Ruhrgebietsfilm "Junges Licht" startet am 12. Mai in den Kinos

Regisseur Adolf Winkelmann im Kreis von Bergleuten in der Bochumer Fußgängerzone.
  • Regisseur Adolf Winkelmann im Kreis von Bergleuten in der Bochumer Fußgängerzone.
  • hochgeladen von Nathalie Memmer

Der Regisseur Adolf Winkelmann ist dem Ruhrgebiet in seinem filmischen Schaffen von jeher eng verbunden. Gerade ist seine Ruhrgebietstrilogie – bestehend aus den Filmen „Die Abfahrer“, „Jede Menge Kohle“ und „Nordkurve“ - aus Anlass des 70. Geburtstag des Regisseurs auf Blue-Ray und DVD veröffentlicht worden. Auch der Autor Ralf Rothmann siedelt seine Geschichten im Revier an. „Bislang lag nur eine studentische Verfilmung einer Rothmann-Erzählung vor. Adolf Winkelmann hat mit ´Junges Licht´ nun erstmals einen Roman des Autors verfilmt“, sagt Produzentin Christiane Schaefer. Ab 12. Mai ist der Streifen in den Kinos zu sehen. Gedreht wurde nicht nur auf der Zeche Auguste Victoria in Marl, sondern auch im historischen Bergarbeiterhaus der Bochumer Zeche Hannover.
Zeitlich ist der Film in den sechziger Jahren angesiedelt. Der zwölfjährige Julian Collien (Oscar Brose) ist ein empfindsamer Junge und wird dadurch zum Außenseiter. Die etwas ältere Nachbarstochter Marusha (Greta Sophie Schmidt) weckt mit ihrer Laszivität seine erotischen Wünsche. Auch Julians Vater Walter kann und will sich der Faszination, die von der Heranwachsenden ausgeht, nicht entziehen. Das erschüttert das Gefüge der Familie Collien. Julian läuft weg und versucht auf seine ganz eigene Weise, die Sache in Ordnung zu bringen. Produzentin Schaefer interpretiert das Ende des Films so: „Es ist Julians Aufbruch in die Welt, die wir heute kennen.“ Auch die Filmmusik, für die der Singer-Songwriter Tommy Finke verantwortlich zeichnet, verweist zum Teil eher auf die heutige Zeit als auf die sechziger Jahre.
Andererseits wirkt das im Film Dargestellte aus heutiger Sicht streckenweise verstörend. „Konflikte“, sagt Regisseur Winkelmann, „wurden in der damaligen Zeit unter den Teppich gekehrt. Der Nationalsozialismus und der Zweite Weltkrieg wurden verdrängt.“ Gewalt gegen Heranwachsende ist sowohl in der Familie als auch in der Schule an der Tagesordnung. Julians Vater Walter (Charly Hübner) geht als Bergmann einer sehr belastenden Arbeit nach. Die Vater-Sohn-Beziehung schwankt auf eigentümliche Weise zwischen Nähe und Distanz. Insgesamt liegen traurige und komische Momente im Film nah beieinander. „Bei einigen Szenen“, hat der Regisseur beobachtet, „bleibt den Zuschauern das Lachen im Halse stecken. Gerade das macht die Intensität des Films aus.“
Adolf Winkelmann ordnet ein: „Mein Film ist ein Abgesang auf das Ruhrgebiet. Die Region hat sich schließlich schnell verändert.“ Wie sein Fernseh-Zweiteiler „Contergan“ beeindruckt „Junges Licht“ nicht zuletzt durch die liebevolle Ausstattung. „Es gibt Fachleute für Requisiten. Einige Ausstattungsgegenstände sind eigens für den Film hergestellt worden“, verrät Winkelmann.
Ein weiterer Grund, sich den Film anzuschauen, sind die hervorragenden Schauspieler. Neben Lina Beckmann, die Julians Mutter verkörpert, glänzt vor allem Caroline Peters in der Rolle der Frau Morian. Was diese Gestalt ausmacht, hat Peters in unnachahmlicher Weise auf den Punkt gebracht: „Sie ist ein tragischer abgebrochener Absatz in der Geschichte des Ruhrgebiets.“

Autor:

Nathalie Memmer aus Bochum

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