Internationale Betrügerbande geht der Bochumer Polizei ins Netz - Festnahmen in Paris, Madrid, Brüssel und Berlin

Herbst 2009. Sie kamen aus Berlin und übernahmen als Im- und Exporthandel die Geschäftsräume einer Firma in Herne. Nur wenige Tage benötigten die sechs Betrüger, von denen einer aus Bochum kommt, zum Aufbau der gesamten Logistik. Mit der Einstellung von erfahrenen Fremdsprachenkorrespondentinnen konnte die Betrugsmasche dann so richtig beginnen.

Tagtäglich wurden die ahnungslosen Mitarbeiterinnen angewiesen, alles an Waren zu bestellen, was der internationale Markt hergab: Paletten von Computern und Maschinen sowie Telekommunikationsgeräte, Lebensmittel, Büroartikel und Autozubehörteile. Bezahlt wurde nichts! Sobald die Ware einging, verkaufte man sie an Abnehmer rund um den Globus weiter. Skeptische Lieferanten erhielten sogar eine Einladung nach Herne, wo sie von „weltmännischen“ Geschäftspartnern in Nadelstreifenanzügen empfangen und vom Vertragsabschluss überzeugt wurden.

Hierbei blieb ihnen der imposante Fuhrpark der Betrügerbande nicht verborgen: Edle Nobelkarossen, von Mercedes über BMW bis Jaguar, alles erlogen und ertrogen. Als es den Kriminellen zu heiß und der Druck ihrer Gläubiger zu groß wurde, verschwanden sie in einer „Nacht-und-Nebel-Aktion“, hinterließen nur die leeren Geschäftsräume.

Das Resultat: In nicht einmal vier Monaten erleichterten die Betrüger ihre Geschäftspartner um 2,5 Millionen Euro. Einige Firmen brachten sie damit an den Rand der Pleite. Für diese Masche gibt es in Polizeikreisen den Fachbegriff „Stoßbetrug“.

Dass Kommissariat zur Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität in Bochum (KK 23) wurde von der Schwerpunktstaatsanwaltschaft beauftragt, die Ermittlungen aufzunehmen. „Wir hatten anfangs nur mäßige Erfolge, da die Betrüger unter falschen Personalien aufgetreten sind und ihre Identität nicht fest stand“, so der Leiter des KK 23, EKHK Detlev Friedrich.

Die aufwändige kriminalistische Arbeit trug jedoch Früchte, als die ersten Spuren ausgewertet und Zeugen befragt wurden. „So langsam konnte man die Puzzleteile zu einem Ganzen zusammenfügen. Wir wussten nun, dass wir es mit Straftätern zu tun hatten, die sich auf dem internationalen Parkett bewegten“ so der ermittelnde Bochumer Staatsanwalt Jürgen Brandt.

Nunmehr zogen die Ermittler alle Register, um die Betrüger, die zwischen 40 und 50 Jahre alt sind, dingfest zu machen. Im Schulterschluss mit den europäischen Sicherheitsbehörden wurde der Fahndungsdruck auf das kriminelle Sextett erhöht. Auch die Zielfahndung des Düsseldorfer Landeskriminalamts wurde um Unterstützung gebeten.

Letztlich gelang ihr in Zusammenarbeit mit europäischen Fahndern der große Schlag: Im letzten Monat wurde nach vorausgegangenen Festnahmen in Paris, Brüssel und Berlin auch der Kopf und Drahtzieher der Bande (47) in Madrid festgenommen und den deutschen Behörden überstellt. EKHK Friedrich lobt die internationale Zusammenarbeit: „Wir können nur erfolgreich sein, wenn wir grenzüberschreitend zusammen arbeiten, da sich Wirtschaftskriminelle in den meisten Fällen nicht an Grenzen halten. Hier sind wir auf einem guten Weg.“

Mittlerweile wurden durch das Landgericht Bochum erste Urteile im Prozess gegen Mitglieder dieser Nadelstreifenbande ausgesprochen: Einige müssen bis zu sechs Jahre hinter Gitter.

Autor:

Ernst-Ulrich Roth aus Bochum

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