Ein Herz für Esel
Tierliebe kennt keine Grenzen

Ihr eigener Esel Ferdinand genießt sein Leben in Stiepel. "Er hat höchstens das Problem, dass er von dem vielen guten Gras hier zu dick ist." In Israel hat Kerstin Turley ganz andere Eselschicksale kennen lernen müssen.
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  • Ihr eigener Esel Ferdinand genießt sein Leben in Stiepel. "Er hat höchstens das Problem, dass er von dem vielen guten Gras hier zu dick ist." In Israel hat Kerstin Turley ganz andere Eselschicksale kennen lernen müssen.
  • Foto: Molatta
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Dumm? Störrisch? Esel genießen gemeinhin nicht den allerbesten Ruf. Trotzdem hat Kerstin Turley die Tiere in ihr Herz geschlossen. Seit ihrer Jugend hat die Bochumerin selbst immer wieder eigene Esel - in diesem Sommer brachte sie ihre Leidenschaft sogar bis nach Israel: In einer privaten "Donkey Sanctuary", also einer Esel-Schutzstation, die sich um geschundene Tiere kümmert, arbeitete sie drei Wochen lang ehrenamtlich mit. Was sie dort erlebt hat, wird sie so schnell nicht vergessen.

44 Esel und drei Pferde lebten im Sommer in der Schutzstation "Lucys Donkey Sanctuary", die von einer Engländerin und ihrem israelischen Ehemann geleitet wird - gelegen im Norden des Landes, rund 40 Kilometer nördlich von Tel Aviv, nahe der Grenze zum Westjordanland.
Dort kümmern sich die ehrenamtlichen Tierschützer vor allem um Esel, die aus den Palästinenser-Gebieten stammen. Denn dort werden sie - anders als in Israel, das ein technisch hoch entwickeltes Land ist - nach wie vor als Arbeits- und Nutztiere gebraucht. Oder sollte man besser sagen: missbraucht? "Der Umgang mit den Tieren dort ist schrecklich", hat die Bochumerin hautnah erleben müssen. "Die Tiere haben keinen Wert. Sogar zum Transport von Sprengsätzen für Attentate werden sie eingesetzt. Wenn sie krank, verletzt oder zu schwach sind, um noch zur Arbeit zu taugen, werden sie schlimmstenfalls irgendwo an einen Baum gebunden und ihrem Schicksal überlassen." Oder sie werden von ihrem Besitzer ausgesetzt und Richtung Grenze getrieben - und haben eventuell das Glück, bei den Tierschützern in Israel zu landen. "Auch israelische Grenzsoldaten kennen die Einrichtung und bringen immer wieder Tiere vorbei", berichtet Kerstin Turley. "Für Esel ist es ganz offenbar leichter über die Grenze zu kommen, als für die Palästinenser selbst."
Immer wieder müssen sich die Tierschützer daher um Esel mit offenen Wunden kümmern, um Tiere mit deformierten Extremitäten, denen man ihre jahrelange Misshandlung ansieht. Liebevoll werden sie aufgepäppelt und versorgt. "Die Dankbarkeit ist bei manchen Tieren direkt greifbar", erinnert sich Kerstin Turley gerne zurück. Neben Füttern und Misten gehörte daher für sie daher auch die medizinische Behandlung der Tiere - wie Wunden auswaschen oder Spritzen geben - zu den Aufgaben. "Da darf man nicht zimperlich sein." Die Einrichtung, die sich ausschließlich durch Spenden finanziert, ist auf die Mitarbeit von Freiwilligen wie der 46-Jährigen angewiesen. "In den sozialen Netzwerken gibt es einschlägige Esel-Foren, dort bin ich auf die Station aufmerksam geworden. Wenn man dort mithelfen will, ist Erfahrung im Umgang mit Eseln durchaus notwendig, reine Tierliebe allein reicht nicht."

Als Jugendliche den ersten Esel gekauft

Und Erfahrung mit den Tieren hat sie reichlich. "Dabei bin ich ja eigentlich ein Pferdemädchen", lacht Kerstin Turley. "Aber irgendwann habe ich festgestellt, dass Esel viel freundlicher und netter sind als Pferde. Sie mögen dich um deiner selbst willen und sind total treue Seelen."
Schon als Jugendliche kaufte sie mit einer Freundin zusammen ihren ersten Esel vom Taschengeld: "Wir waren total blauäugig, haben den Esel einfach zu den Pferden auf die Weide gestellt, das war's. Er tut mir heute noch leid."
Längst weiß sie es besser, hat sich im Laufe der Jahre um viele Pflegetiere gekümmert. Derzeit ist Esel "Ferdinand" ihre große Liebe. Das Grautier, ein "Scheidungskind" aus den Niederlanden, steht gemeinsam mit ein paar Artgenossen bei einer befreundeten Tierliebhaberin in Stiepel. Auch Schafe, Enten, Hühner und viele andere Tiere gibt es in dem kleinen grünen Paradies. "Wann immer ich kann, bin ich hier draußen. Nach einem stressigen Tag im Büro kann ich hier wunderbar entspannen. Die Tiere bringen einem so viel Zuneigung entgegen." Auch gemeinsame Spaziergänge mit den Tieren stehen regelmäßig auf dem Programm - etwa hinunter zum Kemnader See oder Richtung Lottental. " Das ist ein wunderbarer Weg, um zu entspannen", erzählt die 46-Jährige, die für das "Musiktheater im Revier" arbeitet.
Nicht nur um das Aufpäppeln kranker Esel geht es den Tierschützern von "Lucys Donkey Sanctuary", sondern auch darum, vor Ort in den Palästinensergebieten zu arbeiten, Tiere dort zu betreuen und Aufklärungsarbeit zu leisten. Gemeinsam mit einem befreundeten Tierarzt geht es daher regelmäßig "über die Grenze". "Das war schon ein mulmiges Gefühl", gibt Kerstin Turley zu. Gleichzeitig sei es wichtig, über den richtigen Umgang mit den Tieren zu informieren. "Ich kann nicht beurteilen, ob wir die Menschen immer erreicht haben - aber nur so kann man Veränderung bewirken.
Trotz der vielen harten Arbeitstage und schrecklichen Bilder, die Kerstin Turley sehen musste - die drei Wochen in Israel haben auch Spaß gemacht: "Ich bin ja nicht die Mutter Teresa der Esel, die sich selbstlos aufopfert. Natürlich hat mir das auch persönlich viel gebracht. Ich habe eine Menge gelernt, was mir auch für unsere Tiere zugute kommt. Und ich habe Einblicke in das Land bekommen, die man als normaler Tourist nicht bekommt. Ich würde es wieder tun."
Weitere Infos über das Projekt gibt es unter www.lucysdonkeysanctuary.org.

Autor:

Petra Vesper aus Bochum

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