Westfalia gehört zum Club der 100-Jährigen - Fußballverein feiert sein Jubiläum – Wechselvolle Geschichte

Impressionen aus dem Jahr 1928.  Foto: Westfalia Bochum
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100 Jahre alt wird in diesem Jahr der Ballsportverein Westfalia Bochum. Am Samstag, 22. Oktober, findet im Restaurant Förderturm, Schillerstraße 20, die inzwischen ausverkaufte offizielle 100-Jahr-Feier des Vereins statt. Neben den offiziellen Vertretern seitens der Stadt und des Fußballs begrüßt der Verein auch Jubilare, Vereinsmitglieder und Freunde.

Begonnen hat alles im Jahr 1911, als die Gebrüder Wieland fußballbegeisterte Sportfreunde um sich versammelten und den Verein gründeten, der im Lokal Viktor Schulte an der Dorstener Straße aus der Taufe gehoben wurde.
Im Jahre 1913 erfolgte die Aufnahme in den Westdeutschen Fußballverband. Im Jahre 1921/22 stieg die erste Fußballmannschaft in die 1. Liga auf. In der Festschrift zum 50-jährigen Jubiläum wurden die Erfolge der Fußballmannschaft in den Jahren zwischen 1922 und 1929 als „acht Erfolgsjahre“ bezeichnet, denen dann der Abstieg und 1930/31 der Wiederaufstieg in die erste Bezirksklasse folgte.

Als im Jahre 1936 der BV Westfalia sein 25-jähriges Jubiläum feierte, galt der Verein als der größte Sportverein des Bochumer Nordens. In die wechselvolle Vereinsgeschichte reiht sich auch der Wechsel der Sportplätze ein: „Eine große Schwierigkeit ergab sich“, schreibt der Bochumer Anzeiger von 1936, „als im gleichen Jahr der seit 1921 innegehabte Platz an der Freiligrathstraße geräumt werden musste“. „Inzwischen“, so geht es aus der Festschrift des Jahres 1961 hervor, „hatte der BV Westfalia den Platz an der Westhofstraße räumen müssen, weil er für Bauzwecke benötigt wurde. Als Ersatz“, so wird fortgeführt, „ließ die Stadtverwaltung den Platz an der Freiligrathstraße wieder herrichten und übergab dem BV Westfalia diese Anlage.“ Seit Anfang der fünfziger Jahre spielt man auf dem Sportplatz Hofsteder Straße.

Im Jahre 1932/1933 gelang es den Westfalen in die erste Bezirksklasse aufzusteigen. Große sportliche Erfolge in den Spieljahren 1933/34 und 1934/35 werden ihnen attestiert, doch der erhoffte Aufstieg in die damals höchste Spielklasse misslang. Aus der Festschrift zum 40-jährigen Jubiläum steht über die Jahre bis zum Ende des zweiten Weltkrieges: „Auch in diesen Jahren hat Westfalia beachtliche Leistungen vollbracht. (...) Mit Recht kann gesagt werden, daß Westfalia zu den führenden Vereinen zählt und sein Name weit über Bochums Grenzen hinaus bekannt geworden ist. Ja selbst während des zweiten Weltkrieges wurde der Spielbetrieb mit einigen Unterbrechungen aufrecht erhalten.“

Westfalia zählte zu den Spitzenmannschaften in Bochum. Die Quellen berichten von Fußballspielen auf dem Sportplatz an der Freiligrathstraße vor zehn- bis zwölftausend Zuschauern gegen Wattenscheid 09/30 und Günnigfeld. In einem Artikel des bekannten Bochumer Sportjournalisten Heinz Formann aus dem Jahre 1995 anlässlich des 70. Geburtstags über „Peitsche“ Heinz Riehl, einem der bekanntesten Westfalia-Spieler, wird von Stadtauswahlspielen vor mehr als 20.000 Zuschauern berichtet, bei denen sich unter anderem der FC Schalke 04 mit 0:2 geschlagen geben musste.

Nach dem zweiten Weltkrieg konnte die Westfalia nicht mehr an frühere Erfolge anknüpfen. In der Festschrift zum 50-jährigen Jubiläum wird geklagt: „Der Verein schien einer neuen Blüte entgegenzugehen. Es war scheinbar nur noch eine Frage der Zeit, wann der BV Westfalia den Aufstieg erringen würde. Nur ging die Rechnung nicht auf, weil sie ohne einen völlig neuen Faktor gemacht worden war: ‚Vertragsfußball‘. Zu den leidtragenden Vereinen, die ein Klagelied davon singen können, welche Suppe ihnen der bezahlte Fußballsport eingebrockt hat, gehört in Bochum mancher Verein. Doch nur wenige traf ein so großer Aderlaß wie den BV Westfalia. In Scharen wurden ihm die guten Spieler sozusagen weggekauft.“ Ab 1953 übernahm Willi Körtge den Vorsitz des Vereins. 1957 wurden das Vereinsheim oder besser die heutigen Umkleidekabinen übergeben. Spötter behaupten, seitdem habe sich an ihnen nichts geändert. Vorsitzender beim 60-jährigen Jubiläum war Julius Cassel. Die erste Mannschaft spielte in der 1. Kreisklasse.

In den 80er und 90er Jahren versuchte der damalige Vorsitzende Elmar Michel bis zu seinem Tod, den Sportbetrieb der Fußballabteilung mit wechselndem Erfolg aufrechtzuerhalten und stürzte mit der ersten Mannschaft bis in die Kreisliga C. Tiefer - so sei dem Laien versichert - geht es nicht mehr. Nach dem Tod Elmar Michels drohte der Fußballabteilung 1998 das völlige Aus. Ein Vorstandsteam um Frank Dobritzsch, Erni Müller, Harald Deutsch und Jürgen Kaiser verhinderte mit viel Einsatz das Verschwinden des Traditionsvereins von der Bildfläche.

Bis der Verein aus den Niederungen der Kreisliga C wieder herausfand, vergingen jedoch weitere sechs Jahre. Zwar war 2001 der Aufstieg zum Greifen nah, aber im letzten Relegationsspiel ließen sich die Grün-Weißen die Butter noch einmal vom Brot nehmen und so dauerte es bis 2004, ehe Westfalia endlich wieder einen Meistertitel feiern durfte.

Das letzte Jahrzehnt gehört dann aber wieder zu den erfolgreicheren Jahren des Vereins. Drei Aufstiege in den Jahren 2004, 2004 und 2010 stehen einem Abstieg aus dem Jahr 2009 gegenüber. Ein schöner Erfolg gelang zudem in der Saison 2001/2000, als man den Fair-Play-Pokal der Sparkasse gewann. Und nach dem Aufstieg unter Trainer Meinolf Mehls im vergangenen Jahr gelang der Mannschaft auch in der Kreisliga A der Klassenerhalt.

Impressionen aus dem Jahr 1928.  Foto: Westfalia Bochum
Bis zum 2. Weltkrieg gehörte Westfalia zu den erfolgreichsten Vereinen Bochums. Foto: Westfalia Bochum

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