montags antreten, was in der Fanszene nicht gerade der beliebteste Termin ist. Ist das auch ein Problem?
Ich denke schon, dass dies auch eine Rolle spielt. Nicht nur für die Auswärtsfans ist es ein Problem, am späten Montagabend zu den Spielen zu reisen und am nächsten Tag wieder am Arbeitsplatz zu sein.

Robin Dutt setzt bisher in dieser Saison – verletzungsbedingte Wechsel mal ausgeklammert – auf einen festen Stamm für die erste Elf. Spieler wie Görkem Saglam, Patrick Fabian oder Vitaly Janelt haben es da schwer, zu Einsätzen zu kommen.
Es ist doch die normalste Sache im Fußballgeschäft. Alle Vereine haben mindestens 22, 23 Spieler in ihrem Kader – und nur elf können spielen und nur 18 können zum Spieltagskader gehören. Das ist für die, die nicht dabei sind, sicherlich nicht schön. Aber wir versuchen den Jungs, die hinten dran sind, auch die richtigen Dinge mit auf den Weg zu geben und sie so zu unterstützen, dass sie sich weiter verbessern und im Konkurrenzkampf eine wichtige Rolle spielen. Und die Jungs nehmen es alle gut an – bei aller Unzufriedenheit, die verständlicher Weise auch herrscht, wenn man nicht spielt.

Was fehlt zum Beispiel einem Görkem Saglam im Vergleich zu seinen Konkurrenten?
Gerade auf dieser Position haben wir eine gewisse Qualität im Kader. Mit Basti Maier haben wir einen Spieler, der aus der 1. Liga gekommen ist und sich mit seinen Trainingsleistungen und in den Testspielen schon in der Vorbereitung einen gewissen Status erarbeitet hat. Dann haben wir Lee dazu bekommen, der auch in kurzer Zeit schon gezeigt hat, wozu er fähig ist. Da war es für Görkem schwierig, aber er ist hervorragend damit umgegangen. Er ist fleißig und versucht sich ständig zu verbessern. Nur so kann es weitergehen. Und so bekommt er dann auch seine Chance wie zuletzt gegen Darmstadt.

"...bislang war niemand bei mir"

Gibt es Anzeichen, dass einer der Ersatzspieler seine Zukunft ab dem Winter eher nicht in Bochum sieht?
Nein. Unsere Türen stehen immer offen, wenn es Probleme gibt, unterhalten wir uns – ganz egal ob es Spieler sind oder Mitarbeiter der Geschäftsstelle. Aber bislang war niemand bei mir.

Der VfL Bochum steht derzeit auf Platz fünf. Im Umfeld ist das Thema Aufstieg bzw. Relegation durchaus ein Thema, auch wenn die Saison noch lang ist. Trauen Sie der Mannschaft am Ende einen Platz unter den besten drei Teams zu?
Ich finde es absolut legitim, wenn sich Fans oder Medien mit diesem Thema beschäftigen. Aber wir als VfL haben uns zu den Zielen klar positioniert. Wir wollen unter den Top 25 in Deutschland sein. Und wir ändern unsere Zielsetzung nicht von Woche zu Woche, nur weil wir mal zwei Plätze nach oben klettern oder zwei Plätze nach unten fallen. Wir verfolgen dieses Ziel mit aller Akribie und Konsequenz und versuchen uns dabei natürlich so gut wie möglich zu platzieren. Aber im Vordergrund steht die Nachhaltigkeit und größtmögliche Kontinuität. Darauf konzentrieren wir uns. Nicht auf die Dinge, die rechts und links neben uns passieren.

Apropos Kontinuität: Im Sommer laufen beim VfL eine ganze Reihe von Verträgen aus.

Wir wissen natürlich, wie die Kadersituation und die Vertragssituation aussieht. Und natürlich sitzen wir fast täglich zusammen, überlegen, wie es weitergeht und führen Gespräche. Es ist ein ständiger Austausch mit allen Seiten. Dabei geht es um die Entwicklung der einzelnen Spieler, es geht aber auch um die Entwicklung der Mannschaft und um das Mannschaftsgefüge. Wir sehen, dass wir Stück für Stück vorankommen. Und wenn es etwas zu verkünden gibt, werden wir uns melden. (lacht)

"Chance, an Stellschrauben zu drehen"


Empfinden Sie es mit Blick auf die angestrebte Kontinuität als unglücklich, dass gleich die Verträge so vieler Leistungsträger zusammen auslaufen?

Es bietet aber doch zugleich auch die Chance, an gewissen Stellschrauben zu drehen. Auch das empfinde ich als ganz normalen Prozess und ganz normale Situation im Profi-Fußball. Das ist jedenfalls nichts, was uns schlaflose Nächte bereitet.

Sind für den Winter Transfers angedacht – in die eine oder andere Richtung?

Wir sind mit der Gruppe aktuell sehr zufrieden. Und wie vorhin schon betont, ist unser Ansatz die Kontinuität. Wir versuchen also so wenig wie möglich zu verändern. Aber wir wissen auch, dass Dinge sich im Fußball manchmal schnell entwickeln können. Vielleicht kommt etwas auf uns zu, das wir jetzt noch gar nicht sehen. Aber der generelle Ansatz liegt auf größtmöglicher Kontinuität.

Lassen Sie uns zum Abschluss noch kurz über Sie persönlich sprechen. Sie üben jetzt seit neun Monaten die Funktion des Sportvorstandes bzw. Geschäftsführers Sport beim VfL aus. Ist der Stressfaktor so hoch wie erwartet?

Die Frage nach meiner Erwartung ist schwierig zu beantworten, weil ich mir vorher dazu kaum Gedanken gemacht habe. Die Entwicklung war zum Jahresbeginn sehr kurzfristig; ich bin quasi von jetzt auf gleich in diese Position gerutscht. Heute kann ich sagen, dass es sicherlich zeitintensiv ist, ab und zu auch mal stressig. Aber es macht Spaß! Es ist eine wunderbare Aufgabe mit tollen Mitarbeitern und mit einem guten Zusammenhalt. Wir haben ein tolles Miteinander, ob es nun die Mannschaft, das Trainerteam oder das Team in der Geschäftsstelle betrifft. Also alles gut, es macht mir wirklich Freude. Wenn wir gewinnen, natürlich noch ein bisschen mehr.

"Weihnachtszeit ist Transferzeit"

Gönnen Sie sich über Weihnachten ein paar Tage Urlaub?
Weihnachtszeit ist auch schon wieder Transferzeit, da ist entsprechend nichts in Sachen Urlaub geplant. Eine gewisse Erreichbarkeit muss man in dieser Zeit schon haben. Wie gesagt, die Dinge können sich manchmal auch sehr schnell und kurzfristig entwickeln. Aber auf die Zeit mit der Familie freue ich mich gerade an den Feiertagen sehr, das werde ich auch genießen. (lacht) Und das Handy werde ich zumindest am Heiligen Abend vorsorglich einfach mal ausstellen.

Sebastian Schindzielorz warnt vor Erzgebirge Aue: "Wir wissen, wie unangenehm diese Aufgabe sein kann. " Foto: Molatta

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