Zwischenruf: „Wo mehr zählt als Zahlen!“

Karl-Heinz Gehrt, Pfarrer der Selbständigen Ev.-Luth. Kirche in Hamme.
  • Karl-Heinz Gehrt, Pfarrer der Selbständigen Ev.-Luth. Kirche in Hamme.
  • Foto: Privat
  • hochgeladen von Ernst-Ulrich Roth

Es war eine schwierige Sitzung, weshalb sie sich auch unnötig in die Länge zog. Immerhin hatten wir mit Briefen an den Bundesverkehrsminister erreicht, dass wir unser Anliegen vor Ort in einem Gespräch mit Fachvertretern aus Bund und Land erläutern konnten. Wir wollen, dass größere Schilder schon in weiterer Entfernung vor der Abfahrt auf die Autobahnkirche RUHR in Bochum hinweisen. Die jetzigen kleinen Reiter auf den Autobahnschildern werden zu leicht übersehen.
Dabei wollen die Richtlinien für die Beschilderung beachtet sein. Andererseits sind nicht wenige Autobahnkirchen in Deutschland wesentlich besser ausgeschildert. Warum soll in NRW unmöglich sein, was in Niedersachsen oder Bayern keine Schwierigkeiten macht? Ein Argument von Seiten der Behörden verdient einen „Zwischenruf“, weil es zum Nachdenken anstößt. „Dann könnte ja auch ein Kaufhaus z.B. ein großer skandinavischer Möbelhersteller ein Schild an der Autobahn beantragen. Die haben sicher mehr Kunden als eine Kirche.“
Zugestanden, so kann man das auch sehen – auf den ersten Blick ganz wertneutral. Aber es erstaunt mich, wenn Verantwortliche für unser Gemeinwohl den Unterschied zwischen einem Kaufhaus und einer Kirche nicht zu schätzen wissen. Gotteshäuser – egal welcher Religion – stehen dafür, dass es wichtigeres gibt, als Profit und Schnäppchen. Der Mensch ist mehr als Kunde und Konsument. Wir leben von Werten, die sich eben nicht verrechnen lassen. Wir brauchen Orte, wo wir Vertrauen, Zuwendung und Zuversicht atmen - Mehrwert, der nicht zu bezahlen ist. Für jeden einzelnen Besucher, der in einer Kirche eine Pause der Besinnung sucht, ist es wert, ein Hinweisschild aufzustellen. Mancher dankbare Eintrag in das ausliegende Buch für Besucher bestärkt uns, weiter einzuladen und eine bessere Beschilderung zu fordern.
Über Konfessions- und Religionsgrenzen hinweg ist es an der Zeit dafür einzutreten, dass für uns mehr zählt als das, was man zählen kann - um Himmels und der Menschen willen.

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